Eine Warnung?

20. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Was halten Sie davon? Rückwirkend zum 1. Januar wird deutschen Sparern 0,03 Prozent ihrer Guthaben auf dem Konto vom selbigen durch das Finanzamt abgebucht!

Was glauben Sie, welchen Aufschrei diese Schlagzeile zur Folge hätte? Er wäre viel lauter als der Gaucho-Tanz der deutschen Fußball-WM. Nein, beruhigen Sie sich!

Was hierzulande undenkbar ist, wurde doch nur für die spanischen Sparer jetzt zur Realität. Weil man in Spanien so überaus erfolgreich mit den Sparmaßnahmen vorangekommen ist, explodiert der spanische Schuldenberg weiter. An der Billion Euro fehlen nur noch vier Milliarden Euro. Das wird schon! Spätestens im August. Deshalb ist es doch verständlich, dass man den Sparern etwas wegnimmt.

In Italien explodiert der Schuldenberg ebenfalls, im Mai um 20 Milliarden auf knapp 2,2 Billionen Euro. Das sind 138 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Zudem sind 0,03 Prozent auf Sparguthaben ja nicht so viel, also drei Cents auf 1.000 Euro. Man nennt das im Bürokratendeutsch übrigens Steuerharmonisierung. Ich würde es ja Enteignung nennen, wenn es nicht mit so viel Harmonie verbunden wäre.

Vielleicht ist diese Steuer auf spanische Spargelder auch nur ein Test für Europa. Wenn sich die Leute trotz ihres Temperaments nicht aufregen, dann könnte diese bahnbrechende Idee für staatliches Raubrittertum bald auch europaweit eingeführt werden. Und später wird der Prozentsatz dann langsam erhöht.

Dann gibt es ja auch noch den Internationalen Währungsfonds mit seiner Idee einer zehnprozentigen Abgabe auf alle Vermögen, wenn sich die Finanzen eines Staates verschlechtern, was absehbar ist. Also, liebe Sparer, künftig immer schön sparen und das Geld bitte auf dem Konto liegenlassen, dass es notfalls auch sofort zur Verfügung steht. Wer über keine Sparguthaben verfügt, der findet das super in der Hoffnung, er bekäme etwas vom Raubzug ab. Denkste!

Seit dieser Woche befindet sich Euroland in Jean-Claude Juncker-Hand. An dieser Stelle die Erinnerung, wie Politik am effektivsten funktioniert, einschließlich möglicher Abgaben in der Zukunft…

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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10 Kommentare auf "Eine Warnung?"

  1. FDominicus sagt:

    Ich nenne es auch Enteignung, aber heute darf ich erfahren die Buba will davon auch noch mehr haben (ich meine Enteignung). Die hätte kein Problem damit höhere Gehaltsforederungen zu sehen weil – Sie ahnen es – die Inflation zu niedrig wäre. Man sieht Enteignung kennt einige Euphemismen, aber das Ergebnis bleibt gleich – mehr Raub….

  2. FDominicus sagt:

    Schade gerade habe ich meinen Eintrag losgeschickt, da läuft mir das hier über den Weg:
    http://www.smbc-comics.com/?id=3426#comic

    Wundersam, oder nicht?

  3. cubus53 sagt:

    In der heutigen Zeit spielen die Nullen am Gipfel der Schuldenberge kaum noch eine Rolle. Um dies trotzdem nicht ausser Acht zu lassen, sind 0,03 Prozent von 1000 Euro 30 Cent.

    Was die Abgabe bewirken soll, bleibt rätselhaft. Man kann damit weder Schulden nennenswert abbauen noch Steuern harmonisieren.

    Es ist wohl eher ein Versuchsballon, den Leuten noch mehr in die Tasche zu greifen.

    Der spanische Finanzminister hat damit ein Versprechen gebrochen. Er bezeichnete im Rahmen der Zypern-Krise die Sparguthaben unter 100.000 Euro also unantastbar.

  4. Helmut Josef Weber sagt:

    Wer sein Geld in der Form von bunten Zetteln bei den Banken gehortet hat, weiß spätestens seit 2008/9, dass es ihm irgendwann an den Kragen, bzw. ans Konto geht.
    Die Leute sollten sich nun nicht beschweren, denn sie haben den Enteignern das Geld freiwillig zur Verfügung gestellt.
    Die Enteigner haben immer die Wahrheit gesagt und die Sparer auf die Enteignung vorbereitet (ja sogar angekündigt).
    Jetzt wird demnächst das Komma nach links verschoben.
    Wieder wissen es Alle und wieder werden die Sparer die bunten Zettel bei der Bank lassen.
    Schäuble wird sich freuen, wenn das Komma von 0,03, auf 0,3, 3,0 und dann 30% rutschen wird.
    Jeder dumme Hund ist da schlauer.
    Wenn ich den Hund einmal mit einem Stein geworfen habe, läuft er dann schon weg, wenn ich mich das nächste Mal bücke.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  5. bluestar sagt:

    @H.J. Weber
    Natürlich sind Hunde schlauer als die Masse. Warum ? Sie schauen kein Fernsehen, lesen keine Bild-Zeitung und besitzen noch den natürlichen Instinkt…

    VG nach Andalusien

    • Helmut Josef Weber sagt:

      Hallo bluestar.
      Wo Du mir Grüße nach Andalusien sendest, vielen Dank.
      Übrigens wird in Andalusien den Sparern schon seit 2012 jährlich 0,05% von Sparguthaben abgezogen.
      Viele Grüße
      H. J. Weber

  6. Skyjumper sagt:

    Auf deutschen Konten liegen rund 2.000 Milliarden Euro an Guthaben rum. Das machte demnach 600 Mill. € zusätzliche Steuereinnahmen sofern man das auch in DE einführen sollte. Da die Verwaltungsarbeit wieder mal bei den Banken hängen bleiben würde ist das doch ein nettes Zubrot für den Staat.

    Hier ne kalte Progression, dort ne PKW-Maut, um die Ecke eine Guthabensteuer………..das läppert sich.

    Und bei der Gelegenheit: Ich habe bisher noch keine Quelle gefunden die mir darüber Auskunft gegeben hätte wie diese Steuer gerechnet wird. Pro Jahr? Pro Quartal? Pro Monat? Weiß das einer der Leser hier, oder unterstellen wir nur alle, dass das pro Jahr gemeint ist?

  7. Lickneeson sagt:

    Schau an – wer hätte gedacht, das es überhaupt noch Spanier mit Sparguthaben gibt? Klar, das ist eine Enteignung, aber 0,03 % sind ja wirklich lächerlich. Da werden die Bürger doch an der Zapfsäule, beim Tabak , Soli etc blabla viel mehr und verlogener abgezockt. Und falls dann das „Komma nach links verschoben wird“, gibt es dazu im Vorfeld auch keine Meldung auf dem Ticker. Da ist das Geld Montags morgen einfach – weg.

    Die Geschichte mit Juncker und dem IWF ist viel erschreckender und realistischer. Ein frecher Lügner und ein eiskalter Monetenverein – wenn die sich einig sind gibts ein böses Erwachen.

    MfG

  8. Marko sagt:

    Wenn diese Enteignung = Steuerharmonisierung bedeutet,
    kann ich dann auch „meine eigene Steuer“ einfach „Steueroptimierung“ nennen? 🙂

    das sind alles kleine Tests die hier durchgeführt werden, Zypern, die 0,03% jetzt in Spanien.
    Und diese 10% vom IWF sind ja auch nicht aus der Luft gegriffen. Die wissen ganz genau, wo was zu holen ist, wie sie es holen und wie viel das sein wird.

    Wahrscheinlich steht auch schon der Zeitpunkt fest, an dem die Konten „gekocht“ werden !

    Und da seit gut 3 Jahren alle in deutsche Immobilien investieren, wird diese Besitzer dann auch ein Schlag treffen. Bisher erhöht man einfach ständig die Grundsteuer. Denn, wenn ein Haus erst mal steht, kann man sich da eigentlich gar nicht dagegen wehren…

    Ich frage mich jedoch, wie das mit Gesetzen, die „rückwirkend“ in Kraft treten, mit der rechtmäßigkeit aussieht?
    Im Studium (Vorlesung „Recht“), hat man relativ am Anfang beigebracht bekommen, dass sowas nicht wirklich „rechtens“ ist.
    Bestes Beispiel neben obigen, ist das mit den Krankenkassenbeiträgen auf Lebensversicherungen. Auch hier wurde nachträglich ein Gesetz geschaffen bzw. verändert (harmonisiert!)

    • Avantgarde sagt:

      Zunächst mal ist Spanien nicht Deutschland.

      Das Rüchwirkungsverbot in D gibt es aus gutem Grund – keine Frage.

      Ganz realistisch Betrachtet werden wir irgendwann zu einem Punkt kommen wo es nur noch schlechte Lösungen gibt. Ganz einfach weil es nicht mehr so weitergehen kann.
      Da sind 0,03% wirklich lächerlich.

      Ich persönlich würde im Krisenfall die Anleger einfach zu Miteigentümern machen.
      🙂

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