Eisenschmerz

7. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die gewaltigen Investitionen der Vergangenheit sind für viele Bergbaukonzerne zur Eisenkugel am Bein geworden. So hocken die Unternehmen am Strand, können nicht weglaufen und hoffen auf ein Ausbleiben der Flut. Aber die Flut kommt immer…

Wenn es eine Position gibt, die wohl fast alle CEOs von Minen besitzen, ist es eine Long-Position im Daueroptimismus. Etwas blasphemischer formuliert greift dies die gute alte Beschreibung einer Goldmine auf. Eine Goldmine ist ein Loch in der Erde und ein Lügner, der daneben steht. Nun ist das sicher ein wenig zu hart, denn die Einschränkung auf Goldminen ist natürlich ungebührliche Diskriminierung. Auch beim Eisenerz hofft man auf ein Keimen der viel zu teuer ausgebrachten Saat.

Neben den Prognosen einiger Ölfirmen, die das Etikett sehr optimistisch verdienen, hört man auch aus den Erdlöchern Australiens neue Töne der Hoffnung und der Panik. So äußerte sich der Gründer und größte Anteilseigner von Fortescue Metals, Andrew Forrest, zunächst optimistisch zur weiteren Preisentwicklung. Seine Vision einer Rückkehr der Preise auf 90$ pro Tonne klingen mehr nach Hoffnung als nach Strategie. Derzeit liegt der Preis rund 45% tiefer. Daran ändert auch die nach wie vor unbestreitbare Existenz Chinas nichts.

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Mitten in das Preisgebirge hinein wurden von Fortescue und Konsorten zig Milliarden in neue Projekte investiert. Die ansteigende Förderung trifft nun auf eine Nachfrage, die nicht Schritt halten kann. Der gute alte Schweinezyklus.

So darf man sich darüber wundern, warum sich Mr. Forrest über die Produktionsausweitungen der Konkurrenten Vale und Rio Tinto wundert. Diese Firmen würden so keine Werte schaffen, sagt er. Von der Ausweitung der Förderung halte er nichts, vielmehr schlage er die Einführung einer Produktionsobergrenze vor. Ein bisschen Planwirtschaft hier, ein bisschen da, je nachdem wie es gerade passt. Es wird wohl Zeit, dass nicht nur Geld sondern auch Nachfrage gedruckt wird. Der Chef von Rio Tinto bezeichnete den Vorschlag völlig zurecht umgehend als „bekloppt“ (hare-brained).

Allzu sehr sollte sich ein Mann wie Forrest nicht über die Ausweitung der Produktion mitten in fallende Preise hinein erstaunt sein. Es geht in diesem Fall nicht um das „Schaffen von Werten“. Die Konkurrenten dürften sich vor allem um ihre tiefroten Cash Flows sorgen. Einige Firmen haben die Nettoverschuldung in den vergangenen Jahren derart drastisch ausgeweitet und Projekte angestoßen, die sich schon jetzt auch unter optimistischen Annahmen nicht mehr rechnen können, dass eine Erhöhung von Ausschüttungen wohl die geringste aller Sorgen ist. Neben dem Hoffnungsprinzip ist das Festhalten an alten Rezepten trotz absehbarer massiver Problem überaus bemerkenswert (siehe dazu unsere Artikel Erzfreunde und Eisenharter Preisverfall).

Allerdings sind die Damen und Herren des Sektors nach einigen Dekaden steigender Preise möglicherweise auch vom Bärenmarkt auf dem falschen Fuß erwischt worden. Darüber mag mancher schmunzeln, allerdings lässt sich am Aktienmarkt derzeit schön beobachten, wie viele institutionelle Anleger sich genauso verhalten, als ginge es auf immer und ewig nach oben. Das wird auch dieses Mal nicht funktionieren. Weder bei den Aktien, noch beim Erz. Im Nachgang, wenn das eintritt, was nicht möglich war, bleibt dann das schiere Erstaunen über das Ausmaß des Preisverfalls, der mittlerweile bei minus 72% angelangt ist. Bei den US-Aktien waren es nach 1929 immerhin 90%, ein Kursverfall, den man in manch europäischem Index ebenfalls erreicht hat.



Wie bei den angeschlagenen mittleren und kleinen US-Ölfirmen geht es derzeit auch den Minen nicht mehr um ein Aufpolieren der Margen sondern nur noch um den kurzfristigen Cash Flow. Für die Großen sollte man den gewünschten Effekt, über den Preisverfall kleinere Konkurrenten aus dem Markt zu drücken, ebenfalls nicht vergessen. Im Falle von großen Firmen, die sich, sei es aus Hybris oder wegen einer tumben linearen Fortschreibung von Preistrends, zu stark gehebelt haben, kann aber durchaus auch einmal eider Blitz einschlagen. Wer im Gewitter mit einer hundert Meter langen Eisenstange über die Wiese läuft, darf sich über das Naturereignis nicht beklagen. Fortescue dürfte jedenfalls aktuell mehr Arbeit mit der Finanzierung als mit dem Ausbuddeln von Eisenerz haben. Man darf gespannt sein, was man in diesem Segment ans Licht fördert.

Wirft man einen Blick auf den Aktienkurs von FMG so sieht man, dass sich der Kurs seit Anfang 2014 zwar gedrittelt hat, sich aber noch reichlich Fleisch am Knochen befindet.

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Vor einem Monat hat der Konzern eine Anleiheemission im Volumen von 2,5 Mrd. Dollar abgesagt. Die „volatilen Kreditmärkte“ wurden als Sündenbock genannt. Das ist eine ziemlich überraschende Aussage, denn derzeit kann man am Kreditmarkt so ziemlich alles verkaufen, wenn Investoren sich nicht ausgesprochene Sorgen um das akute Überleben machen. Das könnte bei Fortescue angesichts des rapiden Preisrückgangs beim Eisenerz durchaus der Fall sein. In dieser Situation sind auch 2,5 Milliarden Dollar kein Pappenstiel. Mögliche Kreditgeber werden auch auf die wenig erbauliche Entwicklung der Nettoverschuldung in den letzten Jahren ein Auge geworfen haben.

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Immerhin hat man mit der Refinanzierung der bestehenden Kredite noch etwas Zeit. Eine Milliarde wird in 2017 fällig, der größte Brocken mit knapp 8,4 Milliarden Dollar dann 2019. Sollte man jedoch vorher mal wieder negative Cash Flows wie in den den Jahren 2012 (-3,8 Mrd. USD) oder 2013 (-4,2 Mrd. USD) einfahren, stellt sich die Finanzierungsfrage akut.

Davon sollte nicht nur der vorsichtige Kaufmann ausgehen, denn für Hoffnung kann man sich auch am Rohstoffmarkt nichts kaufen.




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Ein Kommentar auf "Eisenschmerz"

  1. Avantgarde sagt:

    Das Ziel der beiden Großen Spieler wird wohl sein die anderen teurer Produzierenden entgültig vom Markt zu fegen – weiter fallende Preise werden die wohl schon einkalkuliert haben.

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