Ein Tag für die Geschichtsbücher

19. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Kurz vor dem Wahnsinn wird es oft nochmal richtig lustig. Am Dienstag fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ins Negative. Danke EZB!

Finanzminister borgen sich Geld für Umme und bekommen Geld fürs Schuldenmachen. Umgekehrt zahlen Investoren und Dummköpfe Geld, wenn sie Geld verborgen. Während Banken für Zinsmanipulationen Milliardenstrafen zahlen, fummelt die EZB ungeniert an den Zinsen und Renditen herum.

Versicherer und Pensionsfonds sind gesetzlich verpflichtet, einen Teil der anvertrauten Spargelder in solche Papiere anzulegen. Die garantierten Verluste werden später die Sparer enttäuschen, während Berlin durch die gesunkene Zinslast schwarze Nullen feiert und später Versicherungen retten muss.

Laut Umfragen sparen die Leute weniger. Wozu auch? Wer keine Kohle hat, kann sich ja Geld immer billiger borgen. 99 von 793 Banken zahlen Sparern keinen Guthabenzins mehr. Was werden Sparer demnächst bei Strafzinsen für Guthaben tun? Demonstrieren? Nicht doch! Die Bildungsindustrie hat doch längst dafür gesorgt, dass Mathematik inzwischen zu den Grenzwissenschaften gehört. Wer regt sich denn über 0,01 Prozent Strafzins auf, wenn er bislang die Geldentwertung durch Inflation so gelassen hinnahm?

Glaubt man Experten, soll man auf Aktien setzen. Ich meine ja: Verachtet nicht das Gold, denn das ist noch da, wenn alles andere und auch die Verantwortlichen für dieses Geldexperiment weg sind.

Diese „Rettungs-Politik“ ist wohl die Grundlage für die nächsten Blasen am Finanzmarkt und eine noch größere Krise, von der keiner weiß, wie sie je bezahlt werden soll. Die Zukunft kommt auf jeden Fall, soviel zumindest ist sicher und das Selbstmordprogramm der EZB wirkt doch tadellos. Denn wenn Geld heute keinen Preis durch den Zins hat, ist es später auch kein Geld mehr.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

Schlagworte:

2 Kommentare auf "Ein Tag für die Geschichtsbücher"

  1. Paul Mueller sagt:

    Ach Herr Meyer,
    sind sie doch nicht immer gänzlich so negativ. Schauen sie sich doch mal um, alles läuft bestens.
    Die Autos werden immer dicker, Häuser werden zu 100% auf Kredit gekauft wie nie zuvor,… die Löhne steigen gewaltig und der Export brummt wie ein Hornissenschwarm. Wir werden wieder Europameister und die Briten mögen eben Sarkasmus… alles bleibt wie es ist auch wenn Mario die Walzen hochdreht und vier Nullen noch dranhängt, pro Tag versteht sich. Aldi und Co sind gefüllt bis zum Anschlag und Bier gibts fast schon für umme. Da juckt es auch niemand wenn im Osten ein bisschen Konflikte gewaltätig ausgetragen werden, … und die Flüchlinge, wo sind die?
    Ach, da war noch der Terror… wo bleibt er denn nun?…Hat man wohl vergessen zu aktivieren.
    Alles läuft wie immer…

  2. JayJay sagt:

    Das schöne ist, der Übergang vom Biedermeierschlaf 2.0 zu 3.0 funktioniert problemlos, bei den meisten Bürgern. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.