Ein goldiges Missverständnis

30. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer  Was ist nur beim Gold los? Seit seinem Hoch im Jahr 2012 hat die Feinunze fast 500 Euro verloren, also ein Drittel. Am Freitag gab es einen Lichtblick. Vielleicht war es nur das Licht eines Eilzuges im Tunnel. Die Experten haben längst die Flinten ins Korn geworden. Und jetzt?

Wenn i-phones um ein Drittel billiger würden, sähen wir dann nicht einen Ansturm auf die Länden? Wer gibt sein Geld schon für dieses Blech aus? Vielleicht nur Dummköpfe wie ich oder diejenigen mit zuviel Geld und Sorgen um dieses. Führende Kommentatoren meinen, man sollte Gold jetzt verkaufen, denn nur Geld arbeitet und Gold ruht nur. Es wäre an der Zeit, das Blech in Zinsanlagen zu stecken. Welche Zinsen? Ich mag das Geschrei.

Erinnern Sie sich, als die führenden Kommentatoren am preislichen Hoch zum Kauf rieten und Banken die Kursziele anhoben? Heute raten die Meinungsmacher zum Verkauf und Banken sehen schwarz fürs Goldene. Ich mache gerne das Gegenteil von dem, was sie raten. Mein Lieblingswort der Woche ist „hätte“. Hätte man doch damals auf dem Hoch alles verkauft. Auf dem Hoch hieß es damals, hätte man doch zuvor noch viel mehr gekauft. Vielleicht fällt der Goldpreis noch weiter? Am billigsten ist Gold, wenn man es klaut. So aber bekommt man heute für 1.000 Euro 35 Gramm Blech, auf dem Hoch im letzten Jahr waren es nur 23 Gramm. Nein, mit Gold wird man nicht reich. Das wird viele enttäuschen. Es taugt nicht für eine Spekulation sondern nur als Parkplatz für gesparte Gelder außerhalb des Finanzsystems.

Ja, Gold ist eine blöde Sache. Aus Tradition liegt es am liebsten faul herum. Bei Gold geht es mehr um Besitz als um den Preis. Am Montag übrigens wird der DAX 25 Jahre alt. Führende Kommentatoren raten, ihn zu kaufen. Was sind 25 Jahre im Vergleich zur Historie zum Gold?

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


Ein goldiges Missverständnis

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5 Kommentare auf "Ein goldiges Missverständnis"

  1. samy sagt:

    Irgendwie möchte ich hier meinen Spruch der Woche hinterlassen, er stammt von Felix Zulauf:

    „Wir kommen aus einem risikolosen Zinsumfeld in ein Umfeld mit zinslosem Risiko. Es gibt keine sicheren Anlagen und keine Renditen mehr, sondern nur noch Risiken.“

    Den letzten Satz noch einmal lesen, und dann weiß man wieder wieso ein wenig Gold im Schrank nicht schaden kann.

  2. Torsten sagt:

    Die Kolumne bringt es auf dem Punkt!

  3. crunchy sagt:

    Nun, ja lieber Frank. Wie Du weißt, hatte ich bereits im März 2011 marktschreierisch vor einem Silberinvestment gewarnt. Mitte April trennte ich mich von dem Teil meines physischen Bestandes, den ich steuerfrei verkaufen konnte. Aber, ja: Am letzten Handelstag desselben Jahres kaufte ich mit dem Erlös (plus ca. 1/4tel) Silber zurück. Über $ 28,- habe ich dann fleißig weiter zugekauft, zuletzt Anfang 2013. Und dann folgte die Bärennummer:
    “ Ich saß vor´m Loch und brummte.“
    Rückblickend stelle ich fest, dass die Gold- und demnächst wohl auch noch die Silber ETF´s das Lied komponierten.
    Damit komme ich auf den Punkt: Langfristig zählt nicht, was der Trendfolger gerade spielt, der muss seine Verluste begrenzen, sondern in diesem Endspiel des Fiatsystems, nur was man wirklich hat:
    Geld oder Gold (Silber). Besonders beachtenswert ist das Anlegerverhalten der physischen Käufer. Darunter gibt es welche, die Verluste „im Geiste“ nicht ertragen können. Wenn deren Abverkauf ausläuft (fallende Verkaufsumsätze)sollte man weiter zukaufen. Wenn, was gerade in „€U-ropa“ jederzeit möglich ist, die Lumpen mal wieder die Abzocksaiten anschlagen, hätte man zulange gewartet.
    Am Rande: Ich wollte mich in der aktuell interessanten Situation mal in der Metallwoche anmelden. Scheinbar bin ich zu doof dafür!

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