Erkenntnisse aus der Panikwoche

5. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Manfred Gburek

In den Kommentaren zum Kurssturz an den Börsen war und ist zu Recht von Panik die Rede. Dafür gibt es zwei Erklärungen: grottenschlechte Kommunikation von oberster Stelle und Rezessionsangst in Verbindung mit der internationalen Schuldenkrise. Das Ganze bildet erst den Anfang und nicht das Ende einer Entwicklung…

… während der zunächst – unter heftigen Schwankungen – weiterhin Aktien betroffen sein werden. Diese Entwicklung wird auf unterschiedliche Weise auch andere Anlagen beeinflussen, nicht zuletzt Gold und Silber.

Wenden wir uns zunächst dem Kommunikationswirrwarr zu. Wenn das kein Grund zur Panik ist: Durch den Rat der Europäischen Zentralbank zieht sich ein tiefer Graben, zu erkennen daran, dass einige Ratsmitglieder, so auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, gegen den von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet durchgeboxten weiteren Kauf maroder Staatsanleihen sind. José Manuel Barroso, Chef der EU-Kommission, lässt mal eben verlauten, die Ergebnisse des jüngsten Schuldengipfels seien „unvollständig“.

Die italienische Justiz geht gegen die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s vor, denn die könnten im Haushalt des überschuldeten Staats ja noch mehr Unrat entdeckt haben, als ohnehin schon bekannt ist. Derweil macht die deutsche Bundeskanzlerin Urlaub. Und die von einer enormen Sprachverwirrung begleitete Führungslosigkeit in Europa setzt sich in Amerika fort, weil dort die Republikaner dem gerade erst 50 Jahre alt gewordenen Präsidenten vorzuschreiben versuchen, wo es lang geht.

Kommen wir nun zur Geldanlage im Rahmen von Rezessionsangst und Schuldenkrise. Um diesbezüglich mehr richtig als falsch zu machen, braucht man verlässliche Indikatoren. Einer davon ist der Bund Future, ein Terminkontrakt auf Bundesanleihen und damit ein Angstindikator. Er hat zwischenzeitlich die Marke von 133 Punkten übersprungen, aber noch nicht wieder seinen alten Höchststand erreicht, und ist anschließend nach unten abgeprallt. Aus Letzterem folgt, dass Bundesanleihen für konservative Anleger nicht mehr das Nonplusultra sind.

Ein weiterer guter Indikator besteht aus der Dax-Indexfamilie: Dax für deutsche Standardaktien, MDax, SDax und TecDax für deutsche Aktien mit weniger hohen Börsenwerten, VDax für die Intensität der Kursschwankungen u.a. Die ganze Familie zeigt uns, dass deutsche Aktien einen Abwärtstrend begonnen haben, unter anderem zu erkennen daran, dass der bisherige Seitwärtstrend deutlich nach unten durchbrochen worden ist und dass der VDax mit dem aktuellen Zwischenhoch von 34 Punkten längst noch nicht das Angstniveau von 83 Punkten nach der Pleite der Lehman-Bank im Herbst 2008 erreicht hat. Was für die Dax-Familie gilt, lässt sich auch auf andere Indizes übertragen, etwa Stoxx für Europa oder Dow Jones und Standrad & Poor’s für die USA.

Setzen wir die Interpretation der Indikatoren mit den Edelmetallen fort. Hier zeigt sich durchaus ein gemischtes Bild: Silber hinkt dem Gold hinterher, und die Kurse der Minenaktien bleiben hinter den Preisen der Edelmetalle zurück. Daraus folgt nach den einschlägigen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten: Die Edelmetalle könnten eine Pause im Aufwärtstrend gut vertragen. Dass ihre Preise ebenso einbrechen wie die Kurse der Aktien aus Dax, Dow Jones & Co., ist indes unwahrscheinlich, solange die internationale Schuldenkrise als Preistreiber erhalten bleibt – was ja noch lange der Fall sein wird… (Seite 2)

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17 Kommentare auf "Erkenntnisse aus der Panikwoche"

  1. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    Kann man nicht besser und unaufgeregter schreiben.
    Habe die letzten Tage daher (u.a. auch) dafür genutzt, ein paar Aktien meines derzeitigen Lieblingsunternehmens zu kaufen – und schlafe trotz des damit schon eingefahrenen virtuellen Verlusts zwischen 4 und 5 Prozent äußerst ruhig.
    Bin schon mehr als gespannt auf die Metallwoche morgen (äh, heute…). Da dürfte es einiges zu besprechen geben. Freu mich sehr.
    Gute N8 @all!

  2. Andre sagt:

    Der Montag dürfte äußerst spannend werden! Das Downgrade der USA wird immer wahrscheinlicher.

    „U.S. Credit Downgraded: S&P Reduces Rating To AA+“

    http://www.huffingtonpost.com/2011/08/05/downgrade-us-standard-and-poors_n_919867.html

    • samy sagt:

      Hi und guten Morgen.
      Mit Allem was Gburek schreibt, kann man übereinstimmen. Unterstreichen muß man aber, dass das ganze Theater mit dem Tea-Party-Schwachsinn in der KW30 und dann 31 anfing. Sogar Republikaner sprachen von „Terroristen bzw. Extremisten“ in den eigenen Reihen.
      Die Quittung ist das Downgrade:“http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/usa-verlieren-topbonitaet/4471376.html“
      Hierüber wird noch viel geschrieben werden, aber mein Lieblingssatz in dem o.g. Link ist schon jetzt das Statement der US-Regierung:“Die US-Regierung kritisierte die S&P-Entscheidung. Ihre liege ein Rechenfehler zugrunde, sagte ein Sprecher der Finanzministeriums….“
      So, so, ein Rechenfehler?

      VG

  3. samy sagt:

    Und noch ein Zusatz, könnte es nicht sein, dass die Aktienachterbahnfahrt von gestern ein Zeichen dafür war, dass Mittel aus Anleihen erst mal in den Börsen geparkt werden? Gold sollte dann ebenfalls noch weiter steigen.
    Das wird alles ab jetzt eine hochvolatile Angelegenheit. Bis zum Ende, wann immer das kommt.
    VG

  4. samy sagt:

    Und noch ein letzter Link.
    Und zwar im Gelben Forum gefunden (CalBär):
    http://www.bloomberg.com/news/2011-07-13/california-may-sell-notes-before-federal-debt-limit-deadline-lockyer-says.html
    (Der Bloomberg Artikel ist aber von Mitte Juli !!!)
    Hieraus:“At least 7,000 top-rated municipal credits would have their ratings cut if the U.S. government loses its Aaa grade, Moody’s Investors Service said.“
    Selbst wenn also das US-Downgrading von SuP verpufft und es für US-Anleihen keine höheren Zinsen geben sollte, weil es auf die Schnelle kaum weitere Anlagemöglichkeiten für soviel Liquidität gibt, selbst dann könnte der Zins im System steigen, weil die Städte, Kommunen und Gemeinden ebenfalls ein Downgrade bekommen könnten.
    Tricky, dass Ganze.

    VG

  5. sakura sagt:

    „Solange der Goldpreis vorn liegt, kann man getrost abwarten. Sobald allerdings die Kurse der Minenaktien oder die beiden Indizes relative Stärke zeigen, ist der Einstieg in Goldbarren und -münzen wie auch in Minenaktien empfehlenswert.“

    Ich nehme an Sie meinten:

    „Sobald allerdings die Kurse der Minenaktien oder die beiden Indizes relative Stärke zeigen, ist der Einstieg in Minenaktien empfehlenswert.“

    Weil in Gold sollte man schon vorher sein und wenn die Indizes wieder gehoben werden wird die Musi bei den Minen spielen.

    Ich vermute auch das die Anleger dazugelernt haben (mit solchen Unterstellungen sollte man aber vorsichtig sein) und sich der Anstieg beim POG mit dem Anstieg vom HUI abwechseln wird: wenn die Volatilität ansteigt eher das Risiko im Gold halten und sobald die Aktien wieder anziehen zurück in die Minen.

  6. Takuto sagt:

    Was kaum jemals thematisiert wird: Alle Papieranlagen, zu denen auch Goldminen und andere Aktien gehören, werden in der Regel auf einer Bank aufbewahrt, meist in einem Sammeldepot. Was ist nun im Pleitefall der Bank? Theoretisch gehören einem diese Anteile noch, aber praktisch gesehen traue ich dieser Sache nicht.

    Dazu kommt noch, dass Aktienbesitz nicht anonym ist und daher auch vom Staat beschlagnahmt werden kann. Also wie man es dreht und wendet, es spricht alles nur für Silber und Gold. Oder begehe ich einen Denkfehler?

    • Avantgarde sagt:

      Nun ja – Aktien sind Sondervermögen und bleiben in deinem Besitz auch wenn die Bank pleite ist. Wie bei einem Schließfach auch.

      Allerdings – und das wird im Fall der Fälle mal noch kompliziert…
      Dein Broker darf die Aktien auch an Shortseller verleihen.
      Wie das im Falle eines tatsächlich großen Crash mit Bankfeiertagen etc. dann gehandhabt wird bleibt mal noch abzuwarten.

      Der Zugriff auf Aktien im elektronischen Depot ist ja kinderleicht.
      Wenn ich Staat wäre und die Grundversorgung der Bevölkerung ist gefährdet – dann müsste ich wohl alle Anteileigner von Versorgern wie Storm, Wasser erst mal enteignen.
      Und das wäre auch vom Grundgesetz gedeckt.

      Auch wichtige Schlüsselindustrieen könnte man verstaatlichen.

      Oder eine Schuld auf ein Aktiendepot eintragen – ähnlich einer Zwangshypothek.

      Aber das sind alles wirklich ganz extreme Überlegungen.
      So weit sind wir wirklich noch nicht.

      Und wenn es derart extrem wird dann weiß ich nicht, ob dir physische Bestände an EMs überhaupt weiterhelfen.
      Das Goldverbot in USA war ziemlich drastisch – da konntest du bei einem Verstoß auch mal 10 Jahre in den Knast wandern.

      • Karl Napp sagt:

        Darauf fallen mir doch glatt die Bemerkungen unserer Koryphäen Juncker und Prof. Walter ein: Wenn es ernst wird, muss man auch einmal lügen bzw. zur Not muss man auch einmal Gesetze brechen.

  7. Zaubrberg sagt:

    Wirklich lustig war Berlusconi mal wieder – da wird ein dringliches Eilgesetz durch die Instanzen gepaukt und was steht drin? Sparen in drei Jahren!

    Und die EUelite ist voll des Lobes…und dann verschnupft das Märkte und Ratingagenturen das nicht schlucken… grins

  8. hans sagt:

    Hallo Herr Gburek,
    Sie schreiben:
    „Immerhin wird nach einem Jahr weder auf Gewinne aus Gold noch aus Silber die Abgeltungsteuer fällig.“
    Die MWST auf Silber (7+19%) zeigt meines Erachtens, dass Silber steuerlich als Industriemetall eingestuft ist. Also dürfte doch keine Spekulationssteuer anfallen. Ist das richtig?
    Viele Grüße

  9. sachse sagt:

    Erinnert Ihr euch noch an Tabelle letzte Woche bei Rott: 2 Billionen Bank-Assets der Schweizer Banken lauten auf $. Nach Pressemitteilungen der SNB sind das fast ausschließlich die beiden Großbanken!

    Wollen wir mal rechnen:
    2.000.000 Millionen $ in sfr am 1.1.2011 = 1866.000 mio sfr (@0.933)
    2.000.000 Millionen $ in sfr heute 8.8. = 1528.000 mio sfr (@0.764)
    Differenz= Abschreibung in 7 Monaten = 338.000 mio sfr

    Die UBS hat ein Eigenkapital von knapp unter 50.000 mio sfr, die CSFB dürfte darunter liegen, deren Angabe habe ich nicht gefunden, nur die Aussage, daß das Kernkapital bei der USB 3,7% und bei der CSFB 2,7% sein soll. Also großzügig zusammen 100.000 mio sfr.

    Ergibt eine Überschuldung von 238.000 mio sfr. Oder hold to maturity? Wird die Situation sich verbessern???
    Und noch zum Nachlesen bei der Schweizer Nationalbank: Die Bilanzsumme der beiden Institute ist das Vierfache des BNP der Schweiz! bei einem lächerlichen zweistelligen rmrd-Betrag mußte die SNB letztes Jahr die Wechselkurspflege einstellen, Hildebrandt hatte sein Pulver verschossen!

    Die Schweiz hat ein Islandproblem, ganz definitiv! Soviel zu sicherer Geldanlage in der Schweiz.

    der Sachse

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