Einmaliges für die Ewigkeit

21. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der US-Konzern Alcoa war früher vor allem für sein Kerngeschäft bekannt. Heute ist die Aluminum Company of America jedoch auf dem besten Wege zum neuen Superstar für Gewinnanpassungen zu mutieren. Während die deutsche Presse gerne jedes Quartal den CEO Klaus Kleinfeld feiert, ist der Blick in die Geschäftsberichte bestenfalls erheiternd...

Alle drei Monate kommen frohe Botschaften aus Pittsburgh. Dort im Staate Pennsylvania hat der Aluminiumkonzern Alcoa seinen Hauptsitz und beglückt die Analysten und Anleger mit Quartalsberichten, die von der Presse meistens dankbar und voller Optimismus aufgenommen werden. Hier ein paar Beispiele aus der letzten Woche.

6

Freude in den Medien ist oft eine derart schöne Sache, dass niemand sie trüben mag. Wer will schon der Spielverderber sein. Da auch die Finanzbranche zu 90% aus Marketing besteht und man in der Regel immer nur zum Kauf von etwas rät, selten aber zum Verkauf (nur bei Assets, die keine Gebühren bringen), darf man sich über manch allzu dünn geratene Auswertung nicht wundern.

Wer sich die Mühe macht, auch nur drei Minuten mehr Zeit aufzuwenden um sich anstelle des Pre-Preview auf das iPhone 38 die Geschäftsberichte von Alcoa anzuschauen, der schüttelt angesichts wiederkehrender Jubelarien nur den Kopf. Denn nicht nur der Freudentaumel ob der Ergebnisse ist wiederkehrend, auch die „Einmalaufwendungen“ haben im Hause Alcoa zahlreiche Leben.

So ist neben der ewigwährenden Reinkarnationen der einmaligen Sonderaufwendungen auch die Dauer der Restrukturierung des Konzerns bemerkenswert. Quartal auf Quartal folgt eine Restrukturierungsaufwendung auf die nächste.



Dementsprechend nichtssagend sind die gefeierten Ergebnisse des Konzerns, handelt es sich doch um die „adjusted Earnings“. Von denen kann man sich bekanntlich nichts kaufen. Das sind diejenigen Erträge, aus denen man die vermeintlichen Sonderbelastungen und einmaligen Effekte herausgerechnet hat. Das sieht folgendermaßen aus.

 

1

Man beachte auch die Relationen von Nettogewinn und Restrukturierungs- aufwendungen. Die rechts unten stehende Zahl von 370 Millionen ergibt geteilt durch die Anzahl der ausstehenden Aktien einen „adjustierten Gewinn pro Aktie“ von 30 Cents für das vergangene Quartal, oder umgerechnet und annualisiert ein KGV von knapp über 12 (Die Annualisierung soll hier nur zur besseren Darstellung gezeigt werden, nicht weil wir sie für sinnvoll halten).

Die folgenden Daten stammen ebenfalls aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens und zeigen, wie es ohne Anpassungen aussieht.

2

Man nimmt erstaunt einen Gewinn pro Aktie von lediglich 12 Cents zur Kenntnis – diesmal übrigens korrekt gemäß Bilanzierungsstandard GAAP ermittelt. Das ist zwar eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, was allerdings so spät im Zyklus keinen Anlass zur Sorglosigkeit gibt. Umgerechnet kommt man so auf ein KGV von 30. Das ist nicht ganz billig für einen Zykliker, der offenbar seit Jahren nicht aus der Phase der Umstrukturierung herauskommt.

Addiert man die regelmäßig entstehenden Abweichungen von „echten“ und adjustierten Quartalsergebnissen so ergibt sich ein bemerkenswertes Sümmchen und der Anleger kann sich des Eindrucks nicht ermitteln, dass Einmaleffekte sich im Hause Alcoa besonders einseitig verhalten. Insgesamt kommt man seit dem Jahr 2000 auf Verluste von mehr als 6 Dollar pro Aktie, die natürlich in den adjustierten Ergebnissen niemals auftauchten (aktueller Kurs um die 15 Dollar). In weiten Teilen der Presse waren diese Werte auch nicht zu sehen …

3

 

Das aktuelle Kursniveau hält offenbar auch der CEO des Unternehmens für Verkäufe attraktiv. Dies suggerieren zumindest die aktuellen Insidergeschäfte.

4

Hier der Blick auf den Chart und die Verkäufe:

5

Ob die vermeldeten ajdustierten „Erfolgszahlen“ bei der Suche nach dankbaren Abnehmern hilfreich waren? Wer weiß das schon …




Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar