Ein paar Worte zu Ratingagenturen

31. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Folker Hellmeyer

Bevor wir uns den Wirtschaftsdaten widmen, ist eine Einlassung zu den jüngsten Herabstufungen europäischer Reformländer durch Ratingagenturen zu thematisieren. Portugal wurde von Standard & Poors von BBB auf BBB- herabgestuft, eine Stufe oberhalb von „Ramschniveau“. Damit hat S&P innerhalb einer Woche zwei Herabstufungen Portugals vorgenommen. Griechenland wurde gleich um zwei Stufen auf BB- gesetzt. Damit bewegt sich Griechenland drei Stufen unterhalb des „Investment Grade“…

Die Ratingagenturen agieren in den letzten Monaten verstärkt prozyklisch. Der Begriff Verantwortungslosigkeit darf diesbezüglich diskutiert werden. Über ihre Ratings verschärfen sie die Stimmungslage gegen die Reformländer, was unter anderem an dem nicht regulierten „CDS-Markt“, der einen regulierten Staatsanleihemarkt preislich dominiert, erkennbar wird. Sie unterminieren den unwiderlegbaren Erfolg der Reformschritte. Die bisherigen Reformerfolge, die die Zielsetzungen des IWF und der EU übertrafen, interessieren nicht.

Standard & Poors stellt die Herabstufung darauf ab, dass der Nachfolger des EFSF, der ESM, den Ausblick ab 2013 einschränke, dass Zinszahlungen zeitgerecht an Anleihegläubiger erfolgen und die Forderungen honoriert werden. Es geht also nicht einmal um die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls, sondern nur um die Möglichkeit! Diese Sichtweise nehmen wir als eine unkonventionelle Interpretationsvariante zur Kenntnis. Es wird also nicht evaluiert, ob Portugal oder Griechenland in der Reform erfolgreich sind, sondern der Mangel an Vollkaskohaftung für private Gläubiger ab 2013 ist jetzt Auslöser der Herabstufung. Das ist erstaunlich, wenn nicht gar grotesk.

Gilt es heute, bei der Bewertung der Bonität nur nach dem Vollkaskoschutz und der Monetarisierung der Schulden zu bewerten? Je mehr Vollkaskohaftung und Monetarisierung (Beispiel USA), desto besser das Rating (USA AAA). So kann das Verhalten von Standard & Poors interpretiert werden.

Der Weg zurück zu Ansätzen des freien Marktes, den wir in der Eurozone in Trippelschritten wagen, wird damit mit Stolpersteinen durch Ratingagenturen belegt. Waren diese Ratingagenturen nicht einmal Leuchttürme als Verfechter des freien Marktes und erfolgten Ratings nicht auch zum Teil auf dieser Grundlage? Dürfen wir jetzt den Begriff Beliebigkeit bei den Standards der Ratingagenturen diskutieren?

Eigentlich sollte jedem Anleihegläubiger bewusst sein, dass es bei Anleihen ein Ausfallrisiko gibt. Zumindest habe ich das in meiner Banklehre bei der Deutschen Bank zwischen 1982 und 1984 gelernt… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Ein paar Worte zu Ratingagenturen"

  1. Stuelpner sagt:

    Vielen Dank Herr Hellmeyer für Ihren ANREGENDEN Artikel.

    Ich bin kein Freund der Ratingagenturen und ihrer Machenschaften, aber

    „Stimmungslage gegen die Reformländer ; Die bisherigen Reformerfolge, die die Zielsetzungen des IWF und der EU übertrafen, interessieren nicht. ; Jetzt werden Reformen bei gleichzeitigen Schutzschirmen (anders als 2009!) geliefert, die die Zielmarken des IWF und der EU übertreffen und es wird trotzdem latent herabgestuft. Das macht sehr nachdenklich.“

    hier ist immer das Wort Reform zu lesen, mittlerweile ist jedem wachen Menschen bekannt, dass dies mit Reform, Verbesserung im ugs. Sinne nichts zu tun hat. Welche Reformen sollen den Anlass geben zu einer wirklichen nachhaltigen Hochstufung??? Noch mehr Schulden, noch mehr Arbeitslose, noch mehr Einsparung beim zivilisierten bzw. sozialen Zusammenleben, noch mehr Kriegseinsätze, noch weitere Drückung der Löhne, Renten und dadurch der Kaufkraft??? Ich habe keine Banklehre, aber die Grundrechenarten beherrsche ich, vorallem ist mir bekannt: von nichts kommt nichts, Actio gleich Reactio. Da die Nachhaltigkeit im Wirtschaften fehlt ist eine Herabstufung hier eindeutig gerechtfertigt (obwohl die RA es sicher aus anderen Überlegungen tun). Eine kurze Auflistung der Reformerfolge wäre hilfreich gewesen, einer fällt mir spontan ein Gr-Wirtschaft schrumpft um 6,6%, das ist ein Erfolg, wird massig Arbeitplätze schaffen und die „Kauflaune“ exorbitant steigern und und … da sieht man was diese Reformen bewegen.

    „Es geht also nicht einmal um die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls, sondern nur um die Möglichkeit!“
    Denn Durch die fehlende Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektive ist in diesem Fall die Möglichkeit gleich der Wahrscheinlichkeit.

    „Hier ist implizit eine politische Agenda der Ratingagenturen erkennbar. Es geht nicht um sachliche Diskontierung der internationalen Risiken, nein, es geht darum Partikularinteressen der USA zu schützen!“
    Hier ist implizit eine politische Agenda2010 der INSM erkennbar. Es geht nicht um sachliche Diskontierung der internationalen Risiken, nein, es geht darum Interessen der Wirtschaft zu schützen!

    „Der Weg zurück zu Ansätzen des freien Marktes, den wir in der Eurozone in Trippelschritten wagen“
    Sind wir nicht die großen Helden, was wir alles wagen, sicher ist bei dem hier beschriebenen Markt nicht der humane freie Markt sondern eher der „kapitalistische freie Marktwirtschaft“ gemeint, dann ist die Größe des Wagnisses natürlich zuverstehen, denn wenn sich nicht das „überflüssige Humankapital“ endlich in schadstofffreie Materie auflöst, sondern aufweckt, kann es sich schon als großes Wagnis herausstellen, nur die Interessen einer größenwahnsinnigen Minderheit durchzusetzen.

    „eigenständige Ratingagentur der Eurozone so schnell wie nur denkbar aufzubauen!“
    Klar dann können wir selber nicht nur die Arbeitslosensatistik manipulieren wie wir es brauchen, Deutschland muss ja auf Ewigkeit kreditwürdig bleiben, um die gegen wertlose Papiere verschenkten Waren aus dem Exportboomwunderland zu finanzieren bzw. zu bürgen. Als Vorsitzenden für die Eurorati am Besten den Besten Friedr. Mer., dann sind „Reformen“ und der Untergang der freien Gesellschaft garantiert oder alternativlos, jetzt bin ich unsicher.

    Weitere interessante, gemäßigte Infos für Reformen gibts z.B. hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/INSM

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