Eine Volkswirtschaft der Finanzwirtschaft

1. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Tivoli, New York – der amerikanische Boom kam in mehreren Schritten, finanzielle Stimuli waren der zweite Schritt.

Das dramatischste Ereignis auf dieser Stufe war der Dot.com Crash im Jahr 2000. Einige der höchstbewerteten dot.coms flogen aus dem Geschäft… und auch der Nasdaq-Index fiel tief und verlor 78% ihres Wertes.

Doch Greenspan kam noch mit weiteren Zinssenkungen um die Ecke… und so waren die amerikanischen Aktien bald wieder auf dem Weg nach oben.

Es war in diesem Zeitraum, dass die amerikanische Wirtschaft auszusehen begann, als habe sie stets einen Geldbeutel über dem Kopf. Ein beliebter Jargon dafür war, dass sie „finanziellisiert“ wurde.

Im Jahr 2002 hatte die Fed die Zinssätze auf 1% heruntergedrückt. Die Einzelhandelsumsätze schossen in die Höhe, weil die Haushalte mehr Geld ausgaben, als sie hatten für Dinge, die sie nicht brauchten und sich nicht leisten konnten.

Ein Großteil dieses Geldes erhielten sie, indem sie Eigenkapital aus ihren Häusern „herauszogen“. Auch das war Greenspans Werk. Er glaubte, dass die Senkung der Zinssätze zu einer wahren Flut an frischen Hypotheken führen würde.

So wie er es darstellte, sollte es das den Hauseigentümern erleichtern, „etwas von dem Kapital herauszuziehen, was über Jahre aufgebaut wurde“.

Und tatsächlich boomte die Hypothekenrefinanzierung, sobald die Geldpolitik gelockert wurde.

…Einkaufzentren und Wohnsiedlungen schossen im ganzen Land aus dem Boden.

…Firmen – insbesondere GE – änderten ihre Unternehmensmodelle, um sich diese billigen Kredite zu Nutze zu machen.

…und die großen Villen auf Long Island wechselten ihre Besitzer – von den Magnaten des Kommerzes und den Titanen der Industrie zu den Bankern und Hedgefonds Manager der Wall Street.

Die Flutwelle von Notenbank-Geld

Diese zweite Stufe des Booms endete im Jahr 2008, als die Immobilenblase platzte.

Dann begann eine noch groteskere Phase. In der dritten Stufe, wurde der Fluss von leichtem Geld in die Vereinigten Staaten zu einer Flutwelle. Von dem Tiefstand im Jahr 2009 bis zu dem Höchststand im Mai diesen Jahres, ist S&P 500 um 220% gestiegen… was noch mehr Fäulnis in der Wirtschaft auslöste.

Derzeit gibt es unter den Amerikanern knapp die gleiche Menge an Menschen, die „arbeitsunfähig“ sind, wie jene, die einen neuen Job antreten. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen, angepasst an die Inflation, fiel ab.

Und die größten Käufer amerikanischer Aktien wurden amerikanische Unternehmen!

Das war der Zeitpunkt, zu dem die Fed alle Heuchelei von einer sensiblen Finanzpolitik fallen. Stattdessen drückten sie die Zinssätze bis fast auf Null hinunter und hielten sie dort für die nächsten sechs Jahre.

Diese Stufe ist noch nicht vorbei…. doch es muss ein Ende geben.

Wann? Das kann man nie wissen.

Doch die neueste Schlappe auf dem Aktienmarkt war nur eine Warnung. Wir werden vermutlich einiges an Zauderei sehen…einen Aufschlag… einige Nervosität… aber keine Panik.

Die TV-Sprecher werden erklären, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Dass wir all das schon einmal gesehen hätten. Das Beste ist es, zu kaufen und daran festzuhalten. Das hat in der Vergangenheit immer funktioniert. Es wird wieder funktionieren… und so weiter und so fort.

Und dann, auf einmal, werden wir Tage erleben, an denen der Dow bei 1000 Punkten bleibt und das wird das Ende dieser dritten Stufe sein. Was dann?

Nun, dann wird Saint Janet zur Rettung angeritten kommen. Ich kann das Time-Cover schon vor mir sehen. Jeanne d’Arc auf einem weißen Pferd… mit den Zügeln in der einen und einem Banner in der anderen Hand.

Doch Moment mal… Dieses Mal wird es nicht so einfach.

Die Zinssätze sind bereits bei Null. Was will sie machen?

Sie unter Null drücken?

Im Augenblick ist der beste Schutz: Cash, Cash, Cash…

Cash ist König. Doch das wird sich ändern, wenn die Fed in Aktion tritt. Das wird der vierte und finale Schritt des großen Booms sein – wenn die Zombies und Cronies ihren Gegenschlag treffen… mit einem massiven Trommelfeuer der Inflation. Halten Sie sich fest!
Quelle: Kapitalschutz Akte
Eine Volkswirtschaft der Finanzwirtschaft (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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2 Kommentare auf "Eine Volkswirtschaft der Finanzwirtschaft"

  1. Insasse sagt:

    „Im Augenblick ist der beste Schutz: Cash, Cash, Cash…“

    Also in einem Umfeld, wo international regelrechte Währungskriege geführt werden und die Notenbanken ihr Pulver für weitere Rettungen von Banken und Staaten nahezu verschossen haben, bin ich von dieser Empfehlung nicht wirklich überzeugt. Zumindest sollte man die goldenen und silbernen Versicherungen nicht vernachlässigen oder wie man in der Börsensprache zu formulieren pflegt: nicht untergewichten. Cash ist auch o.k. Aber nur Cash, Cash, Cash…?

  2. FDominicus sagt:

    @Insasse.
    Kommt drauf an wie man Cash ansieht. Ist damit Geld gemeint? Dann ist damit Gold gemeint, denn Gold ist Geld. Alles was uns heute als Geld „vorgegaukelt“ wird ist, kein Geld das es „nur“ ein IOY ist. Mit nichts gedeckt außer der Gewalt des Staates und die kennt so gut wie keine Grenzen. Wir sind immer noch bei locker über 200 Mio Tote durch Aktionen von Staaten, sei es durch die Weltkriege der Nationen oder aber einfach nur die Ermordungen durch das eigene Regime. Und wenn man sich Sache mit den Flüchtlingen anschaut, geht es „munter“ weiter….

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