Ein Hoch ist ein Hoch ist ein Hoch.

7. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor Allzeithochs sind Pflicht, nicht Kür. Am Dienstag erreichte der Dow-Jones-Industrial-Index mit 14.253 Punkten den höchsten Stand aller Zeiten und überflügelte damit den bisherigen Rekordschlussstand von 14.164 Punkten. Ein historischer Tag – einer von vielen. Denn derartige Allzeithochs sind für Aktienindizes – im Gegensatz zu Einzelaktien  durchaus Teil der Normalität…

Dass es diesmal mehr als fünf Jahre dauerte, ist der damaligen Übertreibungsphase geschuldet, die in der Folge bekanntlich auch ebenso rasch wie schmerzhaft korrigiert wurde. Derartige Hochs sind ansonsten Ausdruck eines intakten Trends, worunter Spötter gelegentlich auch nur den intakten Trend der schleichenden Entwertung der Maßeinheit „Punkte“ (=US-Dollar) verstehen. Zumindest diese Entwertung ist dank der Anstrengungen der Notenbanken – hier der US-amerikanischen Fed – über die Jahrzehnte sichergestellt.

Unterstützt werden derartige Rekorde durch den regelmäßigen Austausch der Indexkomponenten. Lahmt ein Pferd (Unternehmen) der Herde (Index), dann wird es gegen ein frisches ausgetauscht, was den Index für die Rekordhatz wieder fit macht. Für die Aufnahme in den Dow Jones gibt es – anders als beim DAX – weder feste Kriterien noch feste Überprüfungszeitpunkte. Stattdessen entscheidet eine unabhängige Kommission nach unabhängigem Gutdünken. Zielvorstellung ist, dass der Index die 30 wichtigsten und marktführenden Unternehmen enthält. Was aber ist Marktführerschaft anderes als ein Zeichen für Erfolg?!

Neben dem Inflationseffekt enthält der DJIA also eine weitere „verzerrende“ Komponente, eine Positivauswahl unter den Unternehmen. Überraschend wäre es vor diesem Hintergrund, wenn der Index nicht immer wieder einmal Allzeithochs erreichen würde. Eine beliebige einzelne Aktie, tut sich da ungleich schwerer – besonders, wenn die Betrachtung nicht über ein paar Monate oder Jahre, sondern über Jahrzehnte erfolgt. Selbst die erfolgreichsten Unternehmen haben nämlich einen Lebenszyklus.

Wären etwa die im Vorläufer des DJIA dominant vertretenen Eisenbahngesellschaften noch immer im Index enthalten, wäre das aktuelle Allzeithoch in weiter Ferne. Auch Branchen- bzw. Sektorindizes können mit umfassenden „Best of“-Indizes wie dem DJIA in Langfristbetrachtungen regelmäßig nicht mithalten. Beim Tausch der Pferde gibt es dort nämlich die Restriktion, dass auch die neuen Kandidaten aus demselben Stall (Branche, Sektor) kommen müssen. Manch ein Stall, der einst en vogue war, existiert heute nicht mehr (Eisenbahnlinien), oder ist noch immer weit vom Hype vergangener Tage entfernt (NASDAQ).

Überwindung macht sich bezahlt

Je weiter man von einem Allzeithoch entfernt ist, desto weniger kann man auf den Rückenwind des „offenen Himmels“ hoffen. Technische Analysten lieben daher Allzeithochs, weil es darüber keine „technischen Widerstände“ mehr gibt. Andererseits kostet es schon Überwindung an einem solchen Hoch zu kaufen. Zu groß ist die Angst, dumm auszusehen, weil man viel zu teuer gekauft hat. Dies war beispielsweise beim oben angeführten 2007er Hoch des DJIA der Fall. Häufig macht sich die Überwindung jedoch bezahlt, wenn man daraus nicht stur eine Fortsetzung des Trends erwartet, sondern das Allzeithoch lediglich als Arbeitshypothese auf weiter steigende Kurse betrachtet.

Eine gute Arbeitshypothese hat aber auch eine Ausstiegsbedingung, ab der man sie als vom Markt widerlegt betrachten sollte. Im Marktjargon wäre dies ein Stoppkurs. Direkt auf einen Rücksetzer zu warten funktioniert dagegen oft nicht, weil die besten Titel/Situationen oft wenig Neigung zeigen, dem interessierten Anleger noch einmal einen günstigen Einstieg zu ermöglichen. Durch das Warten auf den Rückschlag erhält man tendenziell also eine Negativauswahl. Belastend ist zudem, dass in dem Moment, wo ein mutiger Kauf direkt am neuen Allzeithoch erfolgt, man eben noch nicht wissen kann, ob ein Rückschlag erfolgen wird.

„Alles gut“ dank Allzeithoch?!

Das aktuelle Allzeithoch im DJIA ermuntert viele Kommentatoren zu abenteuerlichen Rückschlüssen auf den Zustand der Wirtschaft.

Die Argumentation ist dann ungefähr so, dass dieses Hoch doch deutlich zeige, dass die Krise überwunden sei, und nun alles mehr oder weniger gut werde. Einer der selten gewordenen Fälle, wo sogar die ansonsten kaum mehr gelittenen Märkte als Zeugen für erfolgreiche Politik bemüht werden. Die andere Fraktion sieht in dem Hoch dagegen einen nicht rational zu erklärenden Überschwang der Marktteilnehmer, der sich schon bald in einem fürchterlichen Crash entladen werde: „Wir haben Euch gewarnt!“ Beides ist möglich, aber beides gibt das Allzeithoch logisch nicht zwingend her… (Seite 2)

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