Erholung, aber wo?

16. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Allen Fakten zum Trotz vergeht kaum eine Woche ohne den Hinweis auf eine Erholung der wirtschaftlichen Lage. In Europa sah Herr Mersch kürzlich „green shoots“ und in den Staaten feiert man das Strohfeuer der subprime-Autokredite und die Rückkehr der Neubauzahlen auf das Niveau von 1966. Es fällt schwer, diese Wahrnehmungen nicht auf die Einnahme von Rauschmitteln zurückzuführen…

An was genau sich die Green Shooter erfreuen mögen, in den Daten ist es nicht zu finden. Aber das Ausblenden von Informationen wurde schon oft als Optimismus fehlinterpretiert und erfreut sich daher großer Beliebtheit. Auch bei der Betrachtung der Aktienbewertungen, oder allgemeiner gesprochen der Beurteilung der finanziellen Lage börsennotierter Unternehmen, fällt so manches unter den Tisch.

Nicht nur die Kreditqualität hat sich auch in den USA anderslautenden Gerüchten zum Trotz in den vergangenen Jahren merklich verschlechtert. Auch die Gewinnmargen haben ihren Zenit wohl hinter sich. Die letzten Quartale zeigen bereits eine deutliche Abschwächung, die bisher noch durch ein kleines Umsatzwachstum ausgeglichen wurde. Ob dies bei einer stagnierender Zahl Beschäftigter, sinkenden Reallöhnen und steigenden Transferleistungen weiterhin funktionieren kann, mag jeder selbst beurteilen.

Der Druck auf die Gewinne wird weiter wachsen. Auch vernachlässigte Sonderfaktoren wie die Unterdeckung der Pensionspläne werden sich nicht in Luft auflösen.

Diesbezüglich hat man in den US-Firmen das Hoffen noch nicht verlernt. Die Renditeannahmen der Pensionskassen liegen im Mittel bei jährlich 7,3%. Im Jahr 1999 gaben die Unternehmen durchschnittlich eine Erwartung von 9,2% an. Die Renditeerwartungen sanken also in den vergangen Jahren um 2,1 Prozentpunkte. Im Gleichen Zeitraum fiel die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen von über 7% auf nun 1,8%. Wo genau man die erhofften 7,3% pro Jahr auftreiben will, ist ein Rätsel.

Welche Erträge die Pensionskassen wirklich benötigen bleibt ein Geheimnis. Angesichts der bemerkenswerten Veränderungen bei der Bildung von adäquaten Reserven für kommende Pensionslasten möchte man es so genau lieber gar nicht mehr wissen.

Besonders gut gelegen haben die Verwalter der Rentenkassen mi ihren Annahmen in der vergangenen Dekade offensichtlich nicht. Stopfen die Firmen nun die Löcher in den Reserven, wirkt sich dies direkt auf die Erträge aus. Über kurz oder lang wäre dies problematisch für die ohnehin ambitioniert bewerteten Aktien… (Seite 2)

 

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8 Kommentare auf "Erholung, aber wo?"

  1. Shindo-Trade sagt:

    von der Finanzkrise – zur Wirtschaftskrise – zur Kapitalismuskrise – zur Materialismuskrise – zu Grabenkämpfen „alles wird gut“ versus „alles wird zerstört“ zur Sinnkrise – Reset, Neuanfang (unter welchen Vorzeichen?)- hin zur ultimative Sinnkrise – hin zu Peak Ressourcen. Landwirt, ein Beruf mit wirklicher Zukunft.

  2. Lickneeson sagt:

    Sehr interessant. Besonders bei der Bewertung der Aktien wurde in letzter Zeit gerne mal der Vergleich zu 2000/2007 herangezogen.
    Eigentlich, so einige Experten, müsste der DAX z.B. um die 10000 Punkte aufweisen, um „fair“ bewertet zu sein.Hier hofft man auf die, wie immer auf dem falschen Fuss positionierten, Versicherungen .Deren Aktienquote soll sich um 5-7 % bewegen.Wäre ja ein „guter“ Zeitpunkt jetzt einzusteigen…

    Die Privaten kaufe ja auch gerne die Tops.Mag sein, das die Märkte dank FED+Co. noch weiter steigen, aber fair ist an Preisen mal gar nichts.Wir dürfen zusehen wie die grösste Blase aller Zeiten aufgepumpt wird.Enden wird es wie „Des Kaisers neue Kleider“, die frage ist nur, wer von den Akteuren als erster die Augen auf und das Hirn anmacht.

    MfG

  3. Zaubrberg sagt:

    Gehört hier nicht hin, aber ich find es schon seltsam und vielleicht interessant weil das Bankhaus Rott sich mit den Gegebenheit in NL beschäftigt:
    Gerade in Holland 2500Euro gezogen (mit zwei Karten, Wochenmax am Automaten je 1250Euro bei der Rabobank), 50 nagelneue 50-Euroscheine, ausnahmslos mit X-Nummer erhalten. Das hatte ich noch nie!

    Geht der Niederlande das Bargeld aus?

    • Lotus sagt:

      Interessant, aber nicht nur das. Seit Monaten zahlt die Deutsche Bank Berlin fast nur noch 100er-und 50er-Scheine mit S-Prägung (Italien) aus. Auch bei Einkäufen, um diese Scheine loszuwerden, gibt es immer weniger X-er. Das fällt diejenigen auf, die darauf achten und Banken/Regierungen nicht mehr vertrauen.

      Wäre doch mal eine Recherche wert und in einem Artikel unterzubringen. LG

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo Lotus,

        wir hatten vor einiger Zeit eine Frage zu dem Thema gestellt:
        http://www.rottmeyer.de/frage-der-woche-kw19-welches-geld/

        Diese Umfrage können wir natürlich gerne in den kommenden Woche erneut stellen.

        Beste Grüße an die Leserschaft
        Bankhaus Rott

        • Lotus sagt:

          Na ja, ich meinte das etwas anders, denn nicht nur die Lagerung von Gold, sondern auch von Reserve-Bargeld finden immer mehr Skeptiker des Euro-Systems in den Tresoren. Ja ich weiß, daß alle Euros im Moment noch gültig und gleichgelagert im Wert sind, jedoch zeichnet sich mit der Zypern-Teilenteignung und der zukünftigen EU-Gesetzgebung bei Wackelbanken eine Zweiteilung der Eurozone ab. Auffallend, daß S-Scheine in Deutschland so zahlreich sind, was bedeutet, daß die Italiener und unsere Banken auf Sicherheit setzen. Als Privatperson und Deutscher sagt mir das Erhebliches über die Ängste generell. Genauer kann ich nicht argumentieren, da fehlt mir einfach das Wissen über die Denke in Banken und der Italiener. LG

  4. Burattino sagt:

    Die Grafik zum „Jobwunder“ ist nicht sehr aussagekräftig, denn auch sie lässt wesentliches weg. Ich meine, der Trend zu „Vollbeschäftigung“ in den USA lässt sich erstrecht erkennen, wenn man die Entwicklung der Bevölkerung im selben Zeitraum dazu verdeutlicht.

    Denn 1950 gab es nur ca. 157 mio „Amerikaner“, Frauen arbeiteten nicht, heute sind es ca. 317mio „Amerikaner“, sie verdoppelten sich also.

    @Shindo-Trade:

    Mh, leider siehts so aus, das im Gegensatz zu peak-oil und den anderen vielen Bergen die sich stets verschieben, der peak-brain schon überschritten wurde. Naja. 😀

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Burratino,

      Beide Datenreihen zusammem ergeben die Bevölkerungszahl.

      Uns geht es um die Entwicklung seit der Jahrtausendwende. Diese ist deutlich. Interessanterweise änderte sich zu diesem Zeitpunkt auch die Tendenz.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

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