Einstürzende Neubauten

30. April 2009 | Kategorie: Kommentare

Binnen weniger Monate sieht sich das Emirat Dubai heftigen Schwierigkeiten ausgesetzt. Allein im ersten Quartal 2009 sind die Immobilienpreise um 41% gefallen, berichtet Colliers International, einer internationalen Immobilien-Beratungsgesellschaft, in einer Studie. Im 4.Quartal 2008 betrug der Rückgang 8%. Die Hitze ist komplett aus dem Markt gegangen, sagt John Davis, der für den Mittleren Osten zuständige Chef.

Ich erinnere mich an unseren Dreh in Dubai im November 2008. Wir waren auf den Spuren des Goldes in unserer Reportage „Goldfieber in Dubai“, die bei n-tv im Januar ausgestrahlt worden ist. Wir saßen in einem Restaurant in einem neu angelegten künstlichen Hafen. Die Hochhäuser sind dort wie Pilze aus dem Boden geschossen. Es dauerte nur 6-9 Monate, und schon stand ein Neues dort. In Deutschland bekam man in dieser Zeit nicht mal eine Baugenehmigung für eine Garage. Wir fragten uns die ganze Zeit, wer in die neuen Hochhäuser einziehen will. Die meisten Etagen waren am Abend nicht beleuchtet. „Es sind Spekulationsobjekte“, erzählten uns ein Geschäftsmann, der mit am Tisch saß. Und er sprach von Schwierigkeiten, die kommen werden. Nun sind sie da.

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Mitten aus dem Boom – tief in die Rezession. Dubai hat Unmengen der weltweiten Gelder angezogen, die auf der Suche nach Rendite waren. Diesen Spruch hat man oft lesen können, Vielleicht schmunzeln Sie auch gerade wie ich darüber. Es scheint aber gerade viel schiefzugehen. „Wenn Abu Dhabi nicht die Kassen aufmachen würde, was glaubst Du, wie das Wirtschaftsleben jetzt da aussehen würde, sagte mir gerade ein Dubai-Kenner, den ich gerade am Telefon hatte. Vor wenigen Wochen wurde berichtet, dass die Wanderarbeiter, vornehmlich aus Indien und Pakistan ihr Auto zum Flughafen fahren, das dann dort stehenlassen und sich ins Flugzeug setzen, um dann nach Hause zu fliegen. Es gibt weniger zu tun für die. Dubai hat 1,5 Mio. Einwohner, 80% davon sind Ausländer.

Ziel von Mohammed bin Rashid Al Maktoum, dem Oberhaupt von Dubai, einem der sieben Staaten der Vereinigten Arabischen Emirate, ist es, sich unabhängig von Öl zu machen. Wenn es eines Tages das Öl nicht mehr aus dem Boden sprudelt, braucht das Emirat andere Einnahmequellen. Und so investierte man in die Infrastruktur, den Tourismus und alle Dinge, die in westlichen Ländern längst Standard waren. Nur ist dort alles etwas moderner und unbürokratischer. Die Leute dort sind zudem sehr nett, freundlich und zuvorkommend. Man zahlt dort keine Steuern. Das hat viele Investoren angelockt, was sicherlich auch Sinn der Sache gewesen war. Und so kamen auch die Spekulanten mit ihren Milliarden. Viele sind im Zuge der Finanzkrise wieder verschwunden. „Die Preise werden wahrscheinlich weiter fallen. Es ist zu früh, um sagen zu können, wann der Markt seinen Boden erreichen wird, sagt John Davis.

Heute wird übrigens gemeldet, dass der Baukonzern Hochtief den Zuschlag für ein Riesenprojekt in Katar bekommen, einem anderen Teil der VAE. Der Konzern baut für das Emirat einen Gebäudekomplex mit einer Bruttogeschossfläche von knapp 900.000 Quadratmetern. Es soll eine Länge von acht Kilometern haben und 2012 fertig sein. Ich frage mich, wer da einkaufen soll…?


 

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