Eiszeit – Ice Age

6. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Deutschland rutscht auf den Straßen, eine Art Konjunkturprogramm für die Autoindustrie. Es gibt noch Schnee! Er rieselt herab wie Notenbankgeld in Amerika. Die Börse hielt sich ganz tapfer, obwohl schon am Morgen Manny Sinn aus den Agenturmeldungen hüpfte, der Chef aus dem Ifo-Institut. Er kündigt zwei Jahre Eiszeit an. Eine neue Folge? Nein. Nur Ice Age – bis der Kaffee im Becher friert…

Sie kennen sicherlich das Urzeit-Hörnchen Scrat auf der Jagd nach einer Eichel. So stelle ich mir die Experten auf der Suche nach ihren Prognosen manchmal vor.

Vielleicht füttern sie die Computer mit falschen Daten, oder es sind alte PC-Modelle (2-86er?). Oder haben sie gar keine Computer? Eines ist fast sicher – sie werden sich wieder täuschen, wenn sie im Rückspiegel die Zukunft suchen. Sinn sieht die deutsche Wirtschaft in der schwersten Rezession in der Nachkriegsgeschichte. 500.000 mehr Arbeitslose. Kein Aufschwung bis 2010. Den Abschwung sah er allerdings auch nicht. Wieso sollte er jetzt richtig liegen? Vielleicht sind Prognosen in der heutigen Zeit überhaupt sinn-los geworden. Dem DAX war es egal. Er scheiterte an 5.000 Punkten. Zumindest aber hatten wir eine Schlagzeile mehr.

Dabei hat Hans Werner Sinn, das Väterchen Frost aus München, seine prognostizierenden Kollegen nun binnen weniger Wochen mit 180 Sachen überholt. Holla! Im Sommer fuhren sie alle noch mit offenem Autoverdeck durch die Gegend, als die Sonne heftig auf die Köpfe brannte. Sie merkten auch nicht den Regen, der dann die Wagen unter Wasser setzte, samt der Computer, die statt Daten – rosa Blasen von sich gaben. Error…

Sie erinnern sich? Im März 2007 prophezeite Sinn im „Spiegel“ einen Aufschwung bis 2010. Irgendwann „korrigierte“ er die Prognose. Im Zeitalter der Korrektur der Korrekturen ist das ja auch nichts Ungewöhnliches.

August 2008

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte der „WirtschaftsWoche“, die Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2008 werde „vermutlich auf etwa 2%“ gesenkt. Bisher wird für 2008 ein Wachstum von 2,4% prognostiziert. Für 2009 sagt das ifo-Institut ein Wachstum von nur noch 1,0% voraus. Im Gegensatz dazu hält der ifo-Präsident den Arbeitsmarkt für einigermaßen stabil. Er habe sich „vom Wirtschaftswachstum abgekoppelt“.

Oktober 2008 (Tagesspiegel)

Die Institute haben vorhergesagt, dass das BIP um etwa 0,2 Prozent steigen wird. Es gibt also praktisch kein Wachstum mehr. Das dunklere Szenario, ein Schrumpfen um 0,8 Prozent, ist durch den Rettungsplan weniger wahrscheinlich geworden.

Erst hatten sie kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu in Einheit mit weiteren Schwierigkeiten. „Das Hauptproblem ist die Massenhysterie, an der die Medien nicht unschuldig sind“, so Sinn im Gespräch mit der FAZ.

Unterdessen hat sich Janet Yellen gemeldet. Sie ist die Präsidentin der FED von San Francisco und erklärt, dass der Werkzeugkasten der FED noch groß genug ist, um auch weitere unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. Dabei verschüttet die FED schon Geld auf den Straßen, doch es scheint sich niemand danach zu bücken. Sie tut etwas, was kein Mensch mehr versteht. Oder sind Sie Experte für TALF ? („Term Asset-Backed Securities Loan Facility“) Nix verstehen? Nein? Es bedeutet nichts anderes als „Geld drucken“, mit vielen Tauchsiedern die Eiszeit bekämpfen. Das ist ganz einfach. Die FED rückt gegen „Sicherheiten“ neues Geld heraus. Sicherheiten sind z.B. wertlose Wertpapiere, marode Unternehmensanleihen. Anders gesagt, ist die FED die Müllhalde der Spekulanten geworden, eine Art Wiederaufbereitungsanlage. Aus alt mach neu.

Vwd tickert heute:

In ihren Programmen zum Kauf von Vermögenswerten, die die US-Notenbank zur Stützung des Finanzsystems aufgelegt hat, wolle sich die Fed um Transparenz bemühen, sagte Yellen weiter.

Na, versuchen kann man es ja mal, mit dem Bemühen. Die Zahlen in der Graphik zeigen, der Wille ist da. Nur fehlt es derzeit (noch) an Glauben. Pardon! Vertrauen.

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