Eine Frage an Ihren Bankberater

24. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wer keine Formeln mag fühlt sich beim Lesen von Finanzprospekten oft unwohl. Was aber schlau daherkommen soll und dem potentiellen Fondskäufer Respekt einflößen soll ist oft heiße Luft. Dennoch erfreut sich die Verkomplizierung des Einfachen großer Beliebtheit bei den Marketingabteilungen der Fondsanbieter…

Die wichtigsten Zahlen werden leider stets vergessen….

Der Netto-Beitrag, den die Fondsbranche ihren Kunden liefert lässt sich per Daumenpeilung abschätzen. Alle Fonds zusammen bilden in etwa den Markt ab. Davon ziehe man die Kosten ab und erhält das Resultat der Anleger. Diese erhalten also gemeinsam den Marktertrag und zahlen die Gebühren.

Die Verteilung der Zufriedenheit der Anleger hängt somit vor allem an der Verteilung der Erträge und an den Kosten. Letztere lassen sich sehr einfach eindämmen. Wer weiß, in was er investieren will, sucht sich die passende Struktur zum niedrigsten Preis heraus. Selbst daran scheitern aber viele Anleger, was vermutlich zu einem nicht geringen Anteil an Bequemlichkeit oder Desinteresse liegt.

Wer sich ohnehin, ob mit oder ohne Berater, für ein Produkt entscheiden muss, kann sich auch ein bisschen mehr Zeit nehmen und das günstigste heraussuchen. Der Effekt gesenkter Gebühren ist über die Jahre enorm wichtig und sollte nicht ignoriert werden. Der folgende Chart zeigt für einen Zeitraum von 30 Jahren den Verlauf zweier Portfolios, eines mit 1.5% jährlichen Gebühren, das andere mit 0,5%. Die Kurven sprechen für sich.

Zu immer noch teilweise grotesk hohen Gebühren für Mandate, die schlicht den Index mehr oder wenig gut abbilden gesellt sich oft noch der 5%ige Ausgabeaufschlag. Ein Anachronismus sollte man meinen, aber Sie glauben gar nicht, wieviele Menschen diesen unnötigen und für den langfristigen Ertrag enorm schädlichen Aufschlag immer noch zahlen.

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Es soll sogar Menschen geben, die für die Anteile an geschlossenen aber ehemals offenen Immobilienfonds fleißig monatlich weiter ihre Sparraten überweisen und die Fondsanteile zum Kurs der Kapitalverwaltungs-Gesellschaft (KVG) kaufen. Bei geschlossenen Fonds hat dieser Kurs aber nur eine rechtliche Relevanz und lag je nach Fonds nicht selten mehr als 25% höher als der Handelspreis an der Börse. Welche verschenkten Summen sich auftürmen konnten, wenn man jeden Monat zum Kurs der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) und nicht an der Börse gekauft hat, kann jeder leicht ermitteln. Viele Anleger ließen dennoch ihre Sparpläne nach der Schließung weiter laufen und kauften munter zum höheren Kurs der KVG. Fragen Sie doch mal nach, falls Sie einen Immbolienfonds-Sparplan besitzten. Die Antworten Ihrer so genannten Berater werden wir gerne an dieser Stelle veröffentlichen.

Alle Beratungsschwächen der Fondsverkäufer und die ebenso bemerkenswert Trägheit der deutschen Anleger bei der Prüfung ihrer Geldanlage werden von einer großen Enttäuschung überschattet. Diese resultiert aus dem nicht gehaltenen Versprechen einer Mehrheit der Fonds, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Dieses Anlageziel mag für den Normalbürger seltsam klingen, aber eine Mehrheit der Fonds hat nicht das primäre Ziel Gewinne zu erwirtschaften. Den Satz darf man ruhig zweimal lesen.

Die Mehrheit der Fonds messen sich an einem Vergleichsindex (Benchmark) und wollen besser als dieser sein. Das nennt man dann „outperformen“. Gerade Kleinanleger sind oft überrascht, dass ein Aktienfonds in der Baisse zu 100% in Aktien investiert ist. Das hat neben anderen Faktoren vor allem auch rechtliche Gründen. Es liegt an den Kunden, Produkte nachzufragen, die sich nicht an einem Vergleichsindex orientieren sondern am erwirtschafteten Ertrag und der gewünschten Flexibilität, die man dem Manager zugestehen will.

Generell ist das Vertrauen der Anleger in die Fondsgesellschaften nicht zu Unrecht gering. Während sich gerade die großen Gesellschaften regelmäßig mit lächerlichen Auszeichungen für nach vielerlei Maßstäben eher mittelmäßige

Leistungen in den Medien postieren, können Fondskäufer darüber nur lachen. Der Bullenmarkt bei den Aktien und Anleihen übertüncht viele Schwächen, es ist schlichtweg ein dankbares Umfeld für Fondsgesellschaften. Der eine oder andere Lautsprecher aus den Vorstandsetagen verstößt infolge des langanhaltenden Bullenmarktes schon gegen eine goldene Regel und verwechselt den Bullenmarkt mit guten Fähigkeiten.  Auch hier wird sich bei Ebbe zeige, wer nackt geschwommen ist.

Die lesenswerte alljährlich erscheinende Studie von S&P Capital Markets ist auch für das vergangene Jahr ernüchternd ausgefallen. Eine große Mehrheit der Fonds liegt über einen mehrjährigen Zeitraum deutlich hinter ihren Vergleichsindizes.

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Die Fondsperformance versteht sich sinnvollerweise nach anfallenden laufenden Gebühren. Da Ausgabeaufschläge nicht von jedem Kunden bezahlt werden, sind diese nicht Teil der Studie. Die Ergebnisse fallen also für einige Anlege noch schlechter aus. Sollten Ihnen Ihr Bankverkäufer in den kommenden Wochen mal wieder ein besonders tolles Produkt aus seinem Hause anbieten wollen, fragen Sie Ihn doch einmal, wie die Fonds bei einem realen Vergleich abschneiden. Die bekannten Hirnlos-Auszeichnungen, die von Medien vergeben werden, denen die Finanzbranche Werbegelder überweist sind nichts wert.

Wie sagte einst Klaus Kinski in seinen Talkshow-Auftritten: „How much? Das ist die Frage!“. So sieht‘ aus.

 

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2 Kommentare auf "Eine Frage an Ihren Bankberater"

  1. waltomax sagt:

    Der DAX wieder über 10 000 Punkten gehievt, der Dollar gegenüber dem EURO gestärkt, der Ölpreis angezogen und Gold heruntergeknüppelt.

    Das ist ja wirklich rührend!

    Und doch so vergeblich…

  2. Insasse sagt:

    Wenn man sich die Ergebnisse der abgebildeten Fonds so anschaut, kann man schon das kalte Grausen bekommen. Und das ist nur das rein nominelle Anlageergebnis. Der Anleger muss ja auch den Geldwertverlust (= Inflation bzw. Teuerung) in seine Rechnung mit einbeziehen, den er eigentlich zumindest mit seiner Geldanlage ausgleichen müsste. Bei einer angenommenen Inflation von jährlich 2 Porzent müsste eine Geldanlage (ganz vereinfacht gerechnet) nach 10 Jahren bei wenigstens 120 Prozent des Einkaufspreises stehen, damit man aus Geldwertsicht auf der Nulllinie bleibt. Von einem Gewinn ist da noch gar keine Rede. Liegt die Geldanlage aber sogar bei nur 76 Prozent des Ausgangwertes, muss dagegen schon von brutaler Geldvernichtung gesprochen werden. Nach Abzug von Inflation / Teuerung sieht es noch viel schrecklicher aus. Aber, wer mag über solche Nebensächlichkeiten schon gerne nachDENKEN? Hauptsache neben den Politkern und Versicherern, lebt eine weitere Branche bestens von VERSPRCHUNGEN AUF DIE ZUKUNFT. Ein Glück für die davon einzig profitierenden Parasiten, dass die Anleger nicht lernen, dass diese Versprechungen nie eingelöst werden.

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