Ein Kartenhaus auf Treibsand … und wir sind alle dabei

5. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Sollte Ihnen bewusst sein, in welcher Gefahr sich das immer enger vernetzte wirtschaftliche Gebilde dieser Welt befindet, gehören sie zu einer Minderheit. Sie erkennen mehr als die meisten Politiker und Notenbanker. Und diejenigen in dieser Gruppe von Entscheidern und Fädenziehern, die sich der Gefahren bewusst sind, drehen sich entweder ohnmächtig weg oder nutzen diese Fragilität zu ihrem Vorteil…

Doch wer sich zu oft in Gefahr begibt, kommt darin um. Wobei es unerheblich ist, ob man bewusst oder unwissend mit einem Bein über dem Abgrund balanciert.

Dass gezieltes Wegsehen, das Ignorieren der Gefahr, funktioniert, ist eine instinktive Hoffnung, die sich bislang in der Geschichte der Menschheit indes als dämlichste aller Lösungsansätze herausgestellt hat. Es ist schon richtig, dass als anwesend vermutete Gespenster oder Ungeheuer in unseren früheren Jahren durch das Einschalten der Lampe oder das „Bettdecke-über-den-Kopf-ziehen“ zu verschwinden pflegten.

Aber mit einem gewissen Prozess der Reife sollte den meisten doch klar geworden sein, dass das nicht an der Vogel Strauß-Technik lag, sondern an der faktischen Abwesenheit von Monstern. Was das Kartenhaus Weltwirtschaft angeht, sieht das aber anders aus. Dass dieser immer instabiler werdende Turm zu Babel vom kleinesten Windhauch hinweggeblasen werden kann, ist nichts, das man durch derartige Praktiken heilen kann.

Dass immer weniger Menschen immer mehr andere problemlos am Nasenring durch die Arena ziehen können, ohne dass die Gezogenen dies auch nur bemerken würden, hatte ich in vorherigen Kolumnen schon angesprochen. Das macht das Lenken dieser letztlich zu einem einzigen, mit sich selbst interagierenden Moloch verwachsenen Weltwirtschaft grundsätzlich einfacher. Es lässt sich in einem kleineren Kreis aktiver Entscheider schneller und gezielter handeln. Im Prinzip also eine ganz praktische Sache. Der Haken ist nur, dass es wie beispielsweise bei einer absolutistischen Monarchie immer darauf ankommt, ob die Köpfe dieses Gebildes genug Grips haben, dies auch hinzubekommen … und ob sie Ziele verfolgen, die auch wirklich im Sinne der desinteressierten Masse sind und nicht nur eigenem Vorteil dienen.

Solange Letzteres der Fall ist, das „Volk“ aber durch Brot und Spiele in einer zufriedenen Trägheit gehalten werden kann, funktioniert das tadellos. Aber die zufriedene Trägheit endet, wie die Geschichte lehrt, entweder mit dem „Vertrocknen“ der Bedeutung sogenannter Hochkulturen oder in einem umfassenden Aufstand, der zwar am Ende oft eine bereinigende Umwälzung, zunächst aber nur Chaos und Leid bedeutet, wenn diese wenigen „Puppenspieler“ Mist bauen. Die eigentlich entscheidende Frage stellt sich somit wie folgt: Kann es gelingen, dieses Kartenhaus noch über einen längeren Zeitraum am Zusammenbruch zu hindern?

Ich befürchte, dass das nicht gelingen wird. Wobei der Grund meiner Meinung nach nicht in den Fertigkeiten oder dem Willen der Entscheider liegt … auch, wenn ich da bezweifle, dass dabei das Wohl der Bevölkerung im Vordergrund steht … sondern in der Struktur dieses Kartenhauses selbst. Das ganze Ding ist schlicht auf Sand gebaut. Da kann man lenken und beeinflussen wie man will, irgendwann versinkt der ganze Sums im Sand und wir mit.

Dabei betrifft das Risiko zwar auch die Aktienmärkte. Aber es wäre ein Fehler, sich darauf zu beschränken. Das eigentliche Problem ist, dass es vor allem die Aktienmärkte waren, die von den „kosmetischen“ Maßnahmen profitierten, mit denen man versuchte, eine normale Bereinigung einer vorherigen Schieflage zu verhindern. An der Weltwirtschaft als solcher aber gingen diese Aktivitäten vorbei. Erinnern wir uns:

Nachdem man zunächst versuchte, das Ausmaß der Bedrohung kleinzureden, die aus der Blase an den Immobilienmärkten vieler Länder und dem dadurch entstandenen, eigentlich nur aus heißer Luft bestehendem Kapital entstand, platzte diese Blase 2008 dann doch. Einfach, weil all dieses „Luftgeld“ überall in die Kanäle der Weltwirtschaft gewandert war. Als es verpuffte, sackte das Fundament der Weltwirtschaft unsanft eine Etage tiefer.

Da man sich angesichts der dramatischen Konsequenzen im Jahr 2008 schnell darüber im Klaren war, dass eine echte Bereinigung dieser Blase extreme Konsequenzen hätte und zudem langwierig wäre, verfiel man auf die einzig mögliche Lösung, eine Gesundung durch schmerzhafte Heilung zu umgehen: Man pumpte dort, wo das in Luft aufgelöste Geld der Immobilienblasen Löcher verursacht hatte, einfach neues Geld hinein. Nur diesmal angeblich „sicheres Geld“ der Regierungen und Notenbanken.

Zwei Aspekte sind Grund dafür, dass dieses Spielchen bis heute scheinbar funktioniert. Zum einen das momentan alleine aufgrund der scheinbaren Ruhe erst einmal wieder hergestellte Grundvertrauen der Menschen in den Wert dieses Geldes. Denn letztlich ist es ja, man sollte es nicht vergessen, eine reine „Glaubensfrage“. Diese Lappen, die wir mit uns herumtragen, haben eigentlich keinerlei echten Wert. Es ist die Garantie der „Puppenspieler“, dass wir dafür etwas bekommen, die uns einen echten Wert glauben macht. Dabei ist es nicht einmal wie früher z.B. ein gewisser garantierter Gegenwert in Gold. Es ist einfach nur noch der Glaube. Noch funktioniert das, denn noch ist die Gesamtlage friedlich. Aber… (Seite 2)


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