Ein vernünftiger Zentralbanker?

18. Februar 2014 | Kategorie: Gäste

von Bill Bonner

Der Anleihenmarkt in den USA macht sich Sorgen, dass sein größter Käufer – die Fed von Janet Yellen – einknicken wird….

Ansonsten wurden die Aktienkurse in den USA dadurch beflügelt, dass der Kongress einer Erhöhung der Schulden-Obergrenze zustimmte, ohne Bedingungen, bis zum nächsten Mal…

Und dann machte Janet Yellen ihr Debüt als Fed-Vorsitzende auf dem Capitol Hill, als ihr vom republikanischen Kongressabgeordneten des souveränen Staates Texas, Jeb Hensarling, diese Frage gestellt wurde:

„Sind Sie eine vernünftige Zentralbankerin, und wenn nicht, wann werden sie eine werden?“

Das war eine Herausforderung, welche auf einer Aussage Yellens aus dem Jahr 1995 beruhte, wo sie anmerkte, dass eine vernünftige Zentralbank Formeln folgt…und transparenten Regeln…statt ad hoc Entscheidungen zu treffen.

Yellen antwortete, ja, sie sei vernünftig und ja, eine Zentralbank solle transparenten Regeln folgen…

…aber sie würde das weiterhin festlegen, während sie voranschreitet. Christian Science Monitor berichtet:

„Seit über einem Jahr hat die Fed (…) gesagt, dass sie nicht über einen Anstieg der kurzfristigen Zinsen nachdenkt, solange die Arbeitslosenquote nicht unter 6,5% gefallen und die Inflation nicht über 2% gestiegen ist. Heute, wo die Arbeitslosenquote auf 6,6% gefallen ist, sagen die Fed-Offiziellen inklusive Yellen, dass die 6,5% Rate kein `Auslöser für steigende Zinsen sei.“

„In der Praxis bedeutet das, dass Yellen dem Gesetzgeber gesagt hat, dass sie sich eine Reihe von Arbeitsmarkt und Inflationsdaten anschaut, um zu bestimmen, wann die Zinsen erhöht werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Fed an ultraniedrigen Zinsen festhalten wird, weit über die Zeit hinaus, wenn die Arbeitslosenquote unter 6-6,5% fällt, sagte sie in einem schriftlichen Statement, welches für die Anhörung vorbereitet worden war.“

Also, QE kann weitergehen…

Manna vom Himmel

Es sieht so aus, als ob der Finanzautor Richard Duncan Recht hatte. Er sagte uns, dass die Fed die amerikanischen Kreditbedürfnisse „überschüssig anfeuern“ würde, und dass dies die Aktienkurse beflügele.

Es sollte genug da sein, um den Aktienmarkt in der ersten Hälfte 2014 weiter steigen zu lassen, sagte er. Aber wenn die Fed an ihrem Programm der Rückführung von QE festhält, dann muss man aufpassen.

Diese Quelleist wie Manna vom Himmel. Keine Hand hat es verdient. Kein Tropfen Schweiß war dafür notwendig..

Vor fünf Jahren war ich sicher, dass die Fed ihre Bilanz nicht auf 4 Billionen Dollar erhöhen könnte, ohne gravierende Konsequenzen. Aber Monat für Monat vergeht ohne solche negativen Konsequenzen….und noch nicht einmal ein Mast der negativen Konsequenzen ist am Horizont sichtbar…was soll ich da denken?

Als die globale Finanzkrise 2008 eintrat, da klang meine Prognose wie ein Reiseplan: Erst Tokio, dann Buenos Aires.

Ich meinte damit, dass die US-Wirtschaft in eine Periode der Schulden-Rückführung eintreten würde, wie Japan zu Beginn der 1990er. Rückzahlungen, Abschreibungen, Pleiten – das würde ein langer und harter Prozess werden, dachte ich. Wenn es vorbei sei, dann würden wir eine Periode der Inflation erhalten, vielleicht sogar Hyperinflation. Dies würde auf eine von zwei Arten eintreten.

Wenn das Entschulden vorüber sei, würden die Leute wieder beginnen, Schulden zu machen und Geld auszugeben. Das würde die Geldmenge erhöhen – möglicherweise sehr schnell, wegen der ultralockeren Geldpolitik – und die Konsumentenpreise stark steigen lassen.

Oder verzweifelt und ungeduldig, die alten Zeiten wiederzubeleben, könnte die Fed auf direkte monetäre Stimulierung zurückgreifen (der Art, Geld aus dem Helikopter zu werfen).

Die Fed hat sicher einen Plan für alle Möglichkeiten. Ein vernünftiger Zentralbanker würde so handeln. Aber trotz dem, was Yellen dem Gesetzgeber gesagt hat, sind wir in einer Zeit der ad hoc monetären Experimente. Wir sollten nichts ausschließen.

Die US-Konsumentenpreise – offizielle Daten – sind in den letzten 12 Monaten um 1,5% gestiegen.

Volkswirte machen sich nicht zu viele Sorgen über Inflation – sondern über deren Ausbleiben.

Wir sind immer noch in Tokio, nicht Buenos Aires.

 

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