Ein Hoch auf die Wissenschaft!

25. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Grundsätzlich soll sich das wissenschaftliche Vorgehen … zum Beispiel im Gegensatz zur Alchemie … dadurch auszeichnen, dass man sich nicht mit einem einzigen Beleg der Richtigkeit einer Aussage zufriedengibt, sondern gezielt immer wieder versucht, eine Hypothese zu widerlegen. Erst, wenn das immer wieder scheitert, wird eine Annahme zu einer echten, tragfähigen Regel…

Im Bereich der sogenannten Wirtschaftswissenschaften hingegen bekommt man oft den Eindruck, dass man nur zu gerne versucht, diese in den Naturwissenschaften geprägte Vorgehensweise ein wenig großzügiger auszulegen. Wer mal einige Vorlesungen in Wirtschaftsphilosophie gehört hat, schöpft da bereits Verdacht … irgendwie vermengt man gerade im Bereich der Volkswirtschaftslehre gesunden Menschenverstand, Wunschdenken und dreiste Behauptungen mit dem, was man da in der Schlangengrube der Weltwirtschaft zu sehen bekommt. Ein Physiker oder Mathematiker mag da bisweilen fassungslos sein, aber diese manchmal höchst „unscharf“ wirkenden Bemühungen der Wirtschaftswissenschaftler haben durchaus nachvollziehbare Ursachen:

Denn das ganze Zeug, das man da in den Griff bekommen will, hält einfach nicht still! Und es biegt dauernd einer um die Ecke, brüllt „guck mal, ich kann zaubern!“ und schmeißt die Fundamente volkswirtschaftlicher Regelwerke einfach über den Haufen, wie dies die Zauberlehrlinge Greenspan und Bernanke taten und diverse Nachahmer in Europa und Japan ebenfalls probieren.

Bekommt ein Physiker den Nobelpreis, dann in der Regel, weil er Zusammenhänge entdeckt, Verfahren entwickelt oder neue Denkmodelle vorgestellt hat, die heute Sinn machen und 10 oder in 50 Jahren immer noch funktionieren beziehungsweise richtig sind. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften hingegen haben wir es nicht mit unverrückbaren Tatsachen zu tun wie beispielsweise in der Physik oder in der Chemie. Das dachte man zwar über Jahrhunderte hinweg. Aber da ahnte man noch nichts von den Versuchen heutiger Politiker und Notenbanker, aus Unwille oder Unfähigkeit zu nötigen Reformen heraus zu versuchen, die Schwerkraft zu überwinden und damit das natürliche Gefüge des Wirtschaftskreislaufs derartig zu beeinflussen, dass die Risiken dieser Eingriffe völlig unvorhersehbar sind.

Dem klassischen Wirtschaftszyklus aus Boom und Baisse, der letzten Endes auch seinen Niederschlag in der Entwicklung der Anleihe- und Aktienkurse fand, wurde in dem Augenblick ein Stock in die Speichen geworfen, als Alan Greenspan (ob aus eigenem Antrieb oder durch Druck der Finanzindustrie und/oder der Politik, sei dahingestellt) anfing, die Leitzinsen immer weiter auf ein unnatürlich niedriges Niveau zu senken, um dadurch zu verhindern, dass eine Rezession überhaupt entsteht.

Das geschah aus der Befürchtung heraus, dass die Konstellation aus Konsumverhalten, der Verschuldung privater Haushalte und der öffentlichen Hand und Schieflagen innerhalb der Finanzindustrie dazu führen würde, dass aus einer normalen Konsolidierungsphase eines vorherigen Aufschwungs eine deutlich größere Flaute würde.

In den neunziger Jahren funktionierte das zunächst auch, weil diese Vorgehensweise da erstmalig ausprobiert wurde. Das Problem dabei war jedoch, dass man glaubte, diese „Medikation“ ab sofort regelmäßig einsetzen zu können. Dementsprechend schaukelte sich die Rendite, die die Sparer als Verzinsung ihres Vermögens erwarten konnten, bei jeder Krise eine Etage tiefer. Immer niedrigere Zinsen zu erzwingen wurde zum Allheilmittel, um die Konsequenzen des Platzes der „Dot.com-Blase“ ebenso wie der Subprime-Krise zu „behandeln“ … und zuletzt auch noch der Eurokrise.

Und jetzt stehen wir dumm da. Gängige Denkmodelle, ob Keynes oder Hayek, kann man eigentlich komplett in die Tonne treten, wenn in einem derartigen Ausmaß wie heutzutage versucht wird, das aus den normalen Wirtschaftszyklen entstehende Verhalten der Sparer beziehungsweise Konsumenten derartig zu beeinflussen, dass man sich um unangenehme Konsequenzen vorheriger Idiotie herumdrückt.

Dementsprechend haben wir nun eine Situation, in der niemand auch nur ansatzweise absehen könnte, was uns blüht, wenn der notwendige nächste Schritt nicht getan werden kann. Und das wäre die Rückführung der momentanen Extreme auf ein Niveau, das Politik und Notenbanken in die Lage versetzen würde, im Zuge einer nächsten, allgemeinen Abschwächung der Weltwirtschaft überhaupt noch Maßnahmen ergreifen zu können. Konkret hieße das… (Seite 2)



 

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9 Kommentare auf "Ein Hoch auf die Wissenschaft!"

  1. Pinsel sagt:

    Unser Frank Meyer auf N-TV mit seinem Berlusconi-Vulkan Bunga Bunga!Ein verschmitztes Grinsen ließ sich nicht vermeiden!Der sympahtischte „Drecksack“ am Börsenpuls!Man muß ihr Fan sein! Großartig!

  2. Michael sagt:

    Der Soziologe erhebt Statistiken und beschreibt den Sozialdarwinismus. Die Tätigkeit eines Ökonomen unterscheidet sich kaum von der des Soziologen. Beide untersuchen das selbe.

    In den U.S. hat eine Familie so 750k USD Schulden und unter 6,3k Savings. In den 80er Jahren waren das 75k Schulden per Familie und 3k Savings. Geld muss genug da sein…

    Mathematik ist eine Art Sprache. Bei den Physikern überholt sich das Wissen auch laufend, aber man kann von Wissen sprechen. Sie können mit viel in den Wirtschaftswissenschaften Erkenntnisse über den Systemzustand gewinnen. Zumal ja Geld und Arbeit nicht miteinander verwandt sind und eigentlich zweit an sich unabhängige Größen sind die allein durch den Vorgang der Bewertung miteinander verbunden sind … was will man großartig rausfinden…

  3. Midas sagt:

    Zur Erinnerung: Wir haben kein Warengeld, sondern Kreditgeld. Jeder Pfennig, jeder Euro, den wir als Gläubiger besitzen, schuldet irgendjemand. Also, wenn angeblich „Geld genug da ist“ (z.B. Schui), dann sind immer auch Schulden „genug“ da. Während Geldgläubiger einfach ihr Geld beliebig lange liegen lassen können, müssen Geldschuldner regelmäßig Zins und Tilgung leisten. Jetzt kommt der wichtigste Zusammenhang, der fast überall, aus welchen Gründen auch immer, verschwiegen wird: Solange alle Geldgläubiger sogar mit Hilfe von Zins – und Zinseszinsgutschriften immer mehr sparen, steigen zwangsläufig auch die Schulden aller Geldschuldner. Da können nur einzelne Geldschuldner schuldenfrei werden, aber immer nur auf Kosten der übrigen Geldschuldner, die entsprechend höhere Schulden aufnehmen müssen. Wir bekommen eine Deflation, wenn beispielsweise zu viele Geldschuldner ihre Verschuldung durch verminderte Kreditaufnahme senken wollen, oder die Banken zu wenig neue Kredite vergeben, während die Geldsparer unbekümmert weiter sparen. In dieser Situation sind niedrige Zinsen hilfreich. Es gibt viele Zinstheorien. Die Gegenwart hat sie alle widerlegt. Statt zu konsumieren, sparen die Geldgläubigen (!) auch ohne Zinsgutschriften weiter. Der Guthabenzins hat nur einen einzigen Zweck: Das ist die Bereicherung der Geldgläubigen für ihr Nichtstun. Alles andere ist politische Ideologie, die irgendwelche unausgesprochenen Ziele verfolgt. Man hört oft: Die Verschuldung ist zu hoch! Mein Gott! Da muß man mal endlich damit anfangen, die Ersparnisse der Geldgläubigen zu reduzieren. Das kann man auch mit Propaganda versuchen: Leute, löst eure Geldersparnisse auf, geht ordentlich einkaufen, sonst müssen wir eure Geldsparnisse durch höhere Steuern reduzieren. Dann käme die Wirtschaft auch wieder in Gange. Das wäre das wirksamste Konjunkturprogramm aller Zeiten. Warum macht man das nicht? Warum wird der Zusammenhang von Geld gleich Schulden weitgehend verschwiegen? Bis jetzt habe ich die einzigen Antworten darauf in der noachidistischen Bibel gefunden. Dort wird empfohlen: Du sollst den Völkern auf Pfand Geld leihen, damit du ihnen zum Kopf wirst und nicht zum Schwanz. Ein Volk ohne Führung ist verloren. Du sollst die Völker mit einer großen Verwirrung verwirren bis sie vertilgt sind und vieles dergleichen mehr. Man erfüllt buchstabengenau die noachidistische Interpretation der Bibel. Ein Crash passt sehr gut in dieses Bild, zumal er für die Pfandgeldverleiher riesiges Bereicherungspotential bietet, das weit über das früher übliche Bauernlegen hinausgeht.

  4. FDominicus sagt:

    @Midas Und genau dann wenn man sein Geld nicht mehr in Schulden hält also für die Schulden etwas kauft, fällt Ihre Argumentation in sich zusammen. Und was Ihr eigentliches Ziel ist, ist auch sonnenklar. Leute spart nicht mehr. Ihr Voodoo wurde genau in dem Bericht kritisiert. Ihr Name spricht Bände, Sie sind genau der Typ von Mensch der jeden Blödsinn einfach nur mit noch mehr Verve ausführen möchte.

    Und noch ein Ziel von Ihnen kann jeder sehen der lesen kann. Zins ist schmutzig und schuld. Wenn man den armen Schuldnern da entgegen kommt tut man Gutes. Ihre Art widert mich zutiefst an.

    • Michael sagt:

      Denke dass gerne Schuld mit Schulden vermischt wird. Die Schuld, die am ‚Geldschein‘ dranhängt am Tauschmittel – Schuld + Tauschmittel = Kredit, wird dann in Anspruch genommen, wenn der Verwender die Rückforderung des Tauschmittels aus dem ‚Umlauf‘ dem ‚Pot‘ fordert – sprich Tauschmittel zum Zwecke des Tausches weitergibt und Produkte bereitstellt. Wenn zuviel ‚Geld‘ da ist und zu wenig bekunden und auch so handeln, dann kommt die Inflation.

      Banken sind eben in der besonderen, dass sie eben nur bekunden. Der Konsument (Einkommensbezieher) verzichtet auf das Wiedereinsammeln soweit als, dass er mit einem Arbeitsvertrag eine kollektiven Tauschmittel Wiedereinsammelbekundung beitritt. Je mehr im Kollektiv bekunden desto unfreier wird der Markt.

      Der Arbeitgeber sperrt den Zugriff auf die Tauschmittel – ein unselbstständig Erwerbstätiger kann eigentlich nicht ohne Verzicht, wo einfach wohlgemerkt, kein Darlehen zurückzahlen. Zumal der Zins ja an andere Teilnehmer wird ausgeschüttet kann ein Darlehen nur der Investition dienen. Damit kann der Erwerbstätige mal nicht investieren außer Erspartes und selbst die Tauschmittel nach der Wiedereinsammelbekundung nur schwer rückfordern aus dem Umlauf. Die Rückforderung macht er ja im Rahmen des Arbeitsvertrags. Mal vom begrenzten Spielraum des Verzichts abgesehen und Aktien als Investition. Damit verbleibt der Staat als Option (auch nicht ganz sauber). Das sog. Ersparte wird auch in einer Konsumtransaktion ohne realen Gegenwert der Bank übergehen und somit weg. Es wird immer so getan als würde ein unselbstständig Erwerbstätiger alles konsumieren. Giralgeld usw… sind alles nur nachgelagerte Probleme die eben eine Lösung bieten wollen für sich nicht im großen Stile das eigene Wasser beim Versuch Kapital zu bilden abzugraben. Giralgeld ist kein Geld und halt auch mit Risken behaftet – Reclaiming from the Supply in der Freizeit.

      Daraus folgt ein dass Geldmetall eigentlich ein fairer Werteaufbewhrungsspeicher ist. Tauschmittel mit Schuld (Geld – Schuldgeld) wandert zu dem der es benötigt und den Willen bekundet die Tauschmittel wiedereinzusammeln. Auf ein Sparbuchlegen heißt bei der Bank zu verkonsumieren mit dem Nachweis dies getan zu haben (Sparbuch, Anleihen … usw…).

      Es muss mal eine ‚positive‘ Schuld für einen Tausch gebildet werden zur Gegenrechnung (Erfindung in der Garage) aber die Schuld verschwindet nicht, die heißt allein bekunde sofort Wiedereinsammeln. Beim unselbstständig Erwerbstätigen wird halt die Arbeitszeit als positive Schuld angesehen die an sich aber in Form von Produkten dem Arbeitgeber zufällt – nur der sammelt ein.

      In einer Welt in der in der Breite zu wenige riskieren haben am Ende die wenigen die würden leichtes Spiel und auch kein Risiko. Meiner Ansicht nach ist die Misere eher ein Problem, dass Unternehmen keine rekursive Struktur ist und Banken eben Wege suchen dieses Problem, dass der unselbstständig erwerbstätige Konsument noch nicht mal realistisch investieren kann zu beheben. Nicht unternehmerisch tätig zu sein in der Freizeit führt zwangsläufig zum Kollaps der freien Marktwirtschaft …. das ist passiert.

      • Michael sagt:

        Die Schuld ist nichts anderes in unserem aktuellen Geld als die Verpflichtung Wiedereinsammelfreude an Tauschmittel zu bekunden nachdem man sie an den ‚Umlauf‘ abgegeben hat. Diese Verpflichtung ist der Fluch … bei einer gedeckten Währung treffen sich 2 Wiedereinsammelfreudige und bekunden dies freiwillig.

        • Gandalf sagt:

          Das „Wiedereinsammeln“ ist nicht der Punkt Michael.

          Warengeld (insbesondere Gold) ist ‚vorausbezahtle ProduktionsZEIT'(!) ..und Zeit will jeder haben.

          Bei Schuldgeld muss hingegen die Zeit nachgearbeitet werden – und das will niemand, deswegen müssen sie es anbieten wie Sauerbier und Sündenböcke suchen (siehe unseren Freund „Midas“)

          Grüße

  5. FDominicus sagt:

    Unser „Geld“ hat eben zwei Probleme
    – Es ist „nur“ ein Schuldschein
    – und es wird mit jedem Kredit einer Bank aus dem Nichts geschaffen.

    Das Problem mit den Banken ist:
    – Sichteinlagen sind „nur“ Forderungen
    – es wird weitaus mehr verliehen als die Bank „eigentlich“ zu verleihen hat.

    Kurz dieses Geld ist ein institutionalisierter Betrug, der von Staaten gedeckt wird um dessen Geldgeber möglichst immer am Laufen zu halten.

    Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    • bluestar sagt:

      @FDominicus
      Institutionalisierter Betrug ist die richtige Bezeichnung. Dazu passt dann der gute Henry Ford mit „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Aber keine Angst, die Menschen werden es nicht verstehen und wir werden demnach keine Revolution haben, auch nicht wenn das ganze Betrugssystem um die Ohren fliegt….

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