Ende der Deflation: Griechische Störfeuer können Crack-up-Boom nicht aufhalten

29. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Seit Monaten war darüber spekuliert worden, letzten Donnerstag nun ließ Mario Draghi die Katze aus dem Sack. Und es war eine dicke Katze: Für 1.140 Mrd. wird die EZB bis September 2016 Anleihen der Euro-Staaten aufkaufen, mit seiner Maßnahme will der EZB-Präsident die Inflationsgefahr ein für alle Mal bannen. Damit ist nun auch Europa beim vollumfänglichen Quantitativen Easing – sprich Gelddrucken – angekommen.

Flankiert wird das Ganze von Negativzinsen für Bankeinlagen bei der Zentralbank, das Geld soll schließlich in die Märkte und in den Konsum. Passenderweise melden die Meinungsforscher vom Nürnberger GfK-Institut gerade die größte Kauflaune seit 13 Jahren in Deutschland.

Der Auslöser für den jüngsten Kaufrausch sei vor allem der gesunkene Ölpreis und der dadurch geschaffene finanzielle Spielraum bei den Konsumenten. Gut, dass Draghi in diesen Zeiten seine „Bazooka“ also auf die Deflationsgefahr richtet. In Wahrheit dürfte nun der Crack-up-Boom so richtig durchstarten, nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch in der Realwirtschaft.

Die Fakten, die uns in dieser Ansicht bestärken, können Sie ausführlich im neuen Smart Investor 2/2015 nachlesen. In unserer Titelstory räumen wir mit gewissen Mythen des Mainstreams auf und entwickeln unsere Prognose für die Märkte und die Konjunktur. Während die Börsen Draghis-Billionenwette mit neuen All-Time-Highs feierten, ließ ein anderes Ereignis die Märkte bislang weitestgehend kalt – die Griechenlandkrise 2.0.

„Wolle ma se rauslasse?“

In Anlehnung an den Faschingswahnsinn könnte dies die Frage sein, die sich nun die Euro-Retter rund um EU, EZB und den IWF stellen müssten. Denn der Wahlausgang in Griechenland wird ihnen mit Sicherheit keine Freude bereitet haben.

Für den Wahlsieger Tsipras wird es nun schwierig werden seine Wahlversprechen zu halten, denn die Finanzierung seiner Wohltaten sollen im Wesentlichen die restlichen Eurostaaten übernehmen. Diese zeigen sich bislang nur wenig gewillt, Tsipras mit einem neuerlichen Schuldenschnitt entgegenzukommen. Doch es bleibt ja noch Zeit: Erst in einigen Wochen wäre Griechenland offiziell bankrott, wenn die nächste Tranche Hilfsgelder ausbleibt.

Es beginnt nun also das große Pokern, an dessen Ende beide Seiten jeweils ein bisschen Gesicht wahren werden wollen (siehe auch Smart Investor Weekly 2/2015). Tsipras Haupt-Drohmittel ist der Staatsbankrott, gefolgt von einem Austritt aus der Euro-Zone. Geben die Euro-Staaten jedoch nach und verhindern so den Austritt, bestätigen sie allerdings die Bürger darin, Parteien wie die Syriza zu wählen – auch in den restlichen Krisenstaaten der Eurozone. Der radikale Schuldenschnitt ist daher wohl nicht die Lösung, eher eine Stundung gepaart mit weiteren Nachlässen bei den Reform-Auflagen.

Vollendete Tatsachen

Denn was dies betrifft, geht Tsipras sowieso schon in „Vorleistung“: Wie heute bekannt wurde, will er tausende entlassene Beamten wieder einstellen, für einen Teil der öffentlichen Beschäftigten wieder ein 13. Monatsgehalt einführen und die Privatisierungsbemühungen bei diversen staatlichen Unternehmen stoppen.

Letztendlich schafft er also schon einmal Fakten, bevor klar ist, wer die Rechnung bezahlt. Nicht ohne Erfolg, den auch hierzulande stimmen uns bereits diverse Journalisten auf das kommende ein. So z.B. Christian Rickens, Leiter des Wirtschaftsresorts beim SPIEGEL.

Laut Rickens führe an einem erneuten Schuldenschnitt ja praktisch kein Weg vorbei. Warum dies so sei erwähnt er dann allerdings nicht. Warum nicht auch jemand dem deutschen Staat einfach so die Schulden streicht, bleibt daher die Frage. Vermutlich, weil sich bei uns zu viele Idioten finden lassen, die tatsächlich pünktlich ihre Steuern bezahlen… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Ende der Deflation: Griechische Störfeuer können Crack-up-Boom nicht aufhalten"

  1. Michael sagt:

    Wie heißt es so schön – der EURO ist ein politisches Projekt. In Griechenland läuft die Vorbereitung auf den Austritt. Verstaatl. Bankensystem, Verstaatlichte Wirtschaft usw… Ich ordne das, ohne genaueres zu wissen, mal unter dem Kapitel ein. Der Staat kauft die Werte ja sowieso günstig zurück … der verhält wie andere Investoren auch. Ob das denen passt oder nicht steht auf einem anderen Blatt.

    Es macht sich keiner in einer E.U. oder in Finanzmärkten irgendwelche Sorgen um die Menschen in Griechenland, die Jungs und Mädels aus dem Westen werden erst ablassen, wenn nichts mehr zu holen ist. Den Zustand kann man so auch herbeiführen.

    Menschen im ganzen Westen werden ausgebeutet und beraubt von den selben Leuten und bekommen das nicht mal wirklich mit, da Politik die Begleitmusik spielt. Jetzt spielt zumindest mal eine andere Musik – wer weiß wie lange.

  2. Erich sagt:

    Naja, wir haben jetzt ja auch den neuen Schattenhaushalt der EZB, 720 Mrd Euro – das ist doch schon mal was. Da man keine Einnahmen braucht, läßt sich dieser auch beliebig erweitern. Zunächst bleibt man natürlich bei der Proportionalität mit den Bondkäufen. Wenn das BVerfG dies dann abgenickt hat (weil dieses sicher nicht verantwortlich sein will für den Eurocrash), wird das mit einfacher Mehrheit dann eben anders verteilt.

    Es gibt ja auch schon Ideen, wie man die Haushaltsmittel auch noch anders einsetzen kann. Die Bonds des Euroinvestitionsprogrammes bieten sich da etwa an. Das sieht zwar sehr nach Fiskalpolitik aus, aber man kauft ja nur Bonds. Irgendwann gibt es dann unterschiedliche Bonds, so dass man auch wählen kann, im EZB Gremium natürlich nur. Da kann man dann wählen ob man nun eine neue Autobahn auf Kreta baut, oder ein paar Brücken in Deutschland erneuert. Sehr praktisch ist ja auch die Immunität der Gremiumsmitglieder, es gibt also keine Gefahr für irgendwelche dummen Verfahren von wegen Untreue oder Vorteilsnahme. Und irgendwelche Kontrollen braucht man auch nicht zu fürchten, schon gar nicht durch irgendwelche Parlamente. Merkel hat die Unabhängigkeit ja schon mal abgenickt.

    Nicht lange danach gibt es dann die Sozialbonds – das sind schliesslich auch Investitionen für die Zukunft. Dei Mittel sind ja unbegrenzt – warum auch nicht. Entschieden wird das alles dann mit einfacher Mehrheit im EZB-Rat. Der Bundeshaushalt wird dann in der Bedeutung irrelevant.

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