Emerging Markets: Was lange gärt…

15. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das interessante an vielen großen Problemen an den Finanzmärkten und in der Ökonomie ist die Mischung aus genereller Vorhersehbarkeit und schwierigem Timing. Bei den Emerging Markets haben offenbar viele mit beidem falsch gelegen. An mangelnden Warnzeichen kann es nicht gelegen haben…

Sich auftürmende Dollar- und damit Fremdwährungsschulden wurden unter der Annahme stabiler EM-Währungen sogar für schlau erklärt. Die Zinssätze seien geringer, daher sei es nur logisch, vermehrt Schulden auch in Dollar aufzunehmen. Für Unternehmen, die auch Umsätze in Dollar generieren mag dies im Rahmen der normalen Geschäftstätigkeit in in Ordnung sein. Für viele andere kann sich Fremdwährungsverschuldung schnell zum Problem entwickeln. Das gilt nicht nur für Firmen sondern auch für Staaten.

Allen absehbaren Schwierigkeiten zum Trotz wurde in den letzten Jahren trotz lodernder Lunte noch einmal ins bullishe Horn gestoßen:

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Die oben stehenden Beispiele sollten  nicht als „bashing“ eingestuft werden. Vielmehr sollen sie verdeutlichen, dass es sinnvoll ist, sich immer darüber Gedanken zu machen, wer etwas sagt. Cui bono, wem nutzt es, klingt immer ein bisschen nach Schlaumeierei, aber genau darum geht es. Viele, die die Trommel rühren sind eben keine Berater sondern Verkäufer.

So wie der Metzger ihnen nicht sagen wird „Meine Wurst macht fetter als andere“ so werden viele Fondsgesellschaften nicht sagen „mit unseren EM-Fonds verlieren Sie Geld“. Das kann man moralisch beurteilen wie man will. Der Großteil der Fondsbranche ist ein bloßes Massengeschäft geworden, in dem sich alle mehr oder weniger nah um einen Index scharen. Man scheitert, um es mit Keynes zu sagen, lieber konventionell als unkonventionell erfolgreich zu sein.Schlussendlich liegt der Ball aber auch hier zumindest zum Teil beim Kunden und leider beim entweder arg- oder ahnungslosen Regulierer.

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Erfolgreich zu sein kann zweierlei bedeuten. Die Fondsgesellschaft ist erfolgreich, wenn Sie viel Geld verdient. Das muss nicht zwangsläufig positiv korreliert sein mit einem guten Anlageerfolge für die Kunden. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Kunden nach einer Verdoppelung eines Fonds allein auf Grund eines Aktienanstiegs doppelt so hohe Gebühren zahlen? Die Arbeit des Fondsmanagers bleibt annähernd gleich, Skalierbarkeit ist in der Branche abgesehen von Nischenmärkten kein allzu großes Problem. Bei Rentenmandaten lässt sich eine mittlere Mandatsgröße sogar besser steuern als winzige Fonds.

Auch darf man sich wundern, oder auch nicht, warum ein Kunde zwar für alle Dienstleistungen eine explizite Rechnung erhält, die Gebühren für Fonds aber über Verrechnung abgezogen werden. Wenn jemand 100.000 Euro angelegt hat und 2% Gebühren zahlt, würde er bei einer Rechnung, die diesen Betrag ausweist möglicherweise dem Thema Gebühren die nötige Aufmerksamkeit widmen. Bei der Verrechung hingegen gehen sowohl in schlechten wie in guten Jahren die Gebühren in der Marktbewegung geradezu unter. Bei 30% Minus oder 25% Plus liegt der Betrachtungsschwerpunkt an anderer Stelle. Dummerweise fallen die Gebühren trotzdem an und sind ein enorm wichtiger Faktor des langjährigen Ertrags.

Ein Verkäufer preist und verkauft sein Produkt. Hinterfragen Sie daher alle Informationen, egal wie hübsch sie aufbereitet sind und wie plausibel sie klingen mögen. Machen Sie sich ihre eigenen Gedanken. Fordern Sie letzteres auch von Ihrem Anlageberater. Für die fragwürdige Leistung drei Telekom-Aktien mehr und vier Siemens-Papiere weniger als der DAX im Bestand zu haben braucht man keinen bezahlten Investor.

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Emerging Markets-Themen der letzten Jahre zum Nachlesen:
Panik-Curry in Neu Delhi (Sep 2013)
Submerging Markets (Sep 2013)
Emerging Markets – Der Limbo geht weiter (Dez 2013)
Erst stolpern die Emerging Markets, dann die Gewinne (Feb 2014)

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