Eine Fata Börsiana?

14. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Advent, Advent, der Ölmarkt brennt. Tanken und Heizen sind jetzt noch billiger geworden. Was macht man mit den nicht ausgegebenen Euronen?

Ein Auto, ein Haus und ein Boot? Vielleicht auch noch ein Pferd? Ach nein, davon erzählt man uns ja rund um die Uhr, vor allem an der Börse.

Im Moment ist schon wieder die Zeit der Prognosen für 2015 angebrochen. Es heißt wie alle Jahre wieder, man könnte wirklich zuversichtlich in die Zukunft blicken. Theoretisch zumindest. Deshalb werfen Sie besser alle Vorhersagen vorsorgtlich in den Papierkorb. Nichts ist sicher, außer den Kosten für Maut, Soli und Abgaben ans Finanzamt. Statt kalter Küche gibt es auch noch kalte Progression.

Öl hat in der letzten Woche 13 weitere Prozent nachgegeben. Ist der gefallende Ölpreis nun gut oder schlecht für die Börse? Die einen sagen so, die anderen so. Jedenfalls war das die Lieblingsaussage der Experten. Vor wenigen Tagen, als der DAX sein Allzeithoch über 10.000 Punkten Punkten erreichte, hieß es, billiges Öl heize der Börse ein und erst dem Konsumenten. Heute aber sagt man, das billige Öl belastet die Märkte. Ja was denn nun?

Im hochverzinslichen Anleihemarkt brennt es derzeit lichterloh wie auf den Adventskränzen. Werden die „Fracker“ bei diesen Ölpreisen ihre Zinsen bzw. Kupons bezahlen und ihre Anleihen bei Auslauf refinanzieren können? Man darf daran zweifeln.

Genauso wenig weiß man, ob der DAX in diesem Jahr zugelegt hat oder nicht. Komisch. Zwar stand er neulich an seiner Tafel so hoch wie noch nie, dennoch hat erstaunlicherweise kaum ein DAX-Mitglied neue Allzeithochs erreicht. Wie kann das sein?

Den deutsche Leitindex in seinem Lauf, halten heute weder Ochs noch Esel auf. Vor allem nicht die Dividenden. Als Performance-Index ist er mit keinem anderen Weltindex vergleichbar, da er durch Dividenden ziemlich aufgespritzt wirkt ist wie mancher Gesichtszug durch Botox. Der echte DAX hingegen, der Kursindex, notiert aber 24 Prozent unter seinem Hoch aus dem Jahr 2000. Diesen mit den anderen Indizes zu vergleichen, würde die Lage etwas genauer darstellen, statt den „falschen“ DAX zu Rate zu ziehen. Seltsam… Hauptsache, man hatte etwas zu feiern, als die 10.000er Marke fiel – eine börsentechnische Botox-Party.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten



Witzig, die eigene Kolumne in der echten Zeitung in Lübeck zu lesen 🙂

luebecker2014-12-14

 

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4 Kommentare auf "Eine Fata Börsiana?"

  1. Michael sagt:

    Für Noreco ist der Ölpreis nicht das Gelbe vom Ei. Angeblich wurden die Anleihen gewandelt auf Aktien und letztgenannte haben sich ausge… eh schon wissen – gebärt wie die Sau aber mächtig. Momentan Intraday auf 47% minus. Das ist ein frisches Lüftchen im kühlen Norden.

  2. Avantgarde sagt:

    Die Sache mit dem Performance-Index ist schon eine seltsame Besonderheit – der Euro Stoxx 50 ist da wohl etwas ehrlicher.
    Andererseits….wenn man sich den Dow so betrachtet….hätte der Performance-Dax bzw. K-Dax ja noch jede Menge Aufholpotential.
    🙂

    • Michael sagt:

      Ich habe mir das ganze mal angeschaut. Gegenüber S&P 500 Performance Index wäre noch Pontential da, aber auch die S&P 500 Performance hat ordentlich beschleundigt. Da sind hohe Gewinnerwartungen drinnen, zusätzlich zu den schon hohen vor der Beschleunigung. Ich hab mal DAX-K vs. S&P 500 und DAX vs. S&P Total Return analysiert und Äpfel mit Birnen verglichen. Aber die Entwicklung der Früchtchen war interessant nämlich relativ zueinander – d.h. das Abschätzen der Rosafärbung des Brillenglases. Die letzen Tage war der DAX vom DOW bestimmt … und das schon ein Weilchen.

      Ich habe die Zahlen jetzt nicht mehr parat im Detail. Das wäre im DAX sogar 1600 Punkte auf ca. 11,4k.

      Was im Moment passiert ist, dass der DAX-K auf den gleitenden Durchschnitt von 5 Jahren zurückgelaufen ist und sowohl DOW als auch DAX-K, die sind auf 5 Jahressicht am oberen Ende des Bollinger Bandes angekommen, jetzt im Schnitt und dann entscheidet sich geht es durch, dann wirds technisch im DAX-K eher lustig … vorher ist eher trotz Rückschlage mit neuen Facetten von rosa zu rechnen.

      Schauen sie sich mal. DAX und DAX K im Vergleich zu 2007/2008 und EUR an… Es ist eine ähnliche Formation allein ist das Zipferl der Korrektur im DAKX von damals heute auf höherem Niveau. Das ist der unterschiedliche EUR/USD … Warum das so ist weiß ich nicht. Mich beschleicht aber trotzdem der Verdacht

      • Avantgarde sagt:

        ähnlich wie 2007/8 – ja – könnte aber auch wie 2011 ausgehen und dann weiter hoch.
        Oder aber der wirklich große Knall ist im Anmarsch – was ich uns allen allerdings nicht wünschen möchte.
        Aber das ist wirklich Spekulation – ich halte all die Formationen ohnehin für zweifelhaft – aber natürlich handeln die Daddelmaschinen unter anderem auch danach – und deshalb hat es schon eine gewisse Berechtigung.

        Für Ölpreise von 60 Dollar und darunter werden weder die Fracker noch die Tiefseebohrer auf Dauer weiter machen – da bin ich mir jedoch ziemlich sicher.

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