Endlosschleife und hochprozentige Vorboten

20. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor (Homepage)

Die Euro-„Retter“ bewegen sich in einer Art Endlosschleife. Endlos, weil es dort offensichtlich keine Lernkurve gibt. So wurde aus der „Gar-Nicht-Hilfe“ für Griechenland die „Einmal-Hilfe“ und mittlerweile sind wir beim „Dritten Griechenland-Hilfspaket“ angekommen…

Schon der Name ist ein Schwindel, denn geholfen wird auch diesmal nicht Land oder Leuten, sondern denen, deren Interesse auf die Aufrechterhaltung der bestehenden Zombie-Kreditbeziehungen gerichtet ist – also den Gläubigern.

Noch bevor das Paket verabschiedet wurde, war bereits die Rede von einem möglicherweise notwendigen vierten Paket. Diese Möglichkeit ist tatsächlich sehr real, denn der Kompromiss im dritten Paket strotzt nur so von Luftnummern, die sich schlicht nicht materialisieren werden. Wenn die diesmal gekaufte Zeit dann erneut verstrichen sein wird, wird uns die Politik einmal mehr treuherzig versichern, dass wirklich niemand voraussehen konnte, dass nun leider Paket Nr. 4 alternativlos sei – Salamitaktik mit Steuermilliarden.

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Aber schon heute ließ uns Bundesfinanzminister Schäuble wissen, dass es keine Garantie gebe, dass alles funktionieren werde. Da freut sich der Steuerzahler ganz besonders, wenn sich die Hauptverantwortlichen vorsorglich gleich selbst einen Freibrief ausstellen – wer will bei der vergleichsweise bescheidenen Summe von 85 Mrd. EUR an Steuergeldern schon ernsthaft Sicherheit(en)?

Immerhin regt sich etwas Widerstand in der Unions-Fraktion. 63 Abgeordnete verweigerten der Partei- und Fraktionsführung die Gefolgschaft. Der Mainstream nennt Abgeordnete, die nach Prüfung des eigenen Gewissens zu einer anderen Ansicht als die Fraktionsspitze gelangen, verächtlich „Abweichler“ oder steckt sie im Wiederholungsfall gleich in die „Querulanten“-Schublade.

Tatsächlich sind es Helden, die zur eigenen Meinung stehen, obwohl sie erhebliche Nachteile in ihrer Partei befürchten müssen. Bravo! Das Grundgesetz hat der Unabhängigkeit der Abgeordneten aus gutem Grund einen hohen Stellenwert eingeräumt – von „Fraktionszwang“ steht dort jedenfalls nichts.

Dass nicht nur ein paar Abgeordnete, sondern auch ein ganzes Volk gegen eine Regierung auf die Barrikaden gehen kann, bewiesen die Isländer in ihrer Version der Finanzkrise. In der nächsten Printausgabe, Smart Investor 9/2015, finden Sie ein Update zur Lage in dem Inselstaat, der vieles richtig gemacht hat. Vor allem pochte das isländische Volk gegenüber der Politik darauf, dass es nicht für die verfehlte Geschäftspolitik und die teils kriminellen Machenschaften einiger Banken und Banker in finanzielle Geiselhaft genommen werde.

Wiederholt sich Geschichte?

Als die Welt für Aktionäre im Jahr 2007 noch rosarot erschien, deuteten erste Indikatoren am Markt für sogenannte High-Yield-Bonds bereits auf ungemütliche Zeiten hin. Ähnliches scheint sich derzeit zu wiederholen – wenn auch bislang unter dem Radar der meisten Anleger.

Indizes wie der Barclays High Yield Bond Index befinden sich schon seit rund einem Jahr im Rückwärtsgang…

SPDR

Ursächlich dafür sind zu einem nicht unerheblichen Teil die Anleihen der Öl-Unternehmen, insbesondere aus dem Bereich der hoch verschuldeten Fracking-Branche. Ziehen die geforderten Renditen bei Hochzinsanleihen an, ist dies meist kein gutes Zeichen für die Aktienmärkte.

Ähnlich der heutigen Situation kam der Druck auf den Markt 2007 übrigens besonders aus einem Sektor: Damals waren es vor allem die sogenannten Leveraged Loans, Kredite und Anleihen, die der Finanzierung von stark gehebelten Übernahmen durch Private Equity Unternehmen dienten. Was damals Private Equity für den Markt war, scheint heute nun die Energie- und Öl-Branche zu sein.

Bereits heute scheint der Anleihemarkt umzudenken und Risiken neu zu bewerten. Dass typischerweise Anleiheinvestoren in ihrer Risikobewertung schneller und kritischer als klassische Aktieninvestoren sind, ist auch die Meinung unseres Interviewpartners Martin Wilhelm, einem auf Value-Anleihen spezialisierten Renteninvestor. Im neuen Smart Investor, der übernächstes Wochenende erscheint, finden Sie unser Gespräch mit ihm. Der Frage, ob die „Hochprozent-Anleihen“ bereits den Vorboten einer kommenden Korrektur an den Märkten darstellen, gehen wir daneben ausführlich in unserer Titelstory zur Lage an den Rentenmärkten nach.

Zu den Märkten

Im aktuellen Smart Investor Magazin 8/2015 zeigen wir auf S. 54 einen Chart des NASDAQ-100-Index. Dieser hat nach 15 Jahren nun annähernd wieder sein Spitzenniveau aus dem Jahr 2000 erreicht. Zwar dürften nicht sehr viele Anleger seit damals durchgehalten haben und auch die Zugpferde des NASDAQ sind nicht mehr dieselben wie vor anderthalb Jahrzehnten. Dennoch entwickeln derartige Chartmarken ihre Wirkung auf die Wahrnehmung und Psyche der Anleger.

2015-08-19_NASDAQ

Der Stand von 4.816,35 Punkten markiert immerhin das Allzeithoch, nach dessen Überschreiten sich der Index im „unchartierten Gelände“ befinden würde – also in einem Bereich der aufgrund dann fehlender charttechnischer Widerstände weitere Kursgewinne erwarten ließe. Soweit sind wir allerdings noch nicht und angesichts des herannahenden, vermutlich ziemlich ungemütlichen Börsenherbstes, erscheint es mittlerweile auch fraglich, ob dieses Allzeithoch noch nachhaltig überwunden werden kann. Nach der jüngsten Korrektur fehlen dem Index nun wieder sechs Prozent bis zu dieser Kursmarke, nachdem er sich im Juli schon bis auf zwei Prozent an das magische Niveau hereingetastet hatte.

Fazit

Einmal mehr ist das deutsche Parlament vor der Rettungs-Politik eingeknickt. Ob die Mehrheit der „Volksvertreter“ damit wirklich den Willen ihrer Wähler oder nur die Parteiraison im Blick hatte, bleibt jedoch eine offene Frage.

 

4 Kommentare auf "Endlosschleife und hochprozentige Vorboten"

  1. JayJay sagt:

    Ja, 63 unbeugsame der Blockpartei CDU und ein paar bei der anderen roten Partei SPD, die werden dann wohl bei den nächsten Volkskammerwahlen schlechte oder gar keine Listenplätze mehr bekommen.
    Es gibt sicherlich genug linientreue Parteisoldaten die man belohnen kann.

    Denn es gilt:
    Würden Wahlen was ändern, so wären sie längst verboten.

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  2. Ralle sagt:

    … was ist von der „schwarzen Null“ und seinem hirnlosen, neoliberalen Gefolge und den Folgen der bisherigen Befehlsausführungen in der kompletten Agenda anderes zu erwarten als das der teutsche Steuermichel“ bis auf die Knochen ausgenommen wird.
    In seiner ungläubigen Obrigkeitshörigkeit und Nibelungentreue zur „schwarzen Null“ – auch wenn nur durch Tricksereien und ähnliche Sachen, die ein deutsches Gericht durchaus mit Landesverrat, Betrug u.ä. Straftatbeständen bewerten müsste – wird der Michel alles hinnehmen, bis er merkt, ich habe ja selbst nichts mehr – das wurde ja den Bankstern geschenk und übereignet!
    … was dann passiert möchte ich mir nicht ausmalen, da hat mal einer der v. Weizsäckers einen schönen Satz oder sollte es Bonmott nennen, losgelassen! ;-(( vG Ralf

  3. ahu sagt:

    Ihr braucht euch gar nicht mehr mit Griechenland usw. beschäftigen. Die Pleite und das Chaos kommt von einer ganz anderen Seite. Da ist die Börse und die Weltwirtschaft ein Ponyhof gegen.

  4. bluestar sagt:

    Aha, 63 Abgeordnete der Union haben ihr Gewissen über blinden Gehorsam gestellt und menschliche Stärke bewiesen. Das wird nicht wieder passieren, denn genau wie Stalin aus seinem ZK Abweichler entfernt hat, werden diese Leute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei den nächsten Wahlen nicht mehr aufgestellt werden. Menschen mit Anstand, Gewissen, Rückgrat, Verstand und eigener Meinung werden nicht gebraucht auf dem Weg in die Diktatur. Untertanen, Bücklinge, Kriecher, Karrieristen haben Konjunktur.
    Da die durchschnittliche Hirnleistung der willenlosen, manipulierten Masse für irgendeinen nennenswerten Widerstand zu gering ist, geht es auf allen Gebieten hierzulande weiter abwärts, allerdings mit erheblicher Beschleunigung. Macht nichts, dafür verbessern sich Statistik, Überwachung, Regulierung und Wahlergebnisse für die Blockparteien.

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