Neues Schimpfwort: „Bargeld-Befürworter“

9. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Den Begriff „Bargeld-Befürworter“ gibt es noch nicht! Aber bald! Wer unbedingt am Bargeld festhalten will, könnte bald zu den Geldwäschern, Terroristen, Steuerhinterziehern, Unverbesserlichen und Verschwörungstheoretikern gehören. Das ist ähnlich wie „Euro-Skeptiker“. Warten Sie mal ab!

Noch ist die Mehrheit hierzulande für Bargeld, wobei es den meisten letztendlich egal ist, womit sie später bezahlen. Wer ohnehin nichts hat… „Kann man eh nichts machen“, ist ein Argument. „Ich habe ja nichts zu verbergen“ das andere.

Wie die Erfahrung zeigt, bekommt man später ohnehin immer das Gegenteil dessen, was man ursprünglich nicht wollte. Mogelpackungen werden heute sogar geschenkt, also Kekse, die mit Salz gebacken wurden. TTIP ist so ein Beispiel und so gut wie beschlossen. Millionen von Unterschriften dagegen sind irrelevant. Oder die vermeintliche „Griechenland-Rettung“, die fast komplett an die Banken ging, wie neulich eine Studie ausgerechnet hat. Niemand wollte es und jeder bekam es.

Meinungen kann man natürlich wechseln wie Unterwäsche. Es kommt darauf an, wer die Mode macht oder bestimmt. Die überbezahlten Weltverbesserer arbeiten ständig daran, dass zumindest ihre Welt besser wird. Dafür benötigen sie die Herzen und Hirne der anderen. Wenn sie das einfach lassen würden, und die Leute mit ihrem Kram in Ruhe, würde sie sogar besser werden.

Das Thema „Bargeld“ wird derzeit hochgekocht. Der 500er-Schein verschwindet nicht ohne Grund. Vielleicht auch nur, um die Tresorhaltung von Bargeld bei Banken stark zu verteuern. Und in der Politik passiert nichts ohne Plan. Wir wissen nicht, was die da oben vorhaben, aber es dürfte unsere Welt nicht besser machen, höchstens die der Politiker. Und wer hat heute schon noch den Überblick und interessiert sich für die wirklich wichtigen Dinge? Wenn man seine Meinung wie üblich über Kabel liefern lässt und künftig vielleicht sogar über Amazon, kommt es auf die Lieferung an, nicht auf die Inhalte.

Und so begab es sich, dass ein Freund von mir zum Thema Bargeld an der Börse interviewt wurde. Was früher selbstverständlich war, muss heute hinterfragt werden, warum er am Bargeld festhalten will. Das muss man sich mal vorstellen… statt kollektiv zu protestieren. Die Saat geht auf…

Die einen behaupten, Bargeld wäre gedruckte Freiheit. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn das Geld an sich ist eine Lüge und eine Illusion, die funktioniert, wenn die Mehrheit daran glaubt. Doch erst eine bargeldlose Gesellschaft ist lückenlos überwachbar und steuerbar. Wem nutzt es? Demjenigen an der Kasse kaum. Er spart damit statistisch errechnete 3,2 Sekunden, wenn er mit Karte bezahlt. Vorausgesetzt, die Leitung ist schnell.

Die Bundesbank wird nicht müde zu betonen, dass sie gegen die Abschaffung des Bargeldes sei. Wo Rauch ist, brennt auch ein Feuer. Das wirft Fragen auf: Gibt es denn Zweifel, dass das Bargeld bleibt? Offenbar doch! Was hat die Bundesbank im großen Geld-Kontext zu bestimmen und was ist ihr Wort wert? Soviel wie der Wert des Geldes? Also nichts? Wenn in ein paar Jahren eine neue Generation die Bundesbank leitet, wer weiß, ob das nicht auch alles Weltverbesserer sind, die sich um das Geschwätz ihrer Vorgänger von gestern kaum kümmern.

Es wird sein wie immer. Erst wird freiwillig auf Bargeld verzichtet. Sobald die Mehrheit bargeldlos bezahlt, kann die Minderheit dann kriminalisiert werden. Nein, ich habe kaum Hoffnung, dass das Bargeld überleben wird. Die Leute werden sich überrumpeln lassen. Dafür sind sie doch schließlich da: Oder? Man muss es ihnen nur entsprechend verkaufen. Die Maschinerie ist längst einsatzfertig.

 

Schlagworte: , , , , , ,

10 Kommentare auf "Neues Schimpfwort: „Bargeld-Befürworter“"

  1. FDominicus sagt:

    Und weiterhin wählt man mit über 80 % die bestehenden Parteien, die alles taten um zur aktuellen Situation zu kommen. Kriminalisierung von breiten Schichten mit entsprechenden Einschüchterungen, dazu das folgenlose Brechen von den selbst aufgestellten Gesetzen.

    Ach ja und wer genau wäre dafür den Staaten das Zahlungsmittelmonopol zu entreißen?

    Mein Wunsch ist recht einfach, möge es Die zuerst treffen die diese Gesetze auf den Weg brachten.

  2. Avantgarde sagt:

    Es gibt da aber noch ein kleines Problem… oder vielleicht besser Hoffnung:

    — Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel —

    So steht es bisher im Gesetz über die Deutsche Bundesbank §14.
    Ich kann es nur immer wieder und wieder wiederholen…..jedem muß klar sein, daß wir bei der Abschaffung des Bargeldes kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr hätten.
    Könnte dies ein Staat tatsächlich aushalten?

    • FDominicus sagt:

      Das ist kein Problem, man führt dort eben die Giralguthaben als gesetzliches Zahlungsmittel auf. Dann hat man Bargeld und Giraldgeld. Das lässt man ein bisschen laufen und dann wird eben Bargeld als Zahlungsmittel gestrichen.

      • Avantgarde sagt:

        So einfach wird man es sich aber nicht machen können.
        Schließlich ist das Bargeld die Basisgeldmenge auf dem alles andere aufbaut – alles andere ist ja lediglich Kredit auf die Basisgeldmenge.
        Mal von der Systematik abgesehen kann ich mir nicht vorstellen, daß so ein Vorgang auch juristisch höchst prekär wäre.

        • FDominicus sagt:

          Warum glaubst Du wäre das ein Problem?
          Wie sind eigentlich die Gesetze für die Schuldenübernahme von anderen Staaten.
          Wie sieh es mit der Staatsfinanzierung durch die EZB aus.

          Ich bin sicher, es gibt kein Problem damit im EZB Gesetz Giralguthaben dem „Zahlungsmittel“ gleich zu stellen. Es ist nur eine Frage wie schnell es mit der EU und dem EUR zu Ende geht. Genügend Länder wie Griechenland und Du wirst sehen – alles „kein“ Problem da für die EU-Granden der Zweck JEDES Mittel heiligt.

  3. Insasse sagt:

    Müsste das neue Schimpfwort nicht BargeldBEFÜRWORTER heißen? Oder anders herum elektronisches-Geld-Gegner? Die Bargeldgegner sind doch die Abschaffer und nicht diejenigen, die am Bargeld festhalten wollen. Und die Abschaffer in der Politik werden doch nicht gegen sich selbst Propaganda mit dem Begriff Bargeldgegner machen.

    Passende Schimpfwörter wären wohl Bargeldpopulist, -extremist oder am besten gleich -nazi. Da zuckt auch der letzte Befürworter kleinlaut zusammen und verstummt auf immer und ewig.

    • Frank Meyer sagt:

      Oha, wie Recht Du hast.. Oh weia… Habe es mal geändert 🙂

      • Insasse sagt:

        Das Problem mit dem Begriff Bargeld-Befürworter ist, dass „Befürworter“ nach dem aktuellen Propagandaschema nicht – wie Gegner – negativ besetzt ist. Befürworter passt eher in das Schema „Unterstützer“. Aber systematisch gesehen stimmt es jetzt. 😉

        Früher gab es auch mal Gegner, die in der Bevölkerung Sympathien genossen haben, z.B. Atomkraft-Gegner. Das ist aber propagandatechnisch gesehen lange her. Gegner sind jetzt prinzipiell was Böses.

        Ah, da fällt mir noch ein Begriff ein, der geeignet ist, die Bargeld-Anhänger verächtlich zu machen: Bargeld-Sympathisant. Der Begriff Sympathisant wird immer in Bezug auf Leute benutzt, die einer dem Politikmainstream nicht genehmen Gruppe angehören, z.B. AfD-Sympathisant, IS-Sympathisant oder auch RAF-Sympathisant (findet man alles bei Google & Co.).

        Damit sind meine Wortschöpfungsfähigkeiten für heute aber auch erschöpft…

        • Avantgarde sagt:

          Wie wäre es mit der Wortschöpfung:

          – Bargeldpopulisten –

          Könnte man auch zu rückwärtsgewandten oder gar chauvinistischen Bargeldpopulisten ausbauen.

          Denn bequem, modern, fortschrittlich und der Zukunft zugewandt ist selbstverständlich nur das Kreditgeld welches möglichst berührungsfrei genutzt werden kann.
          Das Mobile ist da eigentlich schon veraltet – die Zukunft gehört dem implantierten Chip
          🙂

          • Insasse sagt:

            @Avantgarde: Beim Chip passts dann auch wieder mit „Gegner“: Chip-Gegner. Immerhin haben wir nun schon mal ein wenig Vorarbeit für einen künftigen diesbezüglichen Artikel von Herrn Meyer geleistet. 😉

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.