Ein Gasverkäufer namens Barack

8. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nachdem die EU in der Ukraine mit den Folgen ihres außenpolitischen Schnupper-Praktikums zu kämpfen hat sorgen sich nun zahlreiche Politiker um die europäische Energieversorgung. Die Vorstellungen mancher hochrangiger Parlamentarier sind geradezu grotesk. So möchte man sich durch Erdgas aus den USA von russischen Energieströmen unabhängiger zu machen….

Unaufhaltsam sucht sich so der Mythos vom billigen Gas nach den europäischen Firmen nun die nächsten Opfer.

Man fragt sich bei vielen Gelegenheiten, wie und warum manche wirtschaftliche Entscheidung getroffen wird. Das Thema Erdgas aus den USA ist diesbezüglich ein interessanter Fall. Während die Zahlen zum Fracking, zur Energieausbeute und den Kosten angesichts der geweckten Hoffnungen geradezu lächerlich wirken, sind viele Entscheider offenbar nicht zum Umsteuern oder Nachdenken bereit. Man hofft, vermutlich aus Verzweiflung, darauf, dass die Gaspreise in den USA tatsächlich über zig Jahre niedrig sein werden. Einige nehmen diese überaus hoffnungsfrohe Annahme gar zum Anlass, neue Produktionsstätten in den USA zu eröffnen und so einige Milliarden Euro auf die Geschichte vom billigen Gas zu setzen. Das ist abenteuerlich und für Arbeitnehmer und Investoren gleichermaßen gefährlich.

Noch viel abenteuerlicher ist es jedoch, wenn Staaten aus Leichtfertigkeit die Energieversorgung ganzer Nationen aufs Spiel setzen. Als Begründung kommen (a) außenpolitische Hörigkeit, (b) Unfähigkeit, (c) Naivität oder (d) Absicht in Frage. Auch eine Kombination mehrerer Faktoren ist nicht auszuschließen. Überdenkt man die derzeit verbreitete Geschichte von der US-Alternative zum russischen Gas, so kommt man schnell ins Zweifeln. Viele Fragen kann man stellen, beantwortet wird keine einzige. Wie beim Euro scheint das Prinzip der warmen Worte jegliche Argumentation zu ersetzen. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ lautet ein ebenso bekanntes wie unsinniges Motto, das interessanterweise von den gleichen Verantwortlichen verbreitet wurde, die stets betonen, man solle Europa nicht auf die wirtschaftlichen Aspekte reduzieren.

Beim Thema Erdgasversorgung bleibt jeder Diskussionsversuch bei der vielbeschworenen „Unabhängigkeit“ stecken. Das ist umso bemerkenswerter, als man durch den bloßen Tausch eines Lieferanten natürlich nicht unabhängiger wird, sondern lediglich einen Wechsel desjenigen vornimmt, von dem man abhängig ist. Ein Junkie wird durch den Wechsel des Dealers nicht clean.

Putzig sind die Veröffentlichung in mancher Gazette, die schon etwas vorwegnimmt, was möglicherweise niemal eintreten wird.

lustig und falsch

 Die folgende Grafik zeigt den Verlauf des US Gaspreises (Future, Henry Hub) in den letzten Jahre. Man sieht deutlich die Volatilität. Spannender als die Schwankungsanfälligkeit ist jedoch der deutliche Preisanstieg seit 2013. Dafür, dass man im Grunde schon damit kalkulierte, man bekomme Gas dauerhaft fast geschenkt, ist die Bewegung überaus bemerkenswert.

gas chart

Der Blick auf die Entwicklung von Produktion und Verbrauch offenbart, wie naiv die Annahmen der Europäer sind. Natürlich führen sinkende Preise auch in den Staaten zu Veränderungen in den Verbrauchsmustern. Gerade bei der Stromerzeugung ist der Anteil von Erdgas seit den 90er auf ein Mehrfaches angestiegen. (Zum Vergrößern… anklicken)

persector

Diese Daten stehen übrigens jedermann, auch Abgeordneten und CEOs, gratis zur Verfügung. Aufschlussreich zum Thema „Gasexporteur USA“ ist auch der folgende Chart der Energy Information Adminstration.

gasimport usa

Ein bisschen Luft hat man offensichtlich noch beim Abbau der Importe, bis man überhaupt selbst zum Nettoexporteur wird. Da der Verbrauch seit einigen Jahren schneller zunimmt als die Produktion sollte man vorerst nicht allzu euphorisch reagieren. In der derzeitigen Diskussion wird also nicht über etwas gesprochen was schon real ist, sondern über etwas, von dem man hofft, dass es bald eintritt. Das sollte man sich vergegenwärtigen, wenn man Werbung eines vermeintlichen Gasexporteurs sieht, der in Wirklichkeit Nettoimporteur ist… (Seite 2)


 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , , , ,

10 Kommentare auf "Ein Gasverkäufer namens Barack"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Der Scherbenhaufen in Sachen Beziehungen zu Russland, den unsere unfähigen Außenpolitiker und Frau Merkel höchstpersönlich mit ihrem vom Westen unterstützten Putsch gegen eine demokratisch gewählte Regierung in der Ukraine angerichtet haben, ist nicht der einzige Beleg dafür, dass unsere Politiker von der Energieversorung offensichtlich wenig Ahnung haben.

    Es ist zu hoffen, dass die Regierung auf die zunehmenden Stimmen aus der Wirtschaft hört und den Sanktionsunfug so schnell wie möglich stoppt.

    Viel gravierender aber ist die Tatsache, dass die gesamte Energiewende nichts ist als ein einziger Ausdruck von totaler Unfähigkeit und Ignoranz. Es gibt einfach naturgesetzliche Fakten, an denen die Energiewende scheitern muss. Diese sind z.B.:

    1. Man kann Strom nicht in industriellen Maßstäben zu bezahlbaren Kosten speichern. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern, weil kein einziger physikalischer Effekt bekannt ist, mit Hilfe dessen man Strom großtechnisch speichern kann. Wenn also weder die Sonne scheint noch der Wind in der richtigen Stärke weht, wird man auf jeden Fall für die gesamte mögliche Stromnachfrage einen kompletten zuverlässigen Kraftwerkspark aus Wärme- bzw. Wasserkraftwerken brauchen. Windräder und Solardächer ersetzen kein einziges konventionelles Kraftwerk!

    2. In unserem Wechselstromnetz müssen in jedem Moment Frequenzstabilität und Phasensynchronizität der unterschiedlichen Kraftwerke garantiert sein. Sonst bricht das Netz zusammen. Beides jedoch können nur die Synchrongeneratoren in den konventionellen Kraftwerken mit ihren rotierenden Massen, die eben eine erhebliche Massenträgheit haben, leisten. Windmühlen können das nicht. Sie sind so überflüssig wie ein Loch im Kopf.

    Daraus folgt: Im Rahmen der heute bekannten Gegebenheiten kann die Stromversorgung der Menschheit nur durch Wärmekraftwerke, die entweder mit fossilen Brennstoffen oder mit Kernkraft betrieben werden, und

  2. Reiner Vogels sagt:

    Sorry, der Text ist abgesandt worden, bevor er fertig war.

    Der Schluss muss lauten: „… oder mit Kernkraft betrieben werden, und mit Wasserkraftwerken gesichert werden. Da die Möglichkeit von Wasserkraftwerken durch natürliche Gegebenheiten wie Niederschlagsmenge und Landschaftsprofil begrenzt sind, bleiben der Menschheit nur fossile Brennstoffe oder Kernkraft. „

    • Skyjumper sagt:

      Ihren Überlegungen folge ich mit einem eindeutigen „Njein“ 🙂

      Zunächst einmal kann man Strom natürlich durchaus auch in industriellen Maßstab speichern, nur (noch) nicht in dem gigantischen Umfang der Erforderlich wäre.

      Unterstellen wir einfach mal wir wären tatsächlich schon so weit, dass wir deutlich mehr als die Hälfte unseres Strombedarfs über sogenannte regenerative Energien abdecken würden (das ist allerdings ein wenig wie Shale-Gas aus den USA oder Kanada – bis es soweit sein könnte, dauert es noch Jahre).

      Für diesen Fall sollten Sie zunächst berücksichtigen, dass selbst dann ein Teil dieser regenerativen Energien durch Wasserkraft und Biogasanlagen erzeugt würde. Man muss sich also klar machen, dass die von Ihnen beschriebenen unleugbaren Nachteile sich „lediglich“ auf Photovoltaik und Windstrom beziehen, also immer nur auf einen Teil. Und nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit wird auch von diesem Teil immer nur ein geografisch begrenzter Teil gerade nicht funktionieren. Aber natürlich muss man dies schon in irgendeiner Weise berücksichtigen.

      Eine (Teil-)Möglichkeit wäre die Überdimensionierung der regenerativen Kapazitäten. Sowohl Wind-, als auch Sonnenenergie haben nämlich den Vorteil sich je nach Bedarf auch vom Netz „abklemmen“ zu lassen. Überkapazitäten auf den Mittelgebirgshöhen laufen dann eben nur, wenn an der Küste gerade Flaute herrscht.
      Eine weitere (Teil-)Möglichkeit wäre tatsächlich die Speicherung von „Strom“. Sogenanntes Windgas und Pumpspeicherwerke können selbstredend nur einen Teilausfall, und auch nur zeitlich begrenzt, kompensieren (zu vertretbaren Kosten), aber es wäre eben durchaus ein Teil einer Gesamtstrategie.
      Eine 3. (Teil-)Möglichkeit ist die Anpassung von Nutzungsgewohnheiten. Nein, ich will jetzt nicht die Zwangskeule rausholen. Aber es wird Menschen geben, die das ganz freiwillig und aus Überzeugung machen werden, und auch das ist eine Teillösung.

      Und last not least vergessen Sie einen weiteren Punkt, von dem weder Politik noch Energiekonzerne etwas wissen wollen, geschweige denn, dass sie uns darüber informieren wollen: Ein Großteil der Probleme bei den regenerativen Energien resultiert aus der schieren Größe des Systems. Dezentrale Kleinsysteme, nämlich der teilautarke Selbstversorger der überwiegend weder vom Staat noch vom Konzern abhängig ist, könnte hier maßgeblich etwas ändern. Das allerdings ist tatsächlich etwas für Überzeugungstäter, denn ökonomisch ist das nicht, und daher sicher keine Gesamtlösung, sondern wiederum nur eine Teillösung.

      Langer Rede kurzer Sinn. Die sogenannte Energiewende in der aktuell angedachten Art und Weise ist typischer Politikermurks. Aber es ist mit Sicherheit genauso falsch deswegen das Kind mit dem Badewasser auszugiessen und die über kurz oder lang erforderliche (echte) Energiewende zu verteufeln.

  3. bluestar sagt:

    Toller Artikel von meinem Lieblings-Bankhaus.
    Fakten und Hintergrundinformationen immer mit einer Brise Humor/Sarkasmus gewürzt serviert, das hat für mich schon einen künstlerischen Wert.
    Herzlichen Dank und bitte weiter so!!!
    Der Umgang unserer Praktikanten/Regierung zum Thema Gasversorgung entspricht von der Qualität allen anderen abartigen Handlungen zu Euro, ESM, usw.
    Außenpolitische Hörigkeit, Unfähigkeit und Absicht werden wohl die Ursachen sein.
    Da dadurch die Interessen des deutschen Volkes vorsätzlich geschädigt werden, nähern wir uns langsam in den Bereich von Hochverrat.

  4. Reiner Vogels sagt:

    @ Skyjumper

    Es stimmt, dass die von mir aufgezählten Kritikpunkte vor allem den Wind- und den Solarstrom betreffen. Ich danke Ihnen, dass Sie in dieser Hinsicht meine Kritik weitgehend bestätigen.

    Zu Biomassestrom und Strom aus Wasserkraftwerken habe ich, obwohl diese grundlast- und spitzenlastfähig sind, aus folgenden Gründen nichts geschrieben:

    1. Ihre Kapazität ist sehr begrenzt und in Deutschland weitgehend ausgeschöpft.

    2. Ich halte es für höchst unethisch, in einer Zeit, in der weltweit Millionen von Menschen hungern, die durch die Größe der Erde nun einmal begrenzte nutzbare Ackerfläche nicht zur LInderung des Hungers, sondern zum Erzeugen von Biosprit oder Biostrom zweckzuentfremden.

    Was im übrigen Ihre Überlegungen zur zeitlichen Steuerung der Stromnachfrage und Ihre Darlegungen zur Dezentralisierung der Stromversorgung betrifft, so möchte ich auf zwei Punkte hinweisen:

    1. Die Stromnachfrage lässt sicht zetlichi nur minimal verschieben, da sie durch den Tag- Nachtrhythmus und damit den Lebens- und Arbeitsrhythmus der Menschen bestimmt wird.

    2. Eine Stromversorgung, die in einem großflächigen Verbundnetz organisiert ist, ist viel eher als viele zentrale Insellösungen in der Lage, die ständig schwankende Stromnachfrage abzufedern. Das ist historisch der Grund dafür gewesen, dass man von den ursprünglichen Insellösungen zu immer gößeren Verbundnetzen übergegangen ist.

    • Skyjumper sagt:

      @Reiner Vogels

      Alle Ihre Hinweise sind zutreffend. Deswegen hatte ich auch versucht zu betonen, dass alle Lösungsansätze die ich aufgelistet hatte jeweils nur Teile einer Gesamtlösung sind. Worum es mir primär ging, war darauf aufmerksam zu machen, dass wir (und beileibe nicht nur beim Thema Energieprobleme) stets nach Universallösungen suchen. Durch strikt lineares Denken verstellen wir uns selbst den Weg für Lösungen die zwar die Probleme nicht auf einen Schlag beseitigen, aber doch, jede für sich, das Problem reduzieren.
      Und durch diese Denkbeschränkung stehen wir dann wie der berühmte Ochs vorm unüberwindlich hohen Berg.

      Unser Energiebedarf wird weltweit weiter steigen, und zwar deutlich. Wir können trefflich darüber diskutieren, ob uns die fossilen Energieträger in 30, 60 oder erst in 90 Jahren ausgehen werden, aber irgendwann wird es soweit sein. Und Kernenergie? Bitte so wenig wie
      unabdingbar erforderlich, wobei auch ich davon ausgehe, dass wir auf absehbare Zeit nicht darauf verzichten können. Aber Änderungen/Alternativen sind aus meiner Sicht unabdingbar erforderlich, und nach derzeitigen Wissensstand sind dass die regenerativen Energien.

      Das Thema Ethik in Zusammenhang mit Biostrom, oder besser gesagt Biogas, stimmt natürlich. Doch auch ohne Extraanbau von Mais etc., nur zum Zwecke der Biogasanlagen, kann aus Gülle und Abfällen Biogas gewonnen werden. Die Zweckentfremdung ist ein typisches Ergebnis unserer Politikerkaste und ihres Instrumentenkoffers und ich lehne das genauso ab wie Sie.

      Bei den Insellösungen habe ich mich offenbar missverständlich ausgedrückt. Ich meinte keineswegs zentrale Insellösungen (obwohl auch die stellenweise Sinn machen), sondern vielmehr dezentrale „Insel“lösungen. Ich kann (bzw. könnte, da der Gesetzgeber es sehr sehr schwer macht) bei mir im Privathaushalt meinen Strom prima selbst erzeugen, selbst speichern (Batterien), und selbst verbrauchen. Das ist unökonomisch, keine Frage, aber ich würde es z.B. gerne machen um einen gewissen Autarkiegrad zu erreichen. Diese Möglichkeit haben längst nicht alle, sei es platzmäßig oder finanziell, weshalb auch das eben wieder nur eine kleine Teillösung ist/wäre……….aber es geht.

  5. Reiner Vogels sagt:

    @ Skyjumper

    Obwohl ich Ihnen in vieler Hinsicht zustimme, dennoch ein paar kritische Anmerkungen:

    Ihr Beispiel mit der privaten Autarkie ist schön. Auch ich träume davon. Allerdings muss man immer bedenken, dass in einem Industrieland wie Deutschland die Stromversorgung von Privathaushalten das kleinste Problem ist. Private benötigen nur etwa ein Viertel des in Deutschland verbrauchten Stroms.

    Entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ist die zuverlässige und bezahlbare Versorgung der Industrie mit Strom. Dies aber ist auf gar keinen Fall mit den „Erneuerbaren“ machbar.

    Es bleiben nach wie vor nur fossile Energien und Kernkraft. Die Hoffnung auf die „Erneuerbaren“ geht einfach an der physikalischen Realität vorbei. Es hat keinen Sinn, sich aus der harten Wirklichkeit der Welt in Wunschträume zu flüchten.

    Alle großen Industriestaaten außer Deutschland dieser Erde wissen das und bauen neue Kernkraftwerke. In vielen Staaten wird zudem an Kernkraftwerken der 4. Generation geforscht, die inhärent sicher sind. Meine Überzeugung ist, dass dort die Zukunft liegt. Deutschland wird am Ende der Dumme sein, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat, und künftige neue Kernkraftwerke teuer im Ausland kaufen muss.

    Siemens jedenfalls, das einmal auf diesem Gebiet führend in der Welt war, hat sich verabschiedet und sich statt dessen der mittelalterlichen Windmühlentechnik verschrieben. Das Unternehmen wird dafür einen hohen Preis zu zahlen haben.

    • Berufsinkontinent sagt:

      Hallo Herr Vogels,

      beten Sie da nicht die Argumente der deutschen „Exportindustrie“-Lobby relativ unkritisch nach – unbezahlbarer Strom, Schädigung des Industriestandorts „Deutschland“, etc. ?

      Die energieintensive Industrie zahlt dank Erneuerbarer Energien und des EEX-Preises, der am Boden liegt, derzeit so wenig für langfristige Belieferungsverträge wie nie zuvor. Ein Bekannter in der Auminiumindustrie berichtet von 38 Euro pro MWh, auf den privaten Verbraucher umgerechnet: 3,8 cent/kWh. Energieintensive Industrien Alu/Stahl bauen Kapazitäten in Deutschland auf, nur hängt das in Industriekreisen verständlicherweise niemand an die „große Glocke“, um seine Argumentation gegen Erneuerbare Energien nicht unglaubwürdig werden zu lassen.

      Und natürlich sind Wasserkraft und Bioenergie grundlastfähig. Und vor allem sind sie dezentral, was den Bau von Überlandleitungen aus den Braunkohlerevieren Richtung Süden in Frage stellen könnte. Wenn Sie als potentieller Stromerzeuger 60% Ihres Privatstroms selber erzeugen können, müssen nur noch 40% Ihres Stroms über das öffentliche Netz eingespeist werden. Multiplizieren Sie das mit der Zahl der potentiellen Selbstversorger, und rechnen das auf die erforderlichen Netzkapazitäten hoch, dann wissen Sie, warum „Eigenstromverbrauch“ in Zukunft finanziell mittels EEG-Umlage bestraft werden soll. Das Konzept der 4 großen Energieversorger geht dann nicht mehr auf, Energie zentral zu erzeugen, „in große Säcke zu verpacken“ bzw. in großen Mengen überland zu verschicken und ohne nennenswerte Konkurrenz hohe Gewinne zu generieren.

      Sehen Sie sich das „Elend“ auf der heutigen HV von RWE an, haufenweise Großkraftwerke entsprechend dem Konzept: große Mengen zentral produzieren und in großen Mengen „verkloppen“, aber Beschaffungskosten für fossile Energien, Zins und Abschreibung sowie Personalaufwand machen die Stromerzeugung jetzt defizitär. 11 Mrd. Euro Nettoschulden auch aus Akquisitionen im europäischen Ausland, die sich nicht gerechnet haben, wollen auch bedient werden.

      Das Aussterben der Energie-Dinosaurier hat begonnen.

  6. samy sagt:

    Die Luftpost aus Kaiserslautern schlägt in eine ähnliche Kerbe und übersetzt dazu einen Engdahl-Artikel.
    http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP07014_140414.pdf
    Titel: „Das Weiße Haus belügt die EU über mögliche US-Gaslieferungen“
    Wer weiß? Vielleicht hat sich die USA mehr vom Fracking versprochen. Vielleicht sollte die EU nur von Russland getrennt werden. Vielleicht sollte der Hype nur Kapital anlocken, um die Preise durch Produktionsüberschüsse auch für den umständlichen Export konkurrenzfähig zu machen. Und nun floppt die Technologie. Und man hat nichts in den Händen, wenn Putin droht den Hahn zuzudrehen.

    VG

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.