EK-Land ist abgebrannt

25. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Seit der letzten Woche darf der ESM auch direkt Kapital an Banken vergeben. Mit den nun beschlossenen 60 Milliärdchen wird man zwar nicht weit kommen, aber die EU zeigt erneut, dass ihre Beschlüsse von gestern nicht mehr wert sind als unbesicherte spanische Immobilienkredite…

Auf der Internetseite des ESM lautet die eigentliche Auftragsbeschreibung des fragwürdigen Vehikles:

The European Stability Mechanism is a permanent crisis resolution mechanism for the countries of the euro area. The ESM issues debt instruments in order to finance loans and other forms of financial assistance to euro area Members States.

Den einzig positiven Aspekt mag man in der Tatsache sehen, dass sich offenbar einige Politiker bewusst geworden sind, dass die Bankenkrise durch den Versuch des jahrelangen Aussitzens der Probleme nicht beendet wurde. Der Eigenkapitalmangel ist nach wie vor extrem, die Ertragsschwäche der Institute hält an und von schlüssigen Plänen ist auch aus der Branche selbst wenig zu hören.

Manch ein erfolgloser Vorstand ist sich nicht einmal zu schade, den Anleger weismachen zu wollen, mit mehr „Kundenorientierung“ könne man aus einem Abwicklungsfall eine ertragsstarke Bank machen.  Wer nach einigen Jahrzehnten nun den Kunden für sich entdeckt, sollte jedenfalls nicht erwarten, dafür einen Preis zu erhalten. Statt einem Kundenkompass wäre in diesem Falle wohl eher ein Fachbuch Banking hilfreich.

Der Unterschied der Kapitalausstattung der Banken beiderseits des Atlantik ist bemerkenswert. Die Quote der aggregierten Bilanzsummen aller Banken zum BIP liegt in den USA bei 90%, in der großen Europäischen Solidarfamilie hingegen bei erschreckenden 360%.

Das BIP pro Einwohner hingegen liegt in der EU um schlappe 35% unter dem Wert in den USA. Der Begriff overbanked darf in der EU folglich nicht nur hinsichtlich der Mitarbeiter- und Filialzahlen ohne Scheu verwendet werden.

Auf jeden Bürger entfallen in der EU rechnerisch sagenhafte 91.000 Euro an Assets in den Bankbilanzen, mehr als das Zweieinhalbfache des Wertes in den Vereinigten Staaten. Dummerweise ist die Lage bei der Eigenkapitalausstattung bekanntermaßen umgekehrt, lediglich durch die verzerrenden Effekte der BASELschen Risikogewichtung wirken die Kapitalquoten der europäischen Banken halbwegs stabil. Welchen Effekt diese Methodik hat, zeigt die folgende Grafik.

RWA Chart

Durch die Möglicheit der Banken neben dem Standardansatz auch interne Modelle zur „Berechnung“ – man könnte auch Gestaltung sagen – der Risikogewichte einzusetzen, sind die wirklichen Risiken in vielen Bankbilanzen nicht sofort ersichtlich. Ein Blick auf sinnvollere Kennzahlen wie die Leverage Ratio, also das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme, ist notwendig und hilfreich.

Wer mit wenig Eigenkapital unterwegs ist, für den führen schon kleine Fehler bei der Risikoeinschätzung zu existenziellen Gefahren. Wenn vermeintlich risikolose Anlagen, ohnehin eine absurde Annahme, plötzlich doch zum Risiko werden, steigt der Eigenkapitalbedarf sprunghaft an… (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "EK-Land ist abgebrannt"

  1. FDominicus sagt:

    Ach liebes Bankhaus – Sie wissen es doch auch. Eigenkapital wird überschätzt ;-( Das ist schon alles richtig so. Banken die Pleite sind kaufen Anleihen von Ländern die Pleite sind um sich dann um die Bail-ins bemühen die dann alternativlos von den Steuerzahlern zu tragen sind. Ein Schneeballsystem aus dem Lehrbuch…

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