EM + S = ESM?

13. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Bald ist es soweit: EM und ESM starten. Ein „S“ macht den Unterschied. Die Europameisterschaft macht Spaß. Der Europäische Stabilitätsmechanismus nicht. Wen stört`s? In Orwellschen Zeiten gilt Ignoranz als breite Zustimmung für einen unkalkulierbaren Kostenfaktor, während privat um jeden Euro gefeilscht wird…

Die Unterschrift zum ESM-Vertrag ist eine Blanko-Vollmacht für unbegrenzte Zahlungen. Wer guten Freunden eine solche Vollmacht ausstellt, muss sich schon sicher sein, dass es gute Freunde sind bzw. diese nicht in finanzieller Not stecken.

Der ESM widerspricht alten Verträgen, die zum Euro und zur Katastrophe geführt haben. Keiner sollte für Schulden anderer Staaten aufkommen. Jetzt ist das politisch gewollt und wirtschaftlicher Unsinn, geschmückt mit Konfetti, netten Worten und Drohkulissen. „Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa.“ Irgendwie soll es noch um Krieg und Frieden gehen.

Verlässt Griechenland den Euro, sind 70 Milliarden Euro von deutschen Steuerzahlern im Eimer. Nichts davon kam beim griechischen Volk an. Über Athen geleitet, befriedigten sie die Gläubiger, welche Griechenland wegen hoher Renditen viele Kredite gaben. Aufgrund von Erfahrungen und Verquickungen können die Geldgeber sicher sein, dass jemand dafür aufkommen wird. Die Preise für Frieden und Europa sind etwas höher geworden. Nach Verabschiedung des ESM mitten im Jubel der EM, darf sportlich das Zigfache abgerufen werden, was jetzt schon verloren scheint – von Leuten, die sich hinter Immunität verstecken und man nicht weiß, in wessen Auftrag sie handeln. Willkommen in der Zukunft!
©Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten

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11 Kommentare auf "EM + S = ESM?"

  1. mfabian sagt:

    Ja was jetzt? Ist der ESM schon unter Dach und Fach???
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=13lkdkXzPFs

    Es kann doch nicht sein, dass der deutsche Bürger das akzeptiert hat!?

  2. goldfisch sagt:

    Lieber mfabian, glaubst Du wirklich, es käme auf dessen Akzeptanz an?

    Schließlich leben wir in einem Rechtsstaat, in einer Demokratie!
    Diese und andere schwere Bürden nehmen doch die Volksvertreter ganz allein auf sich, sind dabei einzig ihrem Gewissen unterworfen.
    Und sollte es Dir arglistigerweise gelingen, denen ein schlechtes Gewissen einzureden, für solchen Fall gibt es ja gottlob die Beschlüsse der Fraktion.

    Ansonst: Steht dieses S nicht für Stabilität, und ist Stabilität nicht eine gute Sache? Wer mag da schon ernsthaft gegen den ESM sein wollen?
    Ich vermute, unser Bundespräsident, der neue, der bessere, wird das ähnlich sehen – denn ohne seine abschließende Unterschrift leider auch kein ESM!

    • Fnord23 sagt:

      Hallo goldfisch,

      natürlich leben wir in einer Demokratie oder besser ich hab als Bürger eine Demokratie-Anrecht.
      Ich selbst nehme, natürlich nicht über Wahlen, an dieser Demokratie teil.

      Das gelingt mir mit ein paar anderen Leuten auf kommunaler Ebene ganz gut im Rahmen unserer Möglichkeiten.

      Das Problem ist die Masse, die der Meinung ist, mit der Abgabe Ihrer Stimme hätte sich das erledigt.

      Der andere Weg ist etwas bemühlicher: Ich muß mit Stadträten reden, Allianzen schmieden, Veranstaltungen organisieren und Meinungs bildend wirken. Aber es geht.

      Nur- 90% der Menschen wollen einfach nur glücklich sein, ohne große Probleme leben und auch gar nicht wissen, was hier wirklich los ist.

      Das hab ich für mich resigniert akzeptiert.

      VG ins Land

      • MARKT sagt:

        Richtig, wahrscheinlich sind es sogar nicht unerheblich mehr als die von Ihnen genannten 90%.

        Leider werden sie mit diesem Desinteresse genau dieses Ziel nicht oder nur noch kurze Zeit erreichen.

        Auf kommunaler Ebene habe ich aber leider die gleichen Erfahrungen gemacht. Jeder sieht nur Seinen kurzfristigen Nutzen und ist nicht bereit einem konzeptionellen Weg zu folgen.

        Alle schimpfen aber auf den Euro und haben (angeblich )Angst um dessen Existenz. Wenn es aber darum geht , statt einer Stunde (schwarz) zu arbeiten , sich über System, Geldschöpfung und Wirkung von Zinseszins zu informieren, ist klar wie die Stunde genutzt wird.

        Denn sie wissen nicht was sie tun , man schimpft auf die Sozial Schwachen und merkt nicht , dass man bald dazugehören dürfte.

        • Fnord23 sagt:

          Hallo Markt,

          Sozial schwach? Was ist damit gemeint? Ich kenn sozial schwache Arbeitslose und ein paar Rechstanwälte, Ärtze sind da auch dabei. Die denken immer nur daran, wo man einen Euro ziehen kann. Letztere Arbeiten bist zum umfallen, damit der standesgemäße Protzbau finanziert werden kann. Sie vergessen dabei leider ihre Kinder zu erziehen und diesen ein emotionaler Anker zu sein.

          Die sind für mich nicht mal sozial schwach, sondern tw. unsozial, wenn nicht sogar asozial. Mit finanzieller Stärke hat das aber alles nichts zu tun.

          Das ist nicht böse gemeint. Ich hab nur irgendwann mal angefangen alles zu hinterfragen, was wir uns so den ganzen Tag erzählen.

          Also, es wäre bestimmt richtiger von finanzieller Schwäche zu sprechen.

          Wir haben hier auf kommunaler Ebene einen Zusammenschluß verschiedener Netzwerke gegen Einsparungen im Sozialen- und Bildungsbereich.
          Aller halben Jahre, wenn gerade wieder was gestrichen wird, meinen die, das man da aber jetzt dagegen sein soll.

          Ich hab die Leute im Netztwerk aufgefordert, sich doch mal über die Ursachen zu informieren, weil mir dieses ständige dagegen sein zu kurz geht. Zumal wir hier an der der Volkshochschule ein paar Leute haben, die regelm. Vorträge zum Geldsystem halten. Da war aber Ruhe im Mailverteiler. 90% eben.

          VG aus Sachsen

          • MARKT sagt:

            ich denke du hast mich richtig verstanden.
            Aber du hast vollkommen Recht , finanzschwach ist der viel korrektere, Begriff. Und wieder einmal habe ich/Du mich ertappt wie auch ich Mainstreambegriffe übernehme.

  3. JayJay sagt:

    Wie wahr, der Kommentar doch ist. Rating AAA

    Noch gut 11 Tage, dann soll der K.O.-Schein ESM durch den Bundestag geprügelt werden. das passt kurz vor Pfingsten, wo unsere geliebten & geschätzten Volksvertreter in den verlängerten Pfingsturlaub wollen, wird es sicherlich nicht mal eine halbe Stunde dauern, bis der Ausverkauf von des deutschen Volksvermögens beschlossen ist.

    Armer deutscher, unwissender, deinterisierter Bürger.

    Gold & Silber Ahoi

  4. mfabian sagt:

    Also, ich habe gewisses Verständnis dafür, dass sich die Politiker Europas auf so einen grossen Geldtopf wie den ESM einigen.
    Wofür ich kein Verständnis habe sind die vertraglichen Bedingungen:
    * Direktorium aus ungewählten Mitgliedern
    * Juristisch nicht angreifbar (weder der ESM selbst noch dessen Mitarbeiter)
    * Keine Austrittsklausel
    * De facto kein Mitspracherecht jener die zahlen über die Verwendung der Gelder

  5. freidenker007 sagt:

    Wie die Zeiten sich doch ändern. Früher gaben die Nationen Milliarden aus, um Krieg gegen andere zu führen, heute verbrennen die Nationen Milliarden, um „Friedenserhaltung“ zu betreiben – abgesehen davon, dass wir die 40 Jahre vor dem Euro auch keinen Krieg in der EU hatten.
    Die Konsequenz ist aber immer die gleiche, es wird zu einer Geldentwertung mit einen monetativen Neustart kommen, der weite Bevölkerungsteile enteignet. Und alles nur, weil Politiker ihre Allmachtsphantasien ausgelebt haben und weiterhin ausleben wollen.

  6. samy sagt:

    Nö wa, oder echt jetzt ey?

    http://www.goldreporter.de/bundesrechnungshof-empfiehlt-bundestag-heimholung-der-deutschen-goldreserven/gold/22232/

    Huuiiii, da ist aber jemand ganz früh aufgestanden.

    Wenn es nicht so traurig wäre …

    Mal in die Runde gefragt, was wäre das für ein signal an die Märkte? Die letzten, die ihr Gold heimgeholt haben, dass waren damals die Franzosen, weil die Amis ihren Vietnamkrieg kaum noch finanzieren konnten. In diesem Zusammenhang hob Nixon dann irgendwann die Bindung des Dollars an Gold auf. Die Inflation gewann weiter gewaltig an Fahrt und erst Paul Volcker konnte das mit einer Hochzinspolitik stoppen.

    Ein Feigenblatt nach dem anderen fällt. Inflation als Ziel der Bundesbank, Gold heim holen … wo endet das?

    VG

  7. MARKT sagt:

    vermutlich noch lange Zeit nicht, in der von Ihnen so herbeigesehnten und gewünschten Inflation.

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