Ein Schock kommt selten allein

14. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Was hat es mit der Furcht um eine durch den Fiskalpakt ausgelöste deflationäre Schuldenfalle auf sich? Sie ist insofern unbegründet, als es erst gar nicht zum Fiskalpakt in der von Deutschland gewollten strengen Form kommen wird. Vielmehr werden Politiker, Zentralbanker, EU-Bürokraten, der Internationale Währungsfonds und jene, die gern von den Medien zitiert werden wollen, das Thema lediglich mit allen erdenklichen Meinungsäußerungen zur eigenen Profilierung nutzen. Auf den Punkt gebracht: kein Fiskalpakt, keine Schuldenfalle.

Wovor wir uns allerdings bis auf Weiteres wirklich fürchten müssen, ist die schleichende Deflation. Warum, lässt sich am besten durch den Vergleich mit der Inflation erklären: Während es bei Inflation einen Gewinner (den Schuldner) und einen Verlierer (den Gläubiger) gibt, ist der Gläubiger im Fall der Deflation nur so lange der Gewinner, wie der Schuldner zahlen kann. Doch sobald dieser zahlungsunfähig ist, was bei Deflation ja schnell passieren kann, wird der Gläubiger zum Verlierer.

Derzeit bekämpfen die Zentralbanker die Deflation mit einer äußerst expansiven Geldpolitik. Deren Ende ist längst noch nicht abzusehen. Allein schon die kleinste Andeutung von Seiten der EZB oder der Fed in den USA, die Expansion der Geldmenge zu drosseln, würde unvorhersehbare Folgen für die Wertpapier-, Devisen-, Edelmetall-, Rohstoff- und Immobilienmärkte haben. Also wird – im übertragenen Sinn – weiter Geld gedruckt.

Die Märkte spiegeln diese Entwicklung wider, was sich in der Vorliebe der Anleger mal für die eine, mal für die andere Anlageklasse äußert. Zuletzt waren in erster Linie Aktien an der Reihe, speziell in Deutschland auch Wohnimmobilien, demnächst werden es nach mehrmonatiger Unterbrechung wieder Edelmetalle sein. Diese Entwicklung mit wechselnden Favoriten wird so lange anhalten, wie die Zentralbanken bei ihrer aktuellen Geldpolitik bleiben.

Besondere Beachtung sollten Sie einem Phänomen schenken, das die EZB „künftige Schocks“ nennt: Ereignisse, von denen man nur ahnen kann, dass sie an den Märkten erhebliche Unruhen auslösen werden, ohne deren Ausmaß und den Zeitpunkt ihres Eintritts zu kennen. Erinnert sei hier nur an den Börsenkrach vom 19. Oktober 1987, an die Terroranschläge vom 11. September 2001 und an die Pleite der Bank Lehman Brothers vom 15. September 2008.

Schocks bieten Kaufgelegenheiten, aber größtenteils mit Verzögerung: Während sich beispielsweise amerikanische Aktien unmittelbar nach dem 1987er Börsenkrach erholten, brauchten deutsche Aktien dafür einen monatelangen Anlauf. Viel ausgeprägter war der Time lag nach den Anschlägen von 2001: Eineinhalb Jahre, bis die Aktienkurse wieder stiegen, während die Edelmetallpreise eine Sonderentwicklung durchmachten. Nach der Lehman-Pleite waren es immerhin drei bis vier Monate, bevor Aktienkurse und Edelmetallpreise sich erholten.

Die Lehre aus vergangenen und die Vorbereitung auf kommende Schocks bedeutet: Halten Sie neben Ihren Edelmetallbeständen und Aktien einen Teil des Pulvers trocken, also genug Tagesgeld vor, um später günstige Einstiegspreise bzw. -kurse für Käufe oder Nachkäufe zu nutzen. Wobei es durchaus möglich ist, dass speziell Gold auch mal zum Schock-Gewinner werden kann – nicht zuletzt, falls Soros recht behalten sollte.

Manfred Gburek, 13. April 2012
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5 Kommentare auf "Ein Schock kommt selten allein"

  1. Fnord23 sagt:

    Lieber Herr Gburek,
    vielen Dank für Ihren Beitrag. Es ist noch früh am Morgen. Jetzt hab ich mir schon 7 mal diese beiden Sätze durch gelesen:

    „Während es bei Inflation einen Gewinner (den Schuldner) und einen Verlierer (den Gläubiger) gibt, ist der Gläubiger im Fall der Deflation nur so lange der Gewinner, wie der Schuldner zahlen kann. Doch sobald dieser zahlungsunfähig ist, was bei Deflation ja schnell passieren kann, wird der Gläubiger zum Verlierer.“

    Mir kommen da so ein paar Gedanken (schwierig um die Zeit)

    Wir leben in einem inflationierten Geldsystem. Eine Ausweitung der Geldmenge findet ständig statt, weil sonst exitus.
    Was meinen Sie also mit „Inflation“? Was ist an diesem Zustand besonders erwähenswert? Außer die Hyperinfla. Bei welcher Höhe die auch beginnt? Solange die neuen Billionen FIATgeld nicht im Wirtschaftskreislauf landen, sondern nur im Finanzsystem hin und her her gecshoben werden ist alles ok. Wobei das auch nicht zutrifft. Die Zeug will Zinsen und zieht die dafür benötigten Geldmenge wohl aus dem Wirtschftskreislauf ab.
    Naja, das ist aber auch schon immer so. Das Problem ist die Beschleunigung des Prozesses auf Grund der exponentialen Funktion.Bis jetzt kommt man da gut hinterher.

    Der Gläubiger ist immer der Verlierer, sobald der Schuldner ausfällt.

    Bei Inflation ist der Schuldner nur dann der Gewinner, wenn es ihm gelingt, auch eine Einkommensinflation in gleicher Höhe zu erzeugen.

    Die Preissteigerungen durch Inflation sind bei Energie und Nahrung ja höher als die Inflationsraten von 2-3%. So muss ich einen immer größeren Teil meines nicht im diese Prozentpunkte steigenden Einkommens für Lebensnotwendiges ausgeben. Das heißt: Die Höhe des verfügbaren Einkommensanteils zur Bedienung des Schulddienstes sinkt.

    Bei einer Deflation sinken die Preise auf breiter Front. Das wird auf die Einkommen drücken usw. So die klassische Theorie. Wobei ich nicht glaube, dass es so klassisch ablaufen wird. Da die Unternehmen nicht so schnell die Lohnkosten senken werden können, wie es sein müßte…..die Preise für Nahrung werden trotzdem steigen.

    Naja, ein weites Feld. Nur mal so ein paar Gedanken. Ein Absinken der Geldmenge hat natürlich noch schlimmer Auswirkiúngen auf Einkommen/Preise.

    Ich persönlich halte einen deflationären Schock für möglich. Wurde ja schon mehrfach verhindert. Ob man das immer schaffen wird?

    VG ins Land

    • Avantgarde sagt:

      „Was meinen Sie also mit “Inflation”? Was ist an diesem Zustand besonders erwähenswert? “

      Gar nichts ist daran erwähnenswert.
      Und statt dem schnittigen Wort Inflation(hat in D eine besondere Bedeutung) könnte man auch das etwas unspektakulärere Wort Preissteigerungsrate benutzen.
      Bei 1,2,3 Prozent genügt zweiteres Wort völlig.

      „Ich persönlich halte einen deflationären Schock für möglich. Wurde ja schon mehrfach verhindert. Ob man das immer schaffen wird?“

      Und nicht, daß ich mir das wünschen würde – aber so ein Schock ist durchaus möglich.
      Es stand bereits Spitz auf Knopf bei so mancher Rettungsaktion – denn wenn zu spät eingegriffen wird und einige zig Billionen kommen erst mal ins Rutschen dann gibt es kein Halten mehr.

  2. mfabian sagt:

    Die Amerikaner haben ein schönes Sprichwort: „Wenn Dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.“

    Ganz auf dieser Linie schreibt Adam Hamilton:
    „Das Problem mit den Zentralbanken besteht jedoch darin, dass sie nur eine Sache tun können, nämlich Geld in den Markt pumpen. Wenn dies das Einzige ist, was Sie tun können, scheint Ihre Druckerpresse die Lösung für alles zu sein. Wir stehen vor einer Rezession? Werft die Druckerpresse an. Eine Aktienkrise führt zu einer extremen Angstwelle? Werft die Druckerpresse an. Es gibt immer mehr Teenager-Schwangerschaften? Werft die Druckerpresse an. Aliens überfallen die Erde? Werft die Druckerpresse an. Als die Subprime-Krise im Jahre 2007 losbrach, warf Bernanke also pflichtbewusst seine Druckerpresse an.“
    (Quelle: Englisches Original: http://www.zealllc.com/2012/goldqe3.htm
    Deutsche Übersetzung: http://www.goldseiten.de/artikel/134036–Verunsicherung-bei-Goldhaendlern~-Keine-Aussicht-auf-QE3.html?seite=1 )

    Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass die Zentralbanken dieser Welt auf Deflation (= Entwertung von Assets) mit Inflation (= Ausweitung der Geldmenge) reagieren. Beides zusammen nennt sich dann übrigens REFLATION.

  3. Wollen sagt:

    Einige User schrieben schon vor einem Jahr von einem „japanischen Szenario“ in einschlägigen Internetforen.

    22 Jahre nach dem Zusammenbruch der Immobilienblase in Japan,zum heutigen Zeitpunkt ist das Ergebnis dürftig, was die ganze ehemalige Export Industrienation aufzubieten hat, wirtschaftlich im Dauerstützungsmodus..

    Das soll es nun sein?

  4. Avantgarde sagt:

    @Wollen

    Das Japanszenario wird schon wesentlich länger diskutiert.
    Und zwar schlicht aus der Überlegung, daß ein Kreditgeldsystem rein systemisch in dieser Phase extrem schwer zu inflationieren ist.

    Es zeigt sich halt immer wieder, daß es eben nicht so einfach ist mit Geld „drucken“ mal eben den Schalter umzulegen und Inflation zu erzeugen.
    Man muß sich nur mal den Nikkei anschauen.

    Ich würde nicht sagen, daß das was in Japan passiert dürftig ist – immerhin ist es für den Großteil der Bevölkerung bisher glimpflich verlaufen.
    Die USA würden von so einer Entwicklung bedeutend schlimmer getroffen – deren Werkbänke sind schon alle nach China verschifft worden…

    Japan wird durch seine Nuklearindustrie und die Vorgänge in Fukushima auf lange Sicht weiter zurückgeworfen werden als durch die vergangenen 20 Jahre.
    DAS ist wirklich schlimm.

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