Schneise der Schlagzeilen

4. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Und es kam, wie es kommen musste: Stress! Weltspartag, Reformationstag, geschlossene Börsen in den USA und Halloween oder Hello-Wahn – je nachdem. Dazu gab es wieder Süßes aus der Welt der Politik und Wirtschaftsdaten und Saures im realen Leben. Die einen beten. Die anderen feiern. Irgendwie auch an der Börse…

Und dann das noch: Zwei vorgezogene teure Wahlkämpfe lassen befürchten, dass CDU und SPD in Schleswig-Holstein wegen leerer Kassen unter den Rettungsschirm müssen. Und dann müssen sie sparen wie die Griechen.

Sparen? Was ist das? Bemühen Sie das Fremdwörterbuch. Oder fragen Sie die Kinder. Für sie war in dieser Woche Weltspartag. Erst wurden die Sparschweine geschlachtet – dann die Kürbisse. Ist es nicht herrlich, wie viele der Kleinen noch ans Sparen gewöhnt werden? Das ist gut, richtig und wichtig, wenn sie lernen, mit ihrem Taschengeld auszukommen. Später erst sollen sie erfahren, dass sie nur mit Shoppen reich werden und mit Krediten sowieso. So aber besteht momentan noch die Chance für die alten Spar-Erfahrungen, die sie den Eltern später ohnehin um die Ohren hauen werden.

Weniger auszugeben als man einnimmt ist heute für Millionen zur Kunst geworden, wenn die Preise schneller unterwegs sind als der Lohn. Doch solange es Schlangen vor Kaffeeketten und Anbietern von Mobiltelefonen gibt, sieht es statistisch noch ganz passabel aus mit dem Konsum. Die Statistik nach offizieller Lesart sorgt für Optimismus.

Früher brachte man Erspartes wegen doch noch üppiger Zinsen zur Bank. Heute lohnt sich das Sparen nicht mehr, obwohl Kinder auf ihre Konten ein paar Extra-Zinsen erhalten. Für die Bank sind die Kinder von heute die Kunden von morgen. Bleistift oder Malblock gibt es auch, wenn sie ihre Sparschweine mit Blech dort abliefern. Bitte sagen Sie Ihren Kleinen nicht, dass das, was sie ins Sparschwein stecken, Altmetall und schnöde Baumwolle ist. Lassen Sie ihnen bitte den Glauben, es wäre Geld. Sie werden früh genug erwachsen – und vielleicht sogar klug.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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Ein Kommentar auf "Schneise der Schlagzeilen"

  1. Lotus sagt:

    Ja Sie haben recht, Sparen ist immer gut. Nur, ob das wirklich so ist, dass Kinder ihr Spargeld zur Bank tragen, würde ich bezweifeln. Denn Banken haben in der Bevölkerung einen sehr schlechten Ruf. Abgesehen davon, dass inzwischen jeder weiß, dass es kaum bzw. keine Zinsen gibt. Die Lehman- und Kaupthing-Pleite sitzt wohl vielen Bürgern noch im Nacken, genauso wie Häuslekäufer und –bauer die Schrecken von Anlageversprechen in den Ruin brachten. Die vielen Skandale in Banken, deren Boni für Verfehlungen, Geschäfts- und Privat-Insolvenzen laden noch heute nicht gerade ein, Vertrauen aufzubauen und Gelder einzuzahlen. Nein, der Geruch des Abzockens steckt in vielen Nasen in der Bevölkerung. Der Trend, Banken zu meiden, ist gerade im unteren Mittelfeld (Mittelstand) anzutreffen. Ein Girokonto ja, aber keine Geld-Anlagen, kaum noch Konsum-Kredite und Versicherungsverträge. Auch wenn keine Statistik darüber informiert, stellt sie doch die Mehrheit dar, was Banken intern schon längst an Umsatzeinbußen spüren.

    Die Deutschen waren schon immer ein Volk des Sparens, nur halt nicht auf der Bank, sondern in Verwahrung der Eltern oder auf Sparbüchern (noch bis in die 90iger). Das war früher die Regel. Keine Aktien oder dubiosen Papiere.

    Auch Ihre Aussage, mit den Kaffeeketten-Schlangen (ziehen sich aus Deutschland zurück) und Mobilfunk-Geräten (die Käufer wohnen meist bei den Eltern) würde ich vorsichtig sein, davon einen gewissen Wohlstand abzuleiten. Die Täuschung ist wohl perfekt, wenn man die 10 % Millionäre in jede Statistik mit einrechnet. Das verfälscht und verzerrt jede Aussage über Durchschnitts-Gehälter, Sparvermögen und Wohlstandsanalysen. Wie wir heute wissen, reagiert der Staat dadurch immer zu spät. (Renten-Armut und vieles andere mehr)

    Am besten beobachtet man die Kaufkraft der Allgemeinheit in Discountern und Einkaufsburgen. Schaut man zu unterschiedlichen Zeiten auf deren Parkplätze, schaut nach Einkaufstüten, irritieren die errechneten Verkaufserlöse und Gewinnmitnahmen. Es ist nicht nachvollziehbar, wie diese Zahlen entstehen. Eher vermutet man, dass im nächsten Jahr etliche Filialen wohl schließen werden. Der Boom des Kaufens nach Lust und Laune ist meiner Meinung schon seit 2007 vorbei.

    Mein Rat, gehen Sie mal auf Trödelmärkte. Dort sehen Sie, wie knapp überall das Geld ist. Wer dort teuer ist, bei Alt- oder Neuware, geht leer aus. Ich selbst verkaufe dort seit Jahren und weiß, wie mühsam die Verhandlungen vorsich gehen.

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