Aus Ekelmetall wird wieder Edelmetall

23. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Tja, schon komisch, dass das Jahr noch jung ist, aber die Börsen sehen irgendwie recht alt aus. Die Hausse ist es ja auch schon. Nachdem das Gold wieder etwas mehr leuchtet, wird es Zeit, dass die Experten etwas lauter davor warnen…

Das Handelsblatt macht das ja gerne, vor allem auf den preislichen Tiefpunkten. Aber wer liest das schon? Martin Siegel von Westgold beispielsweise – und zitiert den stellvertretender Chefredakteur Oliver Stock:

„Gold. Totes Kapital“. „

…Edelsteine lösen immerhin Entzücken aus – aber Gold ist tot“. „Seit dem Ende des Goldwährungsstandards von Bretton Woods sind Goldreserven von Ländern völlig sinnlos“. „Wer jedoch die langfristige Perspektive hat, der liegt mit Gold falsch“. „Gold ist wie ein Atomschutzbunker. Wer sich darin zurückzieht, überlebt vielleicht den Krieg, aber er hat keine Chance, anschließend noch etwas aus seinem Leben zu machen“.

Kommentar von Martin Siegel:

Wenn Gold tot wäre, würden nicht Milliarden Menschen auf der Welt Gold als Schmuck und Wertanlage wertschätzen – immerhin werden zwischen 70 und 80% der Weltgoldproduktion zu Schmuck verarbeitet. Zur Einschätzung der Position der Bundesbank zwei Zitate aus dem Handelsblatt vom 17.02.12 und 21.02.12:

„Der Gesetzgeber hat der Bundesbank die deutschen Währungsreserven anvertraut. Diese bestehen aus Gold, Devisen und Sonderziehungsrechten. Die Gegenleistung ist Geldwertstabilität“.

„Die Währungsreserven dienen dazu, das Vertrauen der Bürger in die Währung zu stärken“.

Zur langfristigen Perspektive: Gold ist seit dem Ende von Bretton Woods von 35 auf 1.200 $/oz gestiegen und hat den Wertverlust der Papierwährungen zzgl. Zinsen langfristig ausgeglichen. Viele Papierwährungen aus dem Jahr 1968 gibt es nicht mehr oder sie haben ihre Kaufkraft auf ein Minimum abgebaut. Viele Menschen konnten nach einer Inflation oder einem Krieg mit dem gesparten Gold im Gegensatz zum wertlosen Papiergeld einen Neuanfang starten oder es hat ihnen das Überleben gesichert.

Etliches Ungemach brachte die Preise der Edelmetalle zum Glänzen, wobei Preisaufschläge von zwölf Prozent in Euro kaum größere mediale Aufmerksamkeit fanden. Dabei sollten doch die Aktien steigen und das eklige Edelmetall weiter in den Keller rauschen. Experten waren davon so felsenfest überzeugt. Nur bestand der Felsen aus Blätterteig.

Vor wenigen Monaten hieß es noch, Dividenden wären der neue Zins und an Aktien käme niemand vorbei, denn die Gelddruckerei macht sie automatisch teurer. Jetzt dauert es zehn Jahre, dann hätten die Dividenden der Unternehmen den Kurssturz aufgeholt, aber nur, wenn es weiterhin so üppige Dividenden gibt. Warum denke ich gerade an Deutsche Bank und RWE, den Dividendenbringern für Dividendenjäger schlechthin?

Dabei sind Aktien gar nicht schlecht, man muss sie billig kaufen und nicht, wenn der Irrsinn Hochkonjunktur hat. Oder wenn sie 1.000 Punkte gestiegen sind, nachdem sie 2.000 Punkte gefallen sind wie beim DAX. Aber man ist heute, so steht es im Handelsblatt, nicht sicher. 3.000 Punkte höher war man sich sehr sicher, dass das sicher ist.

Bei Gold ist es nicht anders. Herrlich auch die alten Kommentare der letzten Wochen: Um Gold soll/muss man einen großen Bogen machen, hieß es. Das wird sich ändern, wenn der Goldpreis höher steht. Wir erinnern uns: Das Handelsblatt empfahl zum Tiefpunkt, das eklige Ekelmetall in Aktien zu tauschen. Wahrscheinlich wird man später hören, man muss Gold haben, aber erst, wenn es viel teurer geworden ist. Wetten?

Vieles muss man auf den Kopf stellen, um Gold und auch Silber zu verstehen. Hierzulande schaut man nur stur auf die Preise in US-Dollar, also in einer Fremdwährung. Sehr sinnvoll! Ob das auch für Länder gilt, in denen die Währung gerade in die Binsen fährt? Gold kostet in deren Währung so viel wie noch nie. Inzwischen hat der Goldpreis in sechs Währungen neue Hochs erreicht, auch in norwegischen Kronen – und nicht in US-Dollar – sondern aus ganz anderen Gründen.

Es riecht irgendwie angebrannt im Finanzmarkt, so wie 2007, als die Gebrüder Lehman über die Wupper gingen. Damals kam der Ärger aus dem Kreditmarkt. Heute rumpelt es da wieder. Nein, keine Sorge! Die Fallhöhe ist seit 2008 um zu vernachlässigende 60 Billionen US-Dollar neuer Schulden höher geworden. Das, und die ganzen Turbulenzen sind nun wirklich kein Grund, sich nach etwas anderem und besserem für seine Ersparnisse umzuschauen, was noch da sein wird, wenn alles andere weg sein sollte. Ekelmetalle und Edelmetalle verhalten sich bekanntlich proportional. Je ekliger die eigene Währung sich entwickelt, desto edler zeigen sich dagegen die edlen Metalle.

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