Bye, bye Parketthandel: Nix los in der toten Hose

19. Mai 2011 | Kategorie: RottMeyer, Slideshow

 Die Überschrift mag angesichts der Geschehnisse an der IWF- Spitze etwas irreführend sein, beschreibt sie aber doch treffend den Frankfurter Parketthandel, oder das, was davon noch übrig geblieben ist.

 

 

 

von Frank Meyer

Am Freitag nach Handelsschluss wird diese Institution begraben, obwohl die Beerdigung schon früher stattgefunden hat. Alles neu macht dann der Mai…

Machen wir uns nichts vor, der Geist der Börse hat mit dem Einzug des Computerhandels XETRA das Haus fluchtartig verlassen. Der Computerhandel bestimmt inzwischen die Frankfurter Börse zu rund 95 Prozent. Man kann aber sagen, die Börse ist inzwischen das größte Fernsehstudio Deutschlands geworden, wo zweitweise mehr Börsenreporter ihrem Dienst nachgehen als Händler auf dem Parkett. Manchmal hat man den Eindruck, die Händler sind inzwischen nur noch Statisten in einem vor wenigen Jahren noch mit Millionenaufwand renovierten Börsensaal samt neuem Parkett. Hin und wieder bearbeiten sie vielleicht nur aus Versehen aufs Parkett geschickte Orders. Am Montag ist damit Schluss. Dann bestimmen nur noch die Computer den Handel mit Aktien und Anleihen. Im Rentenhandel ist es eine Revolution, sagt ein Anleihehändler. Die Deutsche Börse nennt den Umzug „Migration“. Sind die Händler deshalb Migranten?

Nein. Künftig heißen die Makler „Xetra-Spezialisten“, was gut klingt, wenn man sich einem Unbekannten vorstellt. Und es klingt auch etwas zeitgemäßer, wenn man die alten, aus den 90er Jahren stammenden Systeme abgeschaltet hat und dann auf dem hochmodernen „Xetra2“ handelt. Die Deutsche Börse ist aber auch weiterhin auf die Kosten verursachende Händler angewiesen, denn…

…ohne Kulisse sieht das Parkett ziemlich tot aus. Kameras brauchen sich bewegende Lebewesen, wenn sie vom sogenannten Treiben unter der DAX-Tafel berichten. Zum anderen werden auf dem Parkett rund 38.000 Wertpapiere gehandelt, davon 10.000 Aktien. Doch in nur rund 500 Werten läuft das Computersystem „Xetra“ auch ohne das unbedingte Zutun menschlicher Hände. Hier kommen künftig die „Spezialisten“ ins Spiel, die für Liquidität sorgen, indem sie Papiere auf das eigene Buch nehmen oder Aktien vorschießen. Damit gehen sie künftig stärker ins Risiko. Sie könnten ihren Job auch von jedem Platz der Welt aus erledigen, doch das ist von der Börse nicht gewollt. Für die Xetra-Spezialisten besteht Präsenzpflicht auf dem Parkett. Damit wäre das Problem mit den Statisten auch gelöst… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Bye, bye Parketthandel: Nix los in der toten Hose"

  1. Gerrnzfg sagt:

    Die Handelszeiten waren ja zu den Hochzeiten der Dot.Com-Blase bis 22 Uhr ausgeweitet, um schön neben den amerikanischen Börsen herhecheln zu können. Wurde dann ja zurückgenommen, als kener mehr Aktien handeln wollte…

    Und was die Statisten für das Fernsehstudio von Herrn Meyer und Konsorten 🙂 angeht: die Deutsche Börse kann in die schönen Kreise ja ein paar telegene Mitarbeiter vom Controlling reinsetzen, die gucken so schön ernst in ihre Monitore. Oh ja, und den Dirk Müller natürlich. Nirgendwo kann der so gut Werbung für sein Zeug machen wie unter der Anzeigetafel…

  2. DCWorld sagt:

    Hallo Frank,

    bei Fotoshooting scheinst du Spass gehabt zu haben, man merkt die Freude ;-). Danke für den Arikel.

    Es gab zu Neuer Markt Zeiten mal überlegungen 24 Stunden zu öffnen. Damit man wohl den Tradern durchgehend die Hosen ausziehen kann. Dies wurde aber nicht in die Tat umgesetzt, weil der Markt „rechtzeitig“ die Biege gemacht hat und gefallen ist.

    Mal sehen wie sich die Frankfurter, mit den Veränderungen, gegen die internationale Konkurrenz behaupten können.

  3. […] Rott & Meyer: Bye, bye Parketthandel: Nix los in der toten Hose […]

  4. sx2011 sagt:

    Müsste man den Handel nicht künstlich verlangsamen um (zumindest etwas) Chancengleichheit zwischen allen Teilnehmern zu bekommen.
    Technisch wäre es wohl kein Problem nur alle 500ms einen neuen Kurs zu bilden anstatt die Orders in Mikrosekunden auszuführen.
    Dieser Trend zu immer schnellerem Handel nützt ja nur den ganz grossen Mitspielern während die Kleinen gar nicht merken wie sie geschröpft werden (Scalping).

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