Elite im Peinlichkeitsrausch

16. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Wie lange es wohl noch dauern mag, bis die Damen und Herren aus der Politik begreifen, dass sie den Menschen in der Regel dann den größten Gefallen tun, wenn sie schweigen. Was alleine in den vergangenen Tagen an offenkundigem fachlichem Unwissen ans Licht kam war bemerkenswert…

Immerhin erklären die Wissensdefizite die Zähigkeit, mit der an seltsamen Behauptungen festgehalten wird. Aus Hessen erreichten Nachrichten vom dortigen Ministerpräsidenten Bouffier die Redaktionen der Welt. Dort sprach der Regierungschef auf dem International Bankers Forum und scheiterte kläglich beim Versuch Kritik und Sachkunde unter einen Hut zu bringen. Wir wollen die Leser nicht mit der Masse an Kauderwelsch belästigen, aber ein Satz des Mannes ist auch vor dem Hintergrund der EU sehr interessant.

(FAZ) Das“ derzeit wohlfeile Banker-Bashing“ liege ihm fern, sagt Bouffier. So begnügt er sich mit einer Bestandsaufnahme dessen, was die „normalen Menschen“ alles verwirre. Ratingagenturen und ihre Macht über ganze Staaten zum Beispiel. Was von Ratings zu halten sei, habe ja kürzlich der Tumult um die Helaba beim Bankenstresstest gezeigt. Die Landesbank sei seit Jahrzehnten gut mit den Einlagen des Landes Hessen gefahren. „Und dann kommt plötzlich ein Gremium, das niemand gewählt hat und sagt: Wir akzeptieren das nicht.“

Au backe, Herr Bouffier. Ratings, Eigenkapital, Basel-Richtlinien – da haben wir wohl einiges durcheinander gebracht. Der „Stresstest“ wurde nicht von einer Ratingagentur durchgeführt sondern von der European Banking Authority. Diese Behörde wurde durch das Europäische Parlament ins Leben gerufen.

(EBA)The European Banking Authority was established by Regulation (EC) No. 1093/2010 of the European Parliament and of the Council of 24 November 2010.

The EBA has officially come into being as of 1 January 2011 and has taken over all existing and ongoing tasks and responsibilities from the Committee of European Banking Supervisors (CEBS).

Das Problem mit den stillen Einlagen der Helaba hat mit Ratings nichts zu tun, viel eher geht es darum, ob diese Einlagen als Eigenkapital anerkannt werden oder nicht. Und das sollte Herr Bouffier eigentlich wissen, selbst wenn er vormals nur hessischer Innen- und nicht Finanzminister war. Die oben dargestellten Aussagen erinnern an jemanden, der in die Steckdose fasst, einen Stromschlag bekommt und sich dann wütend über die Schwerkraft beklagt.

Die stillen Einlagen des Landes Hessen wurden von der EBA aus einem einfachen Grund nicht anerkannt. Sollen stille Einlagen zum harten Kernkapital gerechnet werden, so müssen sie im Verlustfalle auch voll haften. Bei den Einlagen der Länder Hessen und Thüringen und der Sparkassen ist das nicht der Fall. Diese sollen nun gehärtet werden. Das bedeutet, auch die Bundesländer haften zukünftig für Verluste der Bank. Abgesehen davon würde uns sehr interessieren, was der an Wahlen offenbar so interessierte Herr von Gremien wie der EU Kommission hält.

Es ist übrigens nicht neu, dass 2013 diese Form des Eigenkapitals nicht mehr anerkannt wird. Nicht auszuschließen, dass der eine oder andere auch dann wieder überrascht sein wird. Ein paar Jahre Vorlaufzeit vergehen im öffentlichen Sektor bekanntlich wie im Fluge. Die stillen Einlagen machen übrigens rund die Hälfte des Kapitals der Helaba aus. Selbst unter Einbeziehung der Einlagen hätte die Kapitalquote der Helaba im „Stressfall“ bei 6,8% gelegen. Da der „Test“ geradezu lachhafte Ernstfälle konstruiert hat, die von der Realität bei weitem übertroffen werden sollten, ist der Bank eine deutliche Erhöhung des Kapitals ohnehin anzuraten. (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2 3

Schlagworte: , , ,

Schreibe einen Kommentar