Ende der Rezession?! Herbeigeschriebene Normalität

15. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor  Wenn wir die heutigen Schlagzeilen Revue passieren lassen, dann ist die überwältigende Botschaft: Rückkehr zur Normalität. Die europäische Statistikbehörde Eurostat vermeldete ein Plus von 0,3% für das BIP der Eurozone im zweiten Quartal, womit die Rezession überwunden scheint…

Wohlwollend titelt heute welt.de: „Euro-Zone beendet längste Rezession ihrer Geschichte“ Jetzt, da die Rezession hinter uns liegt, kann man sogar an prominenter Stelle – also in der Schlagzeile – zugeben, dass es die längste in der Geschichte der „Zone“ war. Deutschland war mit einem Wachstum von +0,7% im 2. Quartal erneut das Zugpferd und – man höre und staune – auch Schwergewicht Frankreich konnte mit einem Plus von 0,5% positiv überraschen.

In Italien – dem dritten Großen im Bunde – waren die Zahlen mit -0,2% zwar weiter negativ, aber bereits auf dem Wege der Besserung. Die Boulevardpresse sekundierte, etwa auf bild.de: „INFLATIONS-GEFAHR! – Darum explodieren die Preise im Supermarkt“ brüllt es einem dort von der Titelseite entgegen. Also auch hier: Rückkehr zur Normalität mit dem stets beliebten Lamento über steigende Preise. Krise, Rezession und Deflationsgefahr, so scheint es, haben sich verzogen.

Wenn man die Zahlen etwas abklopft, dann blättert der Lack jedoch. Die Wachstumsimpulse in Deutschland seien vor allem aus dem privaten und öffentlichen Konsum gekommen. Öffentlicher Konsum? Der hochverschuldete und mit Bürgschaften überladene deutsche Staat steigerte seinen Konsum?! Na bravo! Unter Nachhaltigkeit verstehen wir eher etwas anderes. Auch der private Konsum, der zum Teil in hochwertige Renovierungen und Wohnungsneubauten floss, ist nicht unbedingt Ausdruck von Optimismus, wie wir vor einigen Wochen schon anlässlich des Konsumklimas der GfK dargelegt haben. Vielmehr werden hier nominale Sparguthaben in reales Vermögen überführt.

Ein wesentliches Argument für solche Umschichtungen sind die weit fortgeschrittenen Pläne für eine europäische Bankenunion und die damit einhergehende Aufweichung des Einlagenschutzes. Obwohl das Ganze Züge einer Fluchtbewegung aus Nominalanlagen hat, freut sich die Bauwirtschaft allemal. Die deutsche Industrie dagegen senkte ihre Wachstumsprognose. BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber forderte sogar eine groß angelegte Investitionsoffensive. Und wen sah er da wohl in der Pflicht?! Richtig, den Staat! Dieser solle dafür bitteschön künftige Haushaltsüberschüsse einsetzen. Schön und gut, aber welcher Staat hat denn in den letzten Jahrzehnten – außer sporadisch und rein zufällig – Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet?! Nach einem selbsttragenden Aufschwung klingt das jedenfalls nicht. Vor allem wenn man bedenkt, dass dies alles vor dem Hintergrund künstlich gedrückter Zinsen geschieht.

Auch an der Börse hielt sich die Begeisterung bislang in Grenzen. Deutsche Aktien zeigten sich von der Aufschwungsrhetorik ziemlich unbeeindruckt und schwankten um den Vortagsschluss. Möglicherweise befürchten die Marktteilnehmer ein Ende der Niedrigzinsphase. Vielleicht versuchen sie aber auch nur – wie man das dem Aktienmarkt üblicherweise unterstellt – die nächsten sechs bis neun Monate zu antizipieren. Die Zeit nach der Bundestagswahl dürfte für die Bürger im Allgemeinen und für Anleger im Besonderen aber eher ungemütlich werden… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

2 Kommentare auf "Ende der Rezession?! Herbeigeschriebene Normalität"

  1. Michael sagt:

    In der Industrie geht gar nix, wenn man etwas umsichtig auch in die Ferne sieht. Für diese Dekade ist der Ofen aus. Zukunftsträchtige Investitionen haben und werden auch in Zukunft Seltenheitswert haben.

  2. Bloody Mary sagt:

    Wen wundert’s? Im Geberland GERMANY sind Wahlen! Würden Sie Ihre Bank freiwillig darauf aufmerksam machen, dass es mit Ihrem Geschäftsmodell bergab geht?

    Auf den letzten Metern werden jetzt die Zahlen schönstgerechnet. Für die Inflationsberechnung orientiert man sich nur noch an Waschmaschinen und aus dem Crack-up-boom macht man Kauflaune. Und voilà …ist der Aufschwung da. Was weiß der Martin auf der Straße schon von Volkswirtschaft?

    Im dritten Quartal sieht dann freilich alles anders aus. Dann sind die Wahlen endlich vorbei und man braucht die Wahrheit nicht mehr zu fürchten. Die Pleitestaaten können nun wieder kräftig aus dem deutschen Staatssäckel gefüttert werden und keiner kann’s verhindern.

    Was soll’s? Es ist müsig, sich jeden Tag erneut darüber aufzuregen. Wenn die Umfragewerte für die Blockparteien stimmen, haben unsere Landsleute ihre Zukunft redlich verdient. Ich persönlich starte einen letzten Versuch mit der AfD. Wenn das nichts gibt, werde ich meine Nerven schonen für das, was da kommt- früher oder später…

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.