Ein finanzielles Dschungelcamp

1. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der Unterschied zwischen dem Finanzmarkt und dem Dschungelcamp ist gar nicht so groß. Statt Kakerlaken und anderem Ungeziefer gibt es dort vor allem finanziellen Giftmüll, besonders im Bankensektor…

Selbst wenn dieser in einer Bad Bank versteckt wird wie über 200 Milliarden Euro in Italien oder ein paar weniger Milliarden bei der HSH-Nordbank, stinkt er weiter beißend vor sich hin.

Wer wird für den Schaden und die Verluste letztlich aufkommen? Haben Sie eine Idee? Ach, Sie ahnen es schon!

Es gibt sogar einen Markt für gebrauchte Finanzabfälle! Und notfalls kauft ihn die Zentralbank auf.

Wer wirklich gute Gruselgeschichten mag, ist im Banken-Camp richtig. Hier wird niemand rausgewählt. Da kommen immer mehr dazu. Unter den deutschen Banken wurde die Deutsche Bank im Januar zum Dschungelkönig gewählt und hat die Commerzbank von ihrem ewigen Thron verdrängt. 

Manche nennen ja die „Deutsche“ ja noch den Branchen-Primus, wohl auch wegen des gigantisch großen Rekordverlusts von 6,8 Milliarden Euro im letzten Quartal. Das sind 19 Millionen Euro am Tag, inklusive Wochenende – aber auch wegen der Vielzahl an Problemen, welche man heute aber politisch korrekt als „Herausforderungen“ bezeichnet.

Die Verantwortlichen sind über alle Berge, während bei den unterbezahlten Verlustbringern der Bonus gekürzt wurde. Verständlich, dass die Söldner aus dem verlustträchtigen Investmentbanking nun weiterziehen. Sie verlassen das einstige Flaggschiff mit bedenklicher Schlagseite, welches an der Börse bei sinkenden Sternen, Reis und Bohnen darbt.

Allein im Januar stürzten die Aktien um 28 Prozent auf das Niveau der letzten Finanzgrippe. Seit dem Hoch hat die Aktie 87 Prozent verloren und längst auch ihre Unschuld, was vor Gericht weitere Milliarden kosten dürfte. Dazu scheppert es jetzt auch noch an den Börsen.

Für den DAX gab es im Januar mit minus zehn Prozent ordentlich Kasalla, was ja niemand ahnen konnte, bis es rief: „Good Morning in the Morning!“ Wie geht es weiter? Ruppig. Weitere Antworten würde Sie an dieser Stelle nur verunsichern.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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