Eine Bank und ihr bizarres Amazon-Produkt

25. Januar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von  Bankhaus Rott

Wer denkt seit den ersten Krisenjahren gäbe es keine strukturierten Produkte mehr  wird regelmäßig eines besseren belehrt. So konnte unlängst die Deutsche Bank eine Struktur im Volumen von 21,2 Millionen Dollar unters Volk bringen. Der Basiswert: Amazon …

In der vielzitierten Renditewüste ist der Durst einiger Anleger offenbar zu groß, um sich vor dem großen Schluck aus der Pulle über die Wasserqualität zu informieren. Anders ist es der Run auf alles was intransparent, teuer oder beides ist nicht zu erklären. Wie in den besten Kaufhauszeiten stürzen sich Investoren auf den Renditewühltisch und reißen den Banken die einst kurzzeitig geschmähten Papiere aus den Händen.

So schafften es die Vertriebler dieses Mal ein strukturiertes Papier mit dem Basiswert Amazon aufzulegen und dabei ein Volumen unters Volk zu bringen, dass laut Bloomberg den höchsten Wert seit vier Jahren bedeutet. Warum sich jemand um das Papier reißt steht in den Sternen, aber jeder mag selbst beurteilen, ob die Eigenschaften ansprechend sind oder nicht.

Das Produkt trägt einen Namen im üblichen Branchensprech. Vermutlich soll sich der Anleger hinter der Bezeichnung „Step Income Securities“ ein von quasi außerirdischen Intelligenzen zusammengeschraubtes Konstrukt vermuten, deren Sicherheit nur noch von der Rendite übertroffen wird. Wie immer verbirgt sich hinter dem vermeintlich komplizierten eine sehr einfache Struktur, die zu folgenden Features führt.

  • Die Laufzeit beträgt ein Jahr.
  • Der jährliche Zins beläuft sich auf 8%, die Ausschüttungen erfolgen quartalsweise.
  • Liegt der Kurs der Aktie des Onlinekaufhauses am Ende der Laufzeit mindestens 8% über dem Kurs zu Beginn der Periode so fällt eine schier unfassbare Sonderzahlung von 4,25% an.
  • Fällt die Aktie unter den Startpreis so trägt die Verluste der Anleger komplett. Fällt beispielsweise die Aktie um 50%, erhält der Anleger zwar seine Zinsen, verliert aber die Hälfte seines Einsatzes.
  • Bei dem Papier selbst handelt es sich um eine unbesicherte Anleihe der Deutschen Bank mit den entsprechenden Ausfallrisiken.
  • Das Papier wird nicht an einer Börse gelistet, die Liquidität ist dementsprechend nicht gewährleistet.

Diese Angaben erfolgen natürlich ohne Gewähr, jeder kann sich im Prospekt nach den genauen Bedingungen erkundigen (STEP Income Securities® Linked to the Common Stock of Amazon.com, Inc., CUSIP 25155G625).

Warum ein Anleger dieses Papier kaufen sollte ist uns nicht klar, aber da wir keine Investmentratschläge erteilen wollen, wollen wir ganz neutral einen Blick auf eine Alternative werfen. Diese Alternative möchten wir ebenfalls ganz und gar nicht empfehlen, sie soll natürlich nur der Anschaulichkeit halber Erwähnung finden.

Angenommen ein Anleger glaubt, Amazon steht in einem Jahr dort wo sie heute stehen oder höher. Dann kann dieser Anleger sein Geld für ein Jahr festlegen (respektive liquide als Margin bereithalten) und einen Put auf Amazon schreiben (short put). Eine entsprechende Option mit einer Laufzeit von einem Jahr notiert derzeit bei rund 47 Dollar, macht also einen Puffer von rund 11,75%. Das ganze gibt es sogar upfront und ohne Kreditrisiko der Deutschen Bank. Aber wie gesagt, vielleicht ist das Ganze sowieso eine nicht sonderlich schlaue Idee …

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Zum Basiswert wird derzeit viel geschrieben. Wenn sich so viele Menschen für Drohnen und strukturierte Produkte auf Amazon interessieren, mag der eine oder andere vielleicht auch mal einen Blick auf das Geschäftsmodell werfen.  Wir haben daher der Einfachheit halber die Entwicklung der kumulierten Umsätze und Gewinne von Amazon, Ebay und Wal Mart zusammengestellt. Falls sich der eine oder andere Netzfreund fragen sollte, was Wal Mart in der Aufzählung zu suchen hat… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Eine Bank und ihr bizarres Amazon-Produkt"

  1. MH sagt:

    Das Problem mit der Dummheit ist, dass sie nachwächst. Wer sich bei der letzten Finanzkrise mit strukturierten Produkten ruiniert hat, hat das vermutlich nicht an die große Glocke gehängt und wer heute so etwas kauft, hat von der Finanzkrise vermutlich nicht so viel mitgekriegt.

    Gier frisst Hirn? Sicherlich, aber auch andere Faktoren wie Selbstschmeichelei und Eitelkeit dürften hier eine große Rolle spielen, vielleicht auch manchmal etwas Größenwahn. Das Gefühl, schlauer und raffinierter zu sein als andere und einmal am ganz großen Rad drehen zu dürfen.

    Wie anders ist es zu erklären, dass Anleger Menschen ihre gesamten Ersparnisse anvertrauen, die sie kaum kennen, die aber mit den wundervollsten Versprechungen locken? Oder Betrüger wie Madoff, die mit einem System das Geld der Anleger ergaunern wollen, bei dem von vornherein das Ende absehbar ist? Das ist schon eine ganz besondere Psychologie.

  2. bluestar sagt:

    Genauso ist es. Und wenn es schief geht wird die Schuld natürlich bei jenen gesucht, denen man blind vertraut hat. Und dann folgt der Ruf nach dem Staat, der die armen Anleger durch mehr Regulierung und Kontrolle schützen soll.
    Wundervollste Versprechen werden auch in Zukunft bei kleinen Kinder und bei
    vielen Erwachsenen nicht die Wirkung verfehlen, weder bei Geldanlagen noch in der Politik…

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