Sich für den Aufschwung ruinieren… Sie wollen es doch auch!

5. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Kaufen Sie ein Auto! Na? Wie wäre es für 99 Euro im Monat! Tun sie was für die Konjunktur! Nein? Dann sind Sie nicht allein. Die Autoverkäufe brechen weiter ein. Club Med ist schon das Geld ausgegangen. Offenbar inzwischen auch schon vielen Deutschen. Anders kann man sich den Rückgang in den Auto-Neuzulassungen im ersten Halbjahr nicht erklären…

Die um 8,1% gegenüber dem Vorjahr eingebrochenen Verkäufe geben ein realistischeres Bild einer Wirtschaft wieder – trotz allen Geredes von Robustheit und gestiegenem Konsumklima.

Die Rabattschlacht tobt schon wieder. Durchschnittlich gibt es jetzt fast 13 Prozent Nachlass auf, nun sagen wir mal, die doch stark gestiegenen Autopreise. Offenbar produziert man schon wieder die künftigen Blechlawinen auf Halde. Schon sieht Auto-Chef-Lobbyist Matthias Wissmann einen erheblichen Stau am Ende des Rabattkrieges. Er vermutet sowohl bei den privaten als auch bei den gewerblichen Kunden einen „erheblich potenziellen Nachholbedarf“. Ach was… Ob das wirklich so ist? Als Grund wird das durchschnittliche Alter der Fahrzeuge ins Feld geführt. Dieses stieg von 7,7 Jahren in 2007 auf jetzt 8,7 Jahre.

Sowie ich beobachten konnte, kann man nicht nur in den südeuropäischen Ländern die Autos auch länger fahren, sofern das Geld für Benzin und Werkstatt noch ausreicht. Soweit ich weiß, kaufen Autos immer noch keine Autos, sondern nur Leute, die sich leisten können bzw. noch kreditwürdig sind. Dort scheint das Problem zu liegen, während die heutigen komplizierten Wirtschaftsmodelle zur Beschreibung der Praxis versagen. Sie finden einfach nicht die Ursachen der Probleme – und schon gar nicht die Experten. Vor einem Unfall sagen sie, das wäre technisch nicht möglich.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es bei Autos überhaupt Schnäppchen gibt. Nehmen wir mal an, man kauft sich ein Auto für 20.000 Euro. „Gekauft“ ist dabei ein etwas irritierender Begriff, denn die Autos werden heute überwiegend finanziert. Über die Kreditvergabe entsteht Geld. Wenn Sie jetzt nett sind, kaufen Sie sich so etwas – mit allem Schnickschnack. Damit tun Sie etwas für den Aufschwung. Nein? Keine Lust? Das ist der entscheidende Unterschied zwischen den Makromodellen und der Realität. Menschen agieren egoistisch in Märkten und sind auf ihr Wohl bedacht. Zum Glück!

Schnäppchen?

Auf vier Jahre gerechnet, kostet eine 20.000-Euro-Karre monatlich 416 Euro. Dann ist der Kredit nominal abbezahlt. Das ist nicht alles…. Plus Autosteuer. Plus Versicherung. Plus Treibstoff. Plus Winterreifen. Plus Werkstatt. Und Plus Zinsen für die vier Jahre. Und bald auch noch die Maut? Lohnt sich das? Nicht wirklich. Unter Umständen ist es finanziell klüger, dann seine alte Möhre etwas länger zu fahren. Aber dann verzichtet man auf diesen magischen Moment, wenn man in ein frisch riechendes Auto einzusteigen, den Zündschlüssel umzudrehen und plötzlich 20 Prozent im Preis verloren haben. An der Börse würde so ein Verlust Aufsehen erregen. Die positive Aufregung unter Nachbarn und Freunden sollte es das aber wert sein. Nein?

Nach vier Jahren kann man ja den vermeintlichen „Klimakiller“ ja wieder verkaufen. Dann erst wird die Rechnung rund – und die Kosten für die vier Jahre lassen sich genauer berechnen, wenn der Gebrauchte im übersättigten Markt einen echten Preis sucht… (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Sich für den Aufschwung ruinieren… Sie wollen es doch auch!"

  1. gilga sagt:

    Hallo Frank,

    „Zwischen Klugheit und Kubikzentimeter gibt es doch einen Zusammenhang. Beide verhalten sich proportional.“

    => meinst Du hier nicht ggf. umgekehrt proportional? 😉

    Zum Inhalt:
    Ich denke die Beobachtung ist soweit korrekt:
    1) die Menschen fahren ihre Autos länger, da man erkannt hat das dies (oftmals) deutlich günstiger ist
    2) viele haben schlicht nicht das Geld (aber oft genug den Wunsch) den 3-4 Jahres Finanzierungswahnsinn (inkl. Zwangswechsel; Auslösen des Fahrzeugs geht nicht da keine ausreichenden liquiden Mittel, Auto braucht man, kleineres Auto ist unter der eigenen Würde bzw. würde den Nachbarn/Bekannten/… ja auffallen) mitzumachen

    Ergänzen würde ich noch:
    3) Viele brauchen auch gar kein bzw. nur selten wirklich ein Auto (wohnhaft in einer Großstadt), wobei dies oft mit 2) zusammenfällt (hohe Mieten + „hippes“ Freizeitverhalten)
    4) Bedingt durch den Immohype in Dtl. fehlt der Gruppe von Menschen die (etwas) Geld haben (eben so viel das es Kredit gibt) ebenfalls das Geld/die Lust alle paar Jahre neue und dickere/teurere Autos zu kaufen

    Nicht ganz mitgehen würde ich mit der Behauptung, dass die Autos so viel teurer geworden sind. Das kommt auf den Blickwinkel an. Es wäre schön hier mal Zahlen zu lesen die nur die Privatzulassungen und dort gezahlten Preise (für 1980 und heute) betrachten und die Firmenwagen außen vor lassen (hoher Listenpreis ist da gelegentlich ja eher von Vorteil für die Steuer).

    Nimmt man das aktuelle Rabattniveau dann ist es ohne Probleme (Geld vorhanden) möglich ein Auto zu kaufen welches
    a) in seiner Nutzbarkeit im Alltag (Größe usw.) zu 1980 mehr als vergleichbar,
    b) sicherheitstechnisch auf der Höhe der Zeit,
    c) und (eben allg. technischer Fortschritt) in vielen Dingen sogar weit über dem Niveau von 1980 rangiert (Klimaanlage, Sitzheizung, allerlei elektr. Verstellmöglichkeiten und nicht zu vergessen Multimedia-Gimmicks => ob man das alles braucht sei mal dahin gestellt)

    und dafür dann auch „nur“ 13.000-15.000€ auf den Tisch zu legen (wenn man genügsam ist und auf ein paar Gimmicks verzichten kann auch weniger).

    Macht bei den genannten 8.420€ von 1980 bis 2013 eine Inflationsrate von 1,5% (8.420€ * 1,015^33 = 13.762,31€) und sollte deutlich näher an dem liegen was im Privatmarkt tatsächlich gezahlt wird. Die 8.420€ von 1980 sind sicher zu hoch gegriffen, da es auch damals sicher Firmenzulassungen gab. Aber bei den 1,5% über die 33 Jahre ist ja auch noch massig Luft zur „offiziellen“ Inflationsrate. Ich denke hier werden schon zahlreiche Produktivitätsfortschritte bzw. allg. technischer Fortschritt auch an den Kunden weitergegeben.

    Die Betriebkosten stehen ggf. natürlich auf einem anderen Blatt.

  2. DukeNukem sagt:

    Dieses ganze Neuwagenkaufen ist für mich immernoch der größte Beweis für die Dummheit der Menschen, denn mehr Geld kann man nicht verbrennen… Außer vielleicht mit Commerzbank-Aktien 😀 . Aber wehe der Wirt in der Stammkneipe erhöht den Preis fürs Pils um 10 Cent, dann ist die Aufregung groß.

    Und was Papa Wissmann so von sich gibt ist auch Blödsinn. Wenn man denn auf sein Auto gut aufpasst, dann sollten knappe 9 Jahre kein Problem sein. Mein BMW ist 26 Jahre alt und leistet im Alltag treue Dienste. Er verbraucht sicherlich nen paar Liter mehr, aber alleine schon aufgrund des fehlenden Wertverlustes fahre ich fast unschlagbar günstig. Und dass auch Autos die ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben noch laufen können, kann man wunderbar auf Kuba beobachten. Der moderne Plastikmüll wird aber natürlich nicht ansatzweise so lange halten.

    Nunja, mal sehen wie es weitergeht. Ich gehe davon aus dass die Autoindustrie gerade mal nen kleinen Vorgeschmack bekommt und in Zukunft wesentlich stärker auf ein ´´Normalmaß´´ schrumpfen wird.

  3. Rahel sagt:

    Hallo Hr. Meyer,

    ein Genuß Ihre Zeilen wieder zu lesen. Hatte gerade am Mittwoch ein gespräch mit meinem Cousin, da er zwecks Familienplanung seine C- Klasse verkaufen möchte. Daher fragte er mich, ob ich Interesse hätte, diese zu kaufen. Nun ja, die Laufzeit beträgt 60.000km und das für ca. 7.000 €! Soweit so gut.

    Nach kurzem Überlegen müßte ich aber „leider“ passen!
    Denn: Mit meinem 15 Jahren alten B-Corsa ( Noch mein 1. Auto nach dem Führerscheinerhalt – 2004) fahre sehr sehr günstig! Naja der Lack sieht nicht mehr so frisch aus, aber die 45 PS leisten souverän ihren Dienst!

    Es wurden schon mehrmals die Stimmen laut, warum ich den noch „immer“ diese alte Kiste fahre, denn die Mädels würden ja dann auch mehr „gucken“…. Ja, aber gucken und auf Kredit finanzieren ist nicht alles antwortete ich!

    Das einzigste was für mich glänzen sollte und was ich gerne kaufe sind „Ünzchen“ aus AU. 😉

  4. Jochen sagt:

    ….denn die Autos werden überwiegend finanziert

    Ist das wirklich so?

    Genau zu dieser Aussage gibt es immer Artikel, die davon sprechen, dass
    ein erheblicher Teil bar bezahlt wird.

    Wenn man Firmenfahrzeuge und deren Finanzierung ausklammert, würden mich ‚echte‘ Zahlen interessieren.

    Das Geld in der Breite gesehen knapper wird, ist unübersehbar,
    es gibt aber zum Glück noch immer eine zahlungskräftige Mittelklasse,
    die sich auch Autos in der Kategorie 20.000 € und mehr locker leisten kann.

  5. gilga sagt:

    Da lassen sich recht schnell einige Aussagen finden:
    aus 2012: http://www.statistiko.de/statistik/25499/studie-immer-mehr-deutsche-finanzieren-auto-fremd-zahl-gekauften-neuwagen-2012-leicht-zugenommen

    aus 2011: http://www.presseportal.de/showbin.htx?id=199566&type=document&action=download&attname=gfk-studie-konsum-kfz-finanzierung-2011-bfach.pdf

    Nach diesen Daten bewegt es sich schon im Bereich um 40%. Insbesondere die Quote für Finanzierungen bei Gebrauchtfahrzeugen (eher nicht das klassische Firmenleasing…) von 26% in der GfK-Studie gibt zu denken.

  6. Michael sagt:

    Autos halten heutzutage lang. Trotzdem wer jung ist, man spart sich den Führerschein, hohe Anschaffungskosten, Versicherung, Benzin, Pickerl, Reifen wechseln und Steuern über Steuern. Fahren sie im Winter mal mit einem Auto und drehen alles ab, dann wissen sie wofür sie zahlen. Laut, stinkt und kann gar nichts. Im Stau ist das dann wirklich ein erhebendes Erlebnis.

    In Kalifornien ist das anders, da halten die Autos länger weit über 20 Jahre. Kein Salz kaum Winter.

    Denke die Niederländer steigen wieder aufs Rad zurück, wenn man auf die Neuzulassungen schaut:)

    Nein, was in der letzten Dekade passiert ist war einfach zu viel des Guten. Neuwagen auf Leasing teuerst bezahlt. Gut der Arbeitgeber kann ja ein Pool an Autos bereitstellen. Die sog. Freiheit kehrt sich ja um wenn sie gezwungen sind Auto für den Erwerb zu haben. In .de und auch .at ist das eher schon Zwang der ausgeübt wird.

    Objektiv gibt es günstigere Logistiklösungen. Wenn man die Energie die in fragwürdige Detailverbesserungen im Privatbereich steck für LKWs einsetzte wären die Brummer vermutlich selbst für den Fahrer wieder angenehm und der LKW Fahrer wieder ein angesehener Beruf.

    In einer Stadt ist Autofahren an sich eher Luxus. Das kann jeder sofort abstellen. Jene die anfahren müssen … für ein Weilchen muss halt die Blechschüssel halten.

    Aus Sicht des Metalls ist ein Auto ein billiges Blech das vom Lack profitiert. Sie haben es schön skizziert. 71k EUR in 2040 glaube ich nicht weder 71k noch EUR;). Aber eines ist wahr, zu große Autos zu lange zu fahren über die Lebenszeit gerechnet ist eine Wohnung oder Haus (Häuschen) wenn es 2 sind. Wo fahren die meisten hin? Wer kein Auto hat überlegt bevor er kauft, das kommt von selbst. Irgendwann mal nervt die Paketlogistik der Moderne.

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