Eisenharter Preisverfall

30. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Preis für Eisenerz hat sich seit dem Preishoch vor drei Jahren fast halbiert. Erstmals seit längerem schaute der Preis kürzlich wieder unter die Marke von 100 Dollar pro Tonne, was für Sorgenfalten bei den Eisenerzproduzenten sorgen dürfte …

Auch der australische Staat darf seine Budgetplanungen auf Grund der dahinschmelzenden Einnahmen aus der „Mining Super Tax“ wohl noch enige Male ändern.

Noch vor einigen Jahren war die Welt der Eisenerzproduzenten in Ordnung. Wie bei den Goldminen sorgten neue Preishochs für euphorische Stimmung, die sich als schlechte Basis für Investitionen in bis dato unbekannten Größenordnungen erwies.

Unternehmen änderten ihre Planungen basierend auf dem massiv erhöhten Preisniveau. Viele vorher unattraktive Projekte erschienen plötzlich rentabel. Zur großen Freude ließ sich dank des niedrigen Zinsniveaus auch jeder Unfug problemlos finanzieren. Leider sind temporär erhöhte Preise ein gefährlicher Feind der erfolgreichen Investitionsplanung. Wenn die Szenarioanalysen eine Rückkehr zu früheren Preisniveaus nicht einbezieht und nur auf einen vergleichsweise geringen Zeitraum der Preishistorie schaut, kann es schnell eng werden.

Der Anstieg der Eisenerzpreise nach der Jahrtausendwende erreichte ein bemerkenswertes Ausmaß. Die folgende Grafik zeigt den Verlauf der Preise seit den 80igern. Man kann leicht erkennen, dass sich trotz der bereits vor dem Jahr 2003 existierenden VR China und der damals bekannten Urbanisierung vor der großen Hausse keine besonderen Preisexplosionen ergaben.

2

Manches Projekt, das einigen Managern vor drei Jahren attraktiv erschien, wäre vor gar nicht so langer Zeit noch derart absurd erschienen wie der Eisentransport vom Mond zur Erde. Führt die Korrektur der Erzpreise nun noch weiter in Richtung der alten Normalität, dann werden ebenso viele Fragen wie unrentable Erdlöcher offen bleiben. Neben den sinkenden Preisen drücken zu allem Ärger auch steigende Energie- und Lohnkosten mittlerweile deutlich auf die Margen.

Firmen, die ambitionierte Projekte über Eigenkapital finanziert haben hinterlassen im Fall der Fälle schmerzgeplagte Anleger. Wurden das Ausheben neuer Löcher und der Bau der Infrastruktur mit neuen Schulden finanziert, bringen die sinkenden und oder gar negativen Cash Flows schnell ernste Probleme mit sich. Die Bedeutung des Eisenerzes für die Gewinne der Großkonzerne sollte man nicht unterschätzen. Die folgende Tabelle zeigt wichtige Branchenvertreter und den Anteil der Eisenerzsparten an Umsatz und operativem Ergebnis.

1

Seit 2009 hat sich bei vielen Unternehmen des Sektors die Nettoverschuldung durch zahlreiche Investitionen deutlich erhöht. Vor allem Fortescue fällt mit wenig erbaulichen Verschuldungsratios auf. Mangels anderer Geschäftsbereiche schaut man daher down under wohl derzeit häufiger auf die wirtschaftliche Entwicklung in China. Bis dato ist, auch wenn der Preisverfall anderes vermuten lässt, bei den chinesischen Erzimporten noch kein längerfristiger Einbruch zu sehen.

3

Die zur Plausibilisierung dargestellten australischen Exporte zeigen ein ähnliches Bild. Dennoch fällt der Erzpreis deutlich, was jeder für sich interpretieren darf.

Die kommenden Ergebnisse der Erzförderer dürften sehr aufschlussreich sein. Vermutlich wird man sich der Stellschrauben, die die Abschreibungsmöglichkeiten bieten, bedienen, um halbwegs erträgliche Nettoergebnisse ausweisen zu können. Davon sollte sich niemand ablenken lassen, denn der Blick auf die Cash Flow Statements der Unternehmen war selten interessanter…


 

Schlagworte: , , , , , , ,

2 Kommentare auf "Eisenharter Preisverfall"

  1. Skyjumper sagt:

    Zugegeben: Wenn der Preis tatsächlich auf 50,- bis 60,- $/to zurückkommt wird es da mehr als nur Sorgenfalten in der Branche geben. Allerdings muss man auch sehen, dass RioTinto z.B. den bisherigen Preisverfall (der ja nun auch schon rund 40% beträgt) zumindest in der Bilanz gut weggesteckt hat.

    Bei 5 % höherer Fördermenge eine Umsatzsteigerung von 7 %, und eine Gewinnsteigerung von 7 % auszuweisen ……… spricht dafür dass man die Kostenseite doch ganz gut im Griff hat (2013 zu 2012). Und sollten die ersten Minen dicht machen könnten die Preise auch recht schnell wieder hochfedern. Denn wie die Grafik im Artikel durchaus auch zeigt: Der Bedarf an Eisenerz ist nach wie vor gegeben.

    Es ist daher noch etwas zu früh um schon die Holzkreuze für die Branche zu schnitzen. Auch wenn es das ein oder andere Unternehmen durchaus zerlegen könnte.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo skyjumper,

      natürlich kippen die Großen nicht gleich um, wenn der Preis ein paar Quartale fällt. Der ausgewiesene Gewinn allein ist jedoch nicht die relevante Größe, wichtig sind die Cash Flows und die Bewertung der produktiven (mehr oder weniger) Assets. Da ist viel Luft nach unten.

      Erwartungsgemäß sieht es bei den Cash Flows wesentlich schlechter aus, als bei den relativ einfach „steuerbaren“ Gewinnen.

      Cash Flows Rio Tinto und BHP

      Man beachte die Skala und das doch recht seltene Erscheinen derartiger Einbrüche. Zusammen mit massiven Überinvestitionen, Rio macht in Afrika sogar munter weiter, ist dies nicht gerade förderlich für die Rendite …

      Artikel dazu: http://www.rottmeyer.de/oh-schreck-ein-leck/

      Die massiven negativen Cash Flows bedeuten Finanzierungsbedarf. Aktuell ist das stressfrei zu bewerkstelligen, selbst Oma Hertha würde vermutlich am Bondmarkt problemlos eine Milliarde bekommen. Das wird nicht immer so bleiben.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.