Ein Gespenst geht um – die Drachme

20. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Wenn Politik Gutes tun will oder an großen Visionen leidet, hat es oft mit Wohlfahrt auf Pump und anderen Experimenten zu tun wie dem Euro. Die Kunstwährung ähnelt inzwischen mehr der Drachme als der D-Mark. Für Griechenland war der Euro erst Segen, dann Fluch…

Treten die Hellenen aus? Für die meisten wäre das ein Fest. Hand heben. Schulden streichen. Neuanfang. Mit der Drachme. Kommt sie zurück, wird sie so schwach, wie sie sie es immer war. Währungen passen sich Modalitäten an und umgekehrt. Der Euro hat einiges in Griechenland gestört. Ungeachtet dessen wird er verteidigt? Wolfgang Schäuble erhält den Karlspreis. Im Jahr zuvor bekam wurde Ex-EZB-Chef Trichet geehrt. Passt.

Griechen räumen ihre Bankenkonten, sofern noch etwas darauf ist. Wenn sie wüssten, dass sie nur buntes Papier unter Matratzen verstecken. Längst sind Milliarden aus Griechenland ins Ausland geschafft. Sollte die Drachme wieder kommen, können Euro in die neue Währung getauscht werden. Man wird sehr viele Drachmen dafür erhalten. Was man damit kaufen kann? Griechische Aktien? Sie notieren jetzt so tief wie damals 1990. Dabei heißt es doch, Aktien wären Sachwerte. Können sie weiter fallen? Warum nicht? Wenn Schulden der Unternehmen zu groß geworden sind wie bei Banken und dann Geschäftsmodelle mangels Umsatz kippen, hat es sich mit der „Sache“. Der Euro hat dabei keine unmaßgebliche Rolle gespielt.

Manche Visionen sind eben hartnäckig wie manch Aberglaube – auch die Vorstellung, dass Märkte mit Politik jederzeit bezwingbar wären. Da kann nur der Arzt helfen – Dr. Market. Er ist immer im Dienst.

©Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten

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