Eine Totenmesse für das Sparen

18. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Die Erfolge reißen nicht ab. Mit dem Überscheiten der 7000er Marke beim DAX beginnt der Aufschwung endlich, sich selbst zu überholen. Zwar ist er allein auf weiter Flur, doch wie an die große Liebe muss man an ihn nur fest glauben. Gleichzeitig nimmt auch die Zahl der schlimmer Krankheiten wie die des Sparens ab. Sparen als Seuche stirbt aus…

An seine Stelle treten jetzt Bescheidenheit, Demut und auch Wut. Stagnierende Löhne und steigende Preise öffnen ganz anderen Tugenden Tür und Tor. Sparen? Was ist das? Oma sagt, es ist ein Mehr von Weniger verbunden mit kleineren Ausgaben als Einnahmen. Kompliziert? Verständlich!

Im Niedriglohnsektor ist das Sparen schon überaus erfolgreich ausgerottet worden. 7,9 Millionen Jobs fielen 2010 in diesen Bereich. Und trotz boom-bastischer Rentenerhöhungen werden auch Rentner kaum noch unter Sparanfällen leiden. Wer es trotzdem nicht lassen kann, wirft seine Euronen gemeinsam mit anderen verbliebenen Sparern auf einen Haufen Papier und hofft, niemand kommt mit einem Streichholz daher. Allein 76 Milliarden Euro wurden so im letzten Jahr auf den Berg der kapitalbildende Lebensversicherungen gekippt, deren Manager dann Staatsanleihen kauften.

Die Rendite dieser Anlagen liegen weit unter der offiziellen Teuerungsrate. Selbst ohne Streichholz verbrennt Erspartes. Keiner bekommt es mit. Die Inflation hat alle Schlüssel für jedes Vermögen. Andererseits werden die Gewinne aus den spärlich verzinsten Anlagen ganz automatisch und komfortabel vom Finanzminister abgeschöpft.

Das arme Sparen. Es hat keine Chance. Es stirbt aus. Amen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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