Eisdusche in Australien

10. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Markt für Firmenübernahmen und Fusionen in Australien ist drastisch eingebrochen. Nach Zahlen, die noch im ersten Halbjahr als Zeichen eines niemals endenden Booms interpretiert wurden, kam nun der stärkste Rückgang seit 25 Jahren.

Im ersten Halbjahr des Jahres lief der heimische Markt noch rund, so dass auch für die ersten neun Monate des Jahres ein doppelt so hohes Transaktionsvolumen wie im Vorjahreszeitraum zu Buche steht. Interessant ist jedoch der Einbruch um 86% im letzten Quartal. Fast die gesamten Geschäfte entfielen somit auf das erste Halbjahr.

Im Zuge der sich verschlechternden Bedingungen am High Yield Markt dürfte sich an der neuen Ernüchterung vorerst nichts ändern. Bemerkenswert ist lediglich, wie lange einige Investoren gebraucht haben, um festzustellen, dass sich auch große Rohstoffunternehmen auf Grund der teils deutlich rückläufigen Preise mit ernstzunehmenden Cash Flow Problemen herumschlagen.

Viele große Firmen des Sektors haben durch eine absurde und geradezu fahrlässige kreditfinanzierte Expansionsstrategie bereits jetzt Milliarden an Abschreibungen aufgetürmt. Dummerweise bleiben die Kredite für nun abgeschriebenen Firmenwerte auf dem alten Niveau, und die operativ oft sehr schwachen übernommenen Unternehmen generieren viel zu wenig Cash, um neben den laufenden Kosten auch noch die Kredite zu bedienen. Vielfach wurden auch völlig unproduktive Firmenteile übernommen, die erst einmal ein paar Milliarden Dollar benötigen, bis überhaupt ein Kilo Erz ans Tageslicht gelangt.

Die Probleme waren schon vor geraumer Zeit absehbar (siehe Beiträge zu Bergbauunternehmen, unter anderem „Elender Schweinezyklus“ und „Oh Schreck, ein Leck„), mittlerweile ist dies auch einigen Anlegern klar geworden.

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Die operativen Schmerzen führen langsam aber sicher zur zweiten Runde operativer Hektik. Vor einigen Jahren konnten die Firmen gar nicht schnell genug andere Firmen kaufen oder irgendwo ein neues Loch in die Erde buddeln. Nun hat sich der Wind gedreht, und viele versuchen möglichst schnell, teuer erworbene Firmenteile wieder loszuwerden. Beide Male liefen dummerweise alle in die gleiche Richtung, was in der ersten Phase zu absurden Preisen bei Übernahmen geführt hat, und nun in der zweiten Phase bereits deutlich auf die Verkaufspreise drückt. Für viele Anteile gibt es ohnehin keinen Käufer. Mangels anderer Interessenten ist vielen Firmen ein Börsengang als letztes Mittel immer Recht. Dies scheint auch im Falle von BHP Billiton die Methode der Stunde zu sein. Das Unternehmen will derzeit einen Teil der Firma – Billiton – loswerden. BHP Billiton war 2001 durch die Fusion von Billiton plc und Broken Hill Proprietry Company entstanden. Da sich kein Konkurrent um diese Assets reißt, oder niemand bereit ist, die Preisfantasien des Verkäufers ernstzunehmen, hofft man auf einen Börsengang. Angesichts der geistigen Leere in weiten Teilen der Fondsbranche darf man einen erfolgreichen Verkauf wohl nicht ausschließen.

Die Firma möchte nun durch die Abspaltung übrigens „fokussierter“ werden. Falls diese Worte Sie an das übliche zyklische Beraterspielchen erinnert, haben Sie Recht. Mal sind Konglomerate in Mode, dann bestimmte Holdingstrukturen, dann die schlanke Firmenarchitektur mit dem unvermeidlichen „Fokus auf dem Kerngeschäft“ und ein paar Jahre später ist wieder das Gegenteil en vogue.  Im Hause BHP will man sich fortan auf die vier Produkte Eisenerz, Kupfer, Öl und Kohle konzentrieren. All diese Rohstoffe befinden sich derzeit in einem mehr oder weniger ausgeprägten Abwärtstrend, so dass man selbst wenn die angestrebte Verschlankung gelänge ein Cash Flow Problem haben dürfte. Interessant ist auch im Falle des Gelingens einer derart großen Transaktion im derzeitigen Umfeld, ob man bereits ausreichende Abschreibungen vorgenommen hat. Man darf gespannt sein.

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Nicht nur BHP steht vor derartigen Problemen. Viele kleinere Unternehmen sind noch wesentlich härter betroffen. Firmen, die zu allem Überfluss noch mit einem enormen finanziellen Hebel arbeiten und sich auf nur ein Metall konzentrieren, kommen in schwierigen Marktphasen rasch in existenzielle Schieflagen. Die Situation beim Eisenerz darf man durchaus als schwierig ansehen. Das gilt insbesondere, da viele Firmenübernahmen und Investitionen in der Nähe des Preisrekordes getätigt wurden. Den Schweinezyklus gibt es nicht nur im Agrarsektor. Geht der Preis des Erzes in den freien Fall über, wie dies beim beim Eisen gerade der Fall ist, dann darf man auf die kommenden Berichte ebenso wie auf neue Anleihen oder auch eine Kapitalerhöhung gespannt sein. Fortescue Metals Group, ein Eisenerzunternehmen aus Australien ist einer der bekannteren Kandidaten für die große Lostrommel des finanziellen Schicksals.

Sollte der Kupferpreis sich dem Eisenerz anschließen dürfte es für die gesamte Branche erst richtig spannend werden, dient das Metall doch immer noch in gigantischem Ausmaß als Kreditsicherheit in China. Werden Kredite nicht bedient und der Kreditgeber braucht nicht rein zufällig ein paar Tonnen Kupfer, dann muss er die Sicherheiten anderweitig verwerten, sprich verkaufen. Wenn dies eine Menge Menschen gleichzeitig versuchen, darf man schon einmal viel Vergnügen wünschen. Immerhin ist man in China nicht allein. Auch die australische Wirtschaft und die heimischen Banken dürfen schon einmal die Sicherheitsgurte festziehen.



 

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Ein Kommentar auf "Eisdusche in Australien"

  1. FDominicus sagt:

    Ich denke aber auch bei den Banken wird es noch stärker zu Übernahmen kommen. Denn man muß ja „nur zu groß zum Untergehen“ werden. Und so wie es sich mir präsentiert hat sich die Situation gerade bei den großen Banken verschlimmert.

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