Einmal Schleudern bitte!

18. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ständig passieren Dinge, mit denen gar niemand rechnet. Die Nachfrage nach dem Begriff „überraschend“ steigt deshalb seit Jahresanfang überraschend steil an…

Kein Winter, überall Terroristen, Diesel unter einem Euro, der Euro badet im besten Weichspüler der Welt und dann noch ein veritabler Crash in der Schweiz. Die Schweizer Nationalbank hat den Franken vom Euro losgesagt, wahrscheinlich bevor er die Krätze in die Berge trägt.

Oh, die armen Kreditnehmer der Welt in Schweizer Franken! Sie müssen plötzlich 15 Prozent mehr zahlen. Hunderttausende haben solche Kredite in Schweizer Franken laufen… weil sie so schön billig waren. Jetzt schlagen sie zurück und mancher Kommune ins Kontor. Niemand kam ja bislang auf die Idee, dass Kredite doof sind, egal in welcher Währung. Nicht mein Problem…

Ich beobachte bloß, wie Schweizer Franken und die Edelmetalle kräftig aufwerten. Experten haben das gar nicht erwartet! Öl und andere Rohstoffe munter runter. Kupfer kostet nur noch fünf Euro pro Kilogramm. Damit haben selbst Kupferdiebe nicht gerechnet!

Dass der DAX die 10.000er Marke zurück erobern konnte, geriet wegen der Euroschwäche zu einer missglückten Kindergarten-Party. 10.000 Punkte vor einem halben Jahr sind zwar auch die gleiche Punktzahl wie heute. Aber was sind diese Punke heute wert? Gehen Sie damit mal einkaufen. Gab es etwas zu feiern? Der DAX in anderen Währungen betrachtet, sieht nämlich erschreckend schwindsüchtig aus.

Und was kommt nun?

Keine Ahnung. Manchmal reicht es aus zu wissen, dass man das nicht wissen kann. Nur vorbereitet sollte man sein, auch wenn es heißt: Dieses Mal ist aber alles anders. E h r l i c h! Das ist nicht nur an der Börse der teuerste Satz.

Merken Sie sich schon mal den den 22. Januar vor. Stellen Sie den Wecker auf 13.45 Uhr bzw. 14.30 Uhr. Dann wird die EZB wohl mit dem Aufkauf von Staatsanleihen beginnen, heißt es. Der Champagner steht schon bereit. Das soll die Zinsen weiter drücken. Ha! Welche Zinsen? Egal.

Zentralbanken sind bekanntlich unfehlbar, aber nur, bis es zu einem Desaster kommt wie in der Schweiz. Im Schein der untergehenden Sonne werfen dann selbst ganz kleine Zentralbanken die größten Schatten. Dieser versteckt vorerst die Milliardenverluste, die in den kommenden Wochen ans Tageslicht kommen. Zum anderen wird dann sichtbar, dass die Schweizer wieder souverän sind. Gerade noch rechtzeitig?

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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4 Kommentare auf "Einmal Schleudern bitte!"

  1. stonefights sagt:

    Weniger ist mehr. Mann könnte auch sagen: „Einfach“ auf den . gebracht.
    Danke !
    lg, stonefights

  2. Sandra sagt:

    simple lead ‚.‘
    all ways leads to …
    but only if you lead.

  3. Michael sagt:

    Wehe dem Tag an dem jemand zu Tage befördert in die Breite Öffentlichkeit was im Rahmen der sog. ‚Rettungen‘ wurde getrieben und noch getrieben wird im großen Stil.

    Was ist auch das Problem beim EURO. Ich spreche jetzt eher schon in der Terminologie von vor Dekaden. Wenn sie Modle (Teile eines gesamten) haben die nur zu 99% funktionieren und die Teile sich gegenseitig einbinden, dann landen sie bei einer Gesamtstabilität und Fehleranfälligkeit von (1- Fehleranfälligkeit pro Programmteil im Mittel % /100) * Programmteile. 99% stabil * 60 sind 60%. Das fällt unter – stürzt wenn überhaupt so spät beim nächsten Druck einen Knopfes ab.

    Aber es ist einsichtig, dass dieser Zeitpunkt selbst bei höherer Güte kommen muss. Deswegen wird ja den Banken Liquidität ein ‚Hautfetzen‘ nach dem anderen, wie einer Kolonie an Lepra Erkrankter aufgeklebt. So ungustiös sich dieses Beispiel anhört, so nahe kommt es der Realität.

  4. Sandra sagt:

    Kranker Geist, kranker Körper
    Kranker Körper, kranker Geist

    Eine Seele kann nur in Gesundheit wachsen, sich entfalten und erblühen.

    Da hilft zukleistern und aneinanderklammern der Kranken rein gar nichts. Vor allem nicht, wenn die paar Gesunden nicht mehr die Rolle des Ernährers aus Selbsterhaltungsgründen spielen können.

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