Ein Tänzchen auf dem Pulverfaß

6. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Volker Schnabel

Die Erwartungen, dass die europäische Wirtschaft im Jahr 2013 weiter schwach bleiben würde, haben sich im ersten Halbjahr bestätigt. Während sich Deutschlands Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2013 wieder stabilisieren konnte, sorgte die in Europa insgesamt bereits seit mehreren Quartalen andauernde Rezession dafür, dass die Arbeitslosigkeit hier neue Rekordhöhen erreichte (EU27: 26,4 Millionen Arbeitslose). 

„Sie sagen, Zeit ist Geld.

Allerdings sagen sie nicht, dass dem Geld bald die Zeit ausgehen könnte.“

(PIMCO Investment Ausblick 02.2013)

Aber auch in den USA, welche ihr BIP-Wachstum zuletzt von 2,4 % auf 1,8% p. a. herunterschrauben mussten, ist am Arbeitsmarkt nicht wirklich eine Besserung zu entdecken. Zwar ist die Zahl der offiziell Arbeitslosen auf 11,8 Millionen gefallen, doch täuscht diese Entwicklung über den wahren Zustand der Beschäftigungssituation hinweg. So liegt die Erwerbsquote mit derzeit 63,4 % nur marginal über den im April 2013 erreichten Tiefstständen !

Wirtschaftlich besonders enttäuschend entwickelten sich aber die als Hoffnungsträger geltenden Emerging Markets, die die Wachstumserwartungen – allen voran China – nicht erfüllen konnten. Trotz (oder wegen) der inzwischen bereits fünf Jahre andauernden beispiellosen Interventionen von Regierungen und Notenbanken ist vom viel beschworenen selbsttragenden Aufschwung in der Weltwirtschaft noch immer nichts zu sehen !

Die Bemühungen von Politik und Notenbanken, den wirtschaftlichen Problemen mit einer immer höheren Dosierung derselben Mittel – steigende Verschuldung und Verschlechterung des Geldwertes – zu begegnen, erfuhren in diesem Umfeld ihre Fortsetzung. So pumpt die US-Notenbank Fed seit September letzten Jahres im Rahmen ihres bereits dritten „Quantitative-easing“- Staatsfinanzierungs-Gelddruckprogramms aktuell Monat für Monat 85 Mrd. USD in die Märkte, während das in Relation zur US-Wirtschaft dreimal kleinere Japan imApril verkündete, bis 2014 fortan monatlich mindestens (umgerechnet) 75 Mrd. USD zur Lösung sämtlicher Probleme drucken zu wollen!

Man kann nach dieser geldpolitischen Harakiri-Maßnahme Japans eigentlich nur zu einem Fazit kommen: Die drittgrößte Industrienation der Welt ist mit einer Verschuldung von über 1.000 Billionen Yen und einem Schuldendienst von aktuell 22,2 Bio. Yen, der bei absoluten Niedrigzinsen heute bereits über 50 % der Steuereinnahmen (43,1 Bio. Yen) verschlingt, schlicht und ergreifend … pleite !

Allen ungelösten wirtschaftlichen Problemen zum Trotz sorgten die „Blütenträume“ der Not(en)banken an den Finanzmärkten weiter für Begeisterung; einige Anleihe- und Aktienmärkte konnten im ersten Halbjahr temporär sogar neue Höchststände verzeichnen. Wie sehr die „Märkte“ inzwischen aber von der Droge des billigen Geldes abhängig geworden sind, zeigte sich an der Tatsache, das bessere Nachrichten von der Konjunkturfront eher für Verunsicherung sorgten, während schlechte Nachrichten in der Erwartung auf immer mehr „Spielgeld“ um so ausgiebiger gefeiert wurden

Die vagen Andeutungen des US-Notenbankchefs Bernanke, unter Umständen bei verbesserter Konjunkturlage irgendwann einmal vielleicht etwas weniger Geld drucken zu wollen, genügten so bereits, um teils heftige Korrekturen in sämtlichen Assetklassen auszulösen. In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld erlitten – allen Gelddruckorgien der Notenbanken zum Trotz – die bisher als sicherer Hafen geltenden Edelmetallmärkte einen Einbruch von historischer Dimension… 

Gold verzeichnete innerhalb weniger Tage einen der größten Preisstürze der Geschichte und fiel seit Jahresbeginn um 26 %, das Industrie- und Edelmetall Silber um 35 %, während viele Edelmetallaktien sogar um über 50 % einbrachen. Aufgrund ihrer Edelmetall-Fokussierung verzeichneten daher sowohl der M & W Capital als auch der M & W Privat im ersten Halbjahr deutliche Verluste.

Der knapp oberhalb des Ausgabepreises notierende M & W Capital, dessen Edelmetallminenaktienquote inzwischen rund 39 % des Portfolios ausmacht, verlor im ersten Halbjahr 20,7 %.Der M & W Privat büßte 21,2 % ein, woraufhin sich Anlageerfolg seit Auflage auf 11 % reduzierte.

Als Reaktion auf die stark fallenden Preisnotierungen und vor allem auf das immer fragiler werdende fundamentale Umfeld an den Finanzmärkten haben wir auch im M & W Privat im ersten Halbjahr 2013 unsere Investitionsquoten in Edelmetallaktien sowie in den Edelmetallen sukzessive von 16% auf 22% bzw. von 30% auf 43% weiter erhöht. Damit haben wir in beiden Fonds wieder eine ausgeprägte Fokussierung auf eine Asset-Klasse – Edelmetalle – bzw. einen Sektor – Edelmetallminenaktien – umgesetzt, wie wir sie allerdings in noch ausgeprägterer Form auch schon in den Krisenjahren 2000 und 2007 (nahezu 100 % Cash) und 2003 (nahezu 100 % Aktien) in den Fonds auswiesen – heute wie damals als Reaktion auf die von den Notenbanken produzierten und später geplatzten Finanzblasen! (Seite 2)

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