Ende mit Schrecken: Der lange Abstieg des Euro

22. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Über den „Jordan“? Auch Währungen müssen manchmal den Gang über den Jordan antreten – im Fall des Euro vielleicht passenderweise ausgelöst durch Thomas Jordan, den Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB)…

Denn mit seiner Ankündigung den EUR/CHF-Kurs nicht mehr bei 1,20 EUR fixieren zu wollen, löste er letzte Woche ein großes „Beben“ an den Märkten aus. Der Kurs des Euro rutschte unmittelbar auf bis zu unter 0,86 EUR je Franken ab, in der Zwischenzeit pendelte sich das Tauschverhältnis bei der Parität ein.

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Daneben gab es einen der größten Tagesverluste der Geschichte am Schweizer Aktienmarkt. Angesichts der gigantischen Menge an Euro, die die SNB zur Verteidigung des Kurses auf ihre Bücher nehmen musste, sah sich Jordan nicht mehr in der Lage diese Politik auf Dauer fortzuführen.

Frische Franken für schwache Euro

An dieser Stelle sollte vielleicht noch einmal kurz der Mechanismus des EUR/CHF-Pegs plastisch erklärt werden: Seit Verschärfung der Eurokrise 2011 war an den Devisenmärkten die Nachfrage nach Franken deutlich größer als deren Angebot. Daher hätte die Schweizer Währung in den letzten Jahren bereits deutlich stärker, der Euro dagegen deutlich schwächer notieren müssen. Durch das „Drucken“ frischer Franken konnte die SNB jedoch das Angebot künstlich ausweiten.

Die neu geschaffene Liquidität wurde anschließend sofort gegen Euro oder Euro-Anlagen getauscht. Auf die Dauer häuften sich daher die Euro in den Büchern der SNB. Bis zu 450 Mrd. CHF musste die Zentralbank zur Verteidigung des selbst definierten Wechselkurses aufwenden. Rund 2/3 davon wurden nach Informationen des Autors und Währungsexperten Peter Boehringer auch letzte Woche noch in Euro-Assets gehalten. Der Einbruch des Euro um rund 17% dürfte der SNB damit also an einem einzigen Tag rund 50 Mrd. CHF Verluste beschert haben.

Zuvor hatte die Notenbank bis Ende November 2014 einen Gewinn von rund 25 Mrd. CHF verbucht, ein Gewinn, der den Schweizer Kantonen als Eigentümern zugestanden hätte. Die „dicke“ Ausschüttung dürfte nun also ausfallen, angesichts des gegenüber allen Währungen dramatisch fallenden Euro wird jedoch auch noch größeren Verlusten vorgebeugt.

Torschlusspanik?

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Timing: Erst einen Tag vor der Aufkündigung des Währungspegs wurde das Rechtsgutachten des Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof (EuGH), Pedro Cruz Villalón, veröffentlicht (Smart Investor berichtete bereits letzte Woche darüber). Demnach sind die geplanten Staatsanleihe-Käufe der EZB rechtlich unbedenklich. Mario Draghi könnte daher morgen bereits den Startschuss zum breit angelegten Quantitative Easing (QE) durch die EZB geben. Eine weitere Schwächung des Euro wäre dann unvermeidbar.

Thomas Jordan sah daher vermutlich bereits weiteren Aufwertungsdruck auf den Franken zukommen. Um weiteren Schaden abzuwenden, kam daher nun das Ende mit Schrecken. Noch höher jedoch als der finanzielle Verlust muss wohl der indirekt implizierte Vertrauensverlust unter den Zentralbankern gewertet werden. Denn im Grunde genommen heißt die Abschaffung des Pegs nichts anderes, als dass Thomas Jordan den geldpolitischen Maßnahmen seines Kollegen Draghis misstraut. Dass die Märkte ihm in dieser Ansicht folgen zeigten nun die unmittelbaren Kursbewegungen.

„Lebbe geht weider“

Wie geht es nun also weiter? „Lebbe geht weider“, hat der legendäre Bundesligatrainer Dragoslav Stepanović im ihm typischen radebrecherischen Deutsch über eine verlorene Meisterschaft gesagt. Nach ähnlichem Motto scheinen auch die Marktteilnehmer zu verfahren… (Seite 2)



 

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Ein Kommentar auf "Ende mit Schrecken: Der lange Abstieg des Euro"

  1. Michael sagt:

    Deswegen empfiehlt es sich Goldmünzen in die Augenhöhlen des EURO Gerippes zu legen. Versäumt der Charon den Bus reicht die Kaufkraft für die Überfahrt nicht mehr aus.

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