Ein großartiger Tag!

3. Juni 2009 | Kategorie: Kommentare

Ach, es geht doch nichts über einen DAX über 5.000 Punkte, paar kleine Unstimmigkeiten, ein paar Spekulationen und klug eingefädelte aber nicht zu ahndende Betrügereien. An der Börse hat man sich dann etwas zu erzählen. Wir wurden in den letzten Monaten damit reichlich beschenkt. Das Dumme dabei aber ist: Man gewöhnt sich so schnell daran. Es macht süchtig. Also muss man sich etwas Neues ausdenken. Wichtige Menschen waren heute damit besonders erfolgreich…

Weniger erfolgreich waren die Burschen von General Motors. Doch gerissen sind sie schon, möchte man meinen. Alle Achtung! Nicht dass sie Autos bauen könnten, nein, aber wenn es um Geld geht, haben sie scheinbar einen guten Riecher. So stellte man beim Durchsehen der Kreditunterlagen für Opel einen klitzekleinen Passus fest, der General Motors (oder wem auch immer) schnell noch zu einem Geldsegen von 334 Millionen Euro verholfen hätte. Die Summe sollte auf die Cayman Islands überwiesen werden, dem Steuerparadies in der Karibik. Das war natürlich ein Versehen, stellte sich schnell heraus. Oh Sorry!

Sicherlich gehört es zwingend zu einer breiten Aufstellung von ehemals mächtigen Unternehmen von Weltruf, dort Konten zu unterhalten. Und wenn es sich dabei um ein amerikanisches Unternehmen handelt, wird sich wohl niemand daran stören.


Hochdruckgebiet über Irland gesichtet

Wenn Größenwahn einen Namen hat, dann trägt er den von Ryanair-Chef Michael O’Leary. Das ist der Mann, in dessen Flugzeugen man fürs Pinkeln bezahlen muss. Jedenfalls stand das mal in der Presse. Mit seiner Verlust einfahrenden Ryanair hat er jetzt ein Auge auf die Lufthansa geworfen. Er könnte sie fast mit Barmitteln kaufen, sagte er. Wir wissen nicht, was wir davon halten sollen, aber in einer Zeit, in der die Tage lang sind, brennt auch die Sonne heiß. Vielleicht war sogar irischer Whisky im Spiel. Wer will das so genau wissen?

Der US-Finanzminister weilt derzeit gerade in China. Ich kenne die Wetterbedingungen dort nicht. Aber er sagte, Chinas Investitionen seien sehr sicher. Und der Dollar sei eine harte Währung, der man auch in Zukunft vertrauen könne… Einen gewissen Witz kann man ihm wirklich nicht absprechen…

Ein Land der Aktionäre

Heute ist ein glücklicher Tag für unser Land. Wollten wir nicht immer schon ein Land der Aktionäre sein? Hurra! Jetzt sind wir es. Mit dem Einstieg in die Kopfschmerzbank, pardon, der Commerzbank, besitzt jeder Deutsche jetzt im Schnitt jetzt vier dieser Aktien zum durchschnittlichen Kaufpreis von 66 Euro. Seien Sie bitte nicht kleinlich, schließlich wurde die Welt damit gerettet.

Sie wissen bestimmt aus verschiedenen Beratungsgesprächen mit krawattierten Bankangestellten, dass man auf einem Bein schlecht stehen kann. Deshalb muss man klug diversifizieren. Hä? Na, breit streuen! Nicht alles auf eine Karte setzen! Nicht alle Eier in einen Korb legen! Klar? Deshalb dürfen wir heute froh sein, dass wir jetzt die zweite Position in unser Zukunftsdepot gekauft haben: Hypo Real Estate. Wir machen den Weg frei – sagte die Soffin, die namlich die Schwester der Bafin sein könnte.

Mit einer Kapitalerhöhung in Höhe von drei Milliarden Euro erhöht sich unser aller Anteil an der HRE von derzeit 47% auf dann hoffentlich 90%, damit wir dann die anderen lästigen Aktionäre raussqueezen können. Bitte? Na rausekeln! Abfinden! Auszahlen! Wegpusten! Loswerden! Enteignen! Ach hören Sie auf, Sie ErbsenzählerIn!

Der arme Axel Wieandt, der jetzige Chef der HRE… Die Aktionäre schleuderten Blitz und Donner, selbst wenn Aufsichtsratschef Michael Endres versuchte, die Stimmung zu besänftigen: „Keiner von uns ist in das Debakel der Bank involviert gewesen.“ Jawoll! Ja, die Herren sitzen bei diesem herrlichen Wetter vielleicht im Eiscafé oder spazieren lustig durch den Stadtpark und füttern Tauben.

Doch der Tag der HRE-Hauptversammlung wird uns zu glücklichen HRE-Aktionären machen, wenn wir erst mal Mehrheit an dieser „Drecksbank“ besitzen, wie sie Jochen Sanio, der BaFin Chef nannte.

Breit streuen… bis man breit ist

Und dass man nicht alles auf die Finanzbranche setzt, kommt vielleicht bald noch Arcandor dazu. Wozu haben wir den „Wirtschaftsfonds Deutschland“ gegründet und diesen mit Milliarden ausgestattet? Der Einzelhandel läuft ja so gut. Fehlt nur noch etwas Maschinenbau, etwas mehr Autoindustrie, Schiesser Feinripp, etwas Porzellan von Rosenthal, und nicht zu vergessen – Modelleisenbahnen für die Kleinen. Wir sollten das aber langsam angehen, um ein wirklich ausgewogenes und diversifiziertes Portfolio aufzubauen. 1.100 Unternehmen sollen schon einen Antrag auf Staatshilfe abgegeben haben. Das liest sich wie ein Kurszettel…

Hey, weiß jemand, wo man so einen Antrag abgeben kann?

Oh, die FTD meldet gerade, der Dow umtänzelt die Nulllinie. Ist es denn schon soweit?

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