Einer gegen alle

10. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man wisse schon, was man tue, belehrte EZB-Chef Mario Draghi die Öffentlichkeit. Unterdessen warnte der Chef der Deutschen Bank vor Finanzblasen als Folge dieser Geldpolitik.

Draghi kontert: „Wir haben nur ein Ziel, und das ist die Preisstabilität.“ Unter „preisstabil“ versteht die EZB, wenn am Jahresende von 100 Euro nur noch 98 Euro Kaufkraft übrig bleiben. Und keinen Cent mehr! Deshalb druckt sie derzeit 60 Milliarden Euro pro Monat und hält sich die Tür für mehr offen. Ein Ausstieg würde wie kalter Entzug für Drogenabhängige wirken. Und Finanzblasen tun ja niemandem weh, so lange sie nicht platzen.

Wenn man so hoch sitzt wie die EZB`ler in ihrem Turm, können sie von dort kaum erkennen, was sie unten anrichten – wie ihre Nullzinspolitik Märkte und Preise auf Kosten der kleinen Leute verzerrt. Für Schuldner wie die Südländer ist es paradiesisch wie eine Happy Hour 24 Stunden am Tag, bis irgendwann die Marktwirtschaft ausgehebelt, die Schwerkraft aufgehoben und die Planwirtschaft eingeführt ist.

Übrigens tritt Mario Draghi neuerdings ohne Brille auf. Gibt es da etwa einen Zusammenhang?

Unterdessen und trotzdem hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um 14 Prozent aufgewertet, jedoch nur, weil die US-Währung an Zauber verliert. Trotz des Anstiegs des Euro ist er wahrscheinlich heute viel weniger wert als die alte D-Mark, wegen der Preisstabilität. Ironie aus!

Vermutlich wird die offizielle Inflation in der Eurozone noch sehr lange unter der Zielmarke von zwei Prozent verharren, denn die Schuldenberge der südeuropäischen Staaten sind größer denn je. Keine Sorge, ruft es aus der EZB. Die Ängste vieler Beobachter vor den Risiken der Anleihekäufe sind ihr zufolge unbegründet. Sie wisse schon, was sie tue. Klar, das wissen Räuber auch – und bekanntlich wird Wahnsinn erst dann unsichtbar, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat.

Und wenn die Inflation doch kommen sollte, wenn sie als Vermögenspreisinflation nicht schon da ist, dann kann sie die EZB ganz einfach bekämpfen. Sie gibt dann eben nur noch Fünf-Euroscheine heraus.
Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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