Einnahmen – Ausgaben – Überschüsse

1. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Trotz der Rekordstände beim DAX sind hierzulande Aktien immer noch so beliebt wie Schneefall im Mai. Angeblich wohnt ja der Teufel hinter der DAX-Tafel oder auf dem Parkett, wo es nach Pech und Schwefel riechen soll…

Ja, Börse und Pech sind schon etwas verwandt, erinnert man sich noch schmerzhaft an die großen Kursstürze der Jahre 2000 und 2008 und die Betrügereien im „Neuen Markt“. Viele hatten wenig Glück, bevor das Pech zuschlug. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer. Trotzdem steigen die Kurse. Warum?

Mal schnell rechnen. Bei zwei Prozent Inflation, gefühlt ja viel mehr, und auch noch null Prozent Zinsen, ist für jeden klar, dass sein Geld immer wertloser wird. Das bleibt auch so, heißt es frei übersetzt aus der EZB. Damit ist ein Vermögensaufbau mit einem Sparbuch selbstverschuldeter und garantierter Vermögensverlust. Vielleicht steigen deshalb die Kurse, nicht weil sie wollen, sondern weil sie mit Geld aus den herkömmlichen Sparformen hochgetrieben werden. Jammern hilft nichts, eher, die Spargewohnheiten anpassen.

Doch die meisten Leute interessiert das Thema nicht. Sie geben ihr Geld lieber aus – auch eine Art von Investition in Schnickschnack. Beim Investieren tauscht man aber seine Euros in etwas Besseres, was seinen Wert behält und hoffentlich teurer wird. Zunächst braucht man erst einmal Überschüsse. Diese entstehen, wenn man weniger ausgibt als einnimmt und im Grunde ist jeder ein eigenes kleines Unternehmen, das gut geführt sein will.

Man kann die Einnahmen erhöhen oder die Ausgaben kürzen. Hauptsache, die Bilanz bleibt positiv. Künftiges Sparen heißt vielleicht nur Investieren. Herkömmliches Geld taugt bekanntlich nur noch als Parkmöglichkeit, nicht aber als Wertspeicher. Dieser Trend wird uns aufgezwungen und führt auch dazu, dass die Schere zwischen arm und reich noch schneller größer wird. Folgenlos bleibt das nicht in einer Zeit in der es heißt: Haste was, kriegste was. Haste nix, bekommste auch nix.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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