Draghische Wochen

6. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Vor einer Woche erst verwandelte EZB-Chef Mario Draghi an den Börsen große Kursstürze in noch größere Speichelstürze. Am Donnerstag sollte die EZB liefern. Die Erwartungen waren hoch und die Eintrittskarten für eine Rallye mit defekten Autos und spektakulären Unfälle verteilt… 

Endlich etwas Neues im krisengeschüttelten Europa, dessen Sterne schon viel heller funkelten – wo Politiker tollpatschig Bremse und Gaspedal verwechseln und nach den Wegen suchen.

Aus Marios großer Bazooka kam vorerst nur ein Blubb und kein Startsignal für unbegrenzte Gelddruckerei. Aber später. Der Schuss ging ins Wasser. Die Kugel landete bei Frau Merkel auf dem Schreibtisch, die gerade im Urlaub Schuldenberge erklimmt.

Europa bleibt verrückt. Politiker sparen und geben gleichzeitig Geld aus. Aus den Lautsprecher tönt, alles bliebe besser. Was kann schon schief gehen? Alles.

Unterdessen arbeitet eine Achse im Süden daran, Frau Merkel von ihrem Glück zu überzeugen. Kippt sie wieder um? Wer weiß… Ach, hätten doch unsere Politiker die Papiere vorher gelesen, denen sie zugestimmt haben. Dann müssten sie jetzt nicht so laut erklären, dass sie gar keine Schuldenunion möchten, welche sie aber beschlossen haben und in welcher die knöcheltief inzwischen feststecken. Und der Süden regiert stimmenmäßig die ganze EZB. Das wird ein Fest, sagte der DAX.

Draghi sagte, es wäre sinnlos, gegen den Euro zu spekulieren. Deshalb mache ich das und kaufe wieder etwas Gold gegen den Euro. Gold ist der Gegenspieler der Zentralbanken und der Schutz vor dem Unsinn der Regierungen. Auch wenn es heißt, man könne mit diesem Blech nichts anfangen. Richtig. Für 90 Prozent der Zeit ist es völlig nutzlos. Diese Phase scheint aber längst schon abgelaufen zu sein.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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