Ein Tusch auf den statistischen Pfusch

21. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Wie fühlt sich eigentlich ein Aufschwung an? Hart! Ich merke es derzeit an der Menge und Tiefe der Schlaglöcher. Der Start ins Jahr war offenbar und entgegen aller Erwartungen verhalten. Inzwischen hat der DAX alle Gewinne abgegeben. Doch es kommt noch viel besser!

Schon kommen neue Gutachten führender Wirtschaftsinstitute ans Tageslicht wie Krokusse im Frühlingswind. Achtung! Eine Warnung vor einem starken Aufschwung! Plus 0,8 Prozent für 2012 und 2013 brummt es richtig – in den Schlaglöchern. Was bedeutet eigentlich „führend“? Die Anzahl der Korrekturen aller Prognosen?

Die Experten sehen einen ausgeglichenen Haushalt. Wenn nichts dazwischen kommt – und je nach Berechnungsart. Mit viel Wind und Tamtam wurde 2012 offiziell einen Überschuss im Staatshaushalt ausgewiesen. Herrlich! Und erstaunlich zugleich… Der Überschuss kommt nur zustande, wenn man einige Posten wie EU-Hilfen großzügig übersieht. Brutto stiegen die Schulden um 81 Milliarden Euro auf 2,2 Billionen. Macht nichts. Sogar Starökonomen verrechnen sich.

Die viel beachtete, umjubelte und bestaunte Studie von Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart über den Zusammenhang von hoher Staatsverschuldung und schwachem Wachstum ist Pfusch. Ein Rechenfehler. Deswegen hat die Eurozone zu viel gespart? Oh weia, wie peinlich. 

Soweit zu sehen war, liegen die Staatsausgaben der Euroländer trotz aller Sparerei auf Rekord.

Wissen Sie, ich liebe Studien. Sie halten einen vor den Schlaglöchern vor der Haustüre ab. So stolperte ich über eine Studie aus Großbritannien, wonach Affen die besseren Fondsmanager sind. An der Börse treffen sie bessere Entscheidungen als die Experten. Das sollte in der Branche für Aufhorchen sorgen und Kosten senken helfen.

Überlassen wir den richtigen Affen doch das Ruder. Etwas Obst und Gemüse, ein gemütlicher Schlafplatz und Streicheleinheiten sollten billiger sein als überzogene Gehälter und Boni und das öffentliche Ärgernis – also Bananen statt Boni…

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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3 Kommentare auf "Ein Tusch auf den statistischen Pfusch"

  1. Avantgarde sagt:

    Die Sache mit den Äffchen ist in der Tat eine sehr interessante Geschichte!

    Es gab den amerikanischen Affen Adam Monk und soweit ich weiß auch ein russisches Gegenstück mit ähnlichen Erfolgen namens Lusha.

    Für Adam Monk ist seine Performance gegen den Dow verbürgt.

    Adam Monk vs. Dow:
    2003: +37 vs. +25
    2004 +36 vs. +3
    2005 +3 vs. +0,6
    2006 +36 vs. +16
    2007 +3,1 vs. +6,4
    2008 -39 vs. -33

    Nun bräuchte man freilich einen längeren Verlauf – und der Affe war auch immer besser.
    Aber bemerkenswert ist es dennoch.

    Nachzulesen
    http://www.ftd.de/panorama/vermischtes/outofoffice/:weekend-monkey-business/459439.html
    (Schade um den Verlust dieses Blattes übrigens)

    Vielleicht ist die Erkenntnis auch, daß man trotz aller Akademischen Grade und jahrelangem Erfahrungsschatz letztlich doch nur im Casino spielt; und vor allem nicht alle Eier in einen Korb legen sollte.

    Die Märkte, die immer den „richtigen“ Preis festlegen sind eine Mär.
    Und es gewinnt auch nicht der, der das beste Produkt gekauft hat, sondern der, der am besten vorausahnen kann was der andere zu zahlen bereit ist.

  2. Michael sagt:

    🙂 Das sind verführende Experten. Man höre sich an was sie sagen man kennt die Statistiken 1,5 bis 2 Monate zuvor.

    Aber Frank Meyer – Schulden die keiner mehr zurückzahlen kann sind kein Problem um das man sich Sorgen machen muss. Was nicht mehr geht geht nicht mehr und um Probleme kümmert man sich wenn sie da sind. Aber wer jetzt frohlockt – die Investoren wollen eh nur die Zinsen – stimmt. Was glaubt der Mensch ist das Äquivalent zu den Staatsschulden?

    Aber der Euro ist jung und vital, dazu Musik
    http://www.youtube.com/watch?v=hDOJPHJPsiw
    (Metropolis AMV- „Alejandro“ by Lady Gaga)
    Sollten die Contentwächter übereifrig sein.

    Erholsamen Sonntag!

  3. crunchy sagt:

    Jo, ich mag die augenfälligen Beiträge in den Lübecker Nachrichten.
    Immer geben sie einen augenzwinkernden Hinweis auf die Realität.
    Nur, das mit dem Affen und dem Menschen ist so neu, wie mit dem Charakter und dem Schwein.

    Qui Bono(Affe) fragte mich, weshalb Reinhart/Rogoff(Menschchen) erst diese Handlungsweise vorgeben durften und danach die Überprüfung zugelassen haben, die dann die Manipulation aufdeckte?
    Mein Freund, Id Est(Klugschaaf), blieb da cool: Die lügen, wie gedruckt, damit man nicht merkt, dass die drucken, wie verruckt!
    Man muss das System solange am Leben erhalten, bis man möglichst alle Schäffchen (Schaafe u. Äffchen) im Trockenen hat.

    Mensch, sind wir dumm:
    Wir haben weder Charakter noch Schwein.

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