Ein Boom, vor dem man sich fürchten sollte

3. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Der Crack Up Boom ist ein Begriff aus der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Geprägt wurde er von Ludwig von Mises. Auf Deutsch übersetzt, bedeutet er eine Katastrophenhausse an den Börsen – ein Aufschwung mit weit weniger Zuversicht in der Wirtschaft aber besonders großer Angst vor Wertverlust. Ist es schon soweit?

Man macht sich seine Gedanken, wenn man die Märkte anschaut, die seit nunmehr sieben Wochen am Stück steigen. Wirtschaftlich gesehen besteht dafür eigentlich kein Grund. Nur die Stimmungsindikatoren wie der Kaufrauschindex der GfK oder die Umfragen unter den Experten legen zu. Das mag vielleicht an ihren modernen Leerbüchern liegen (füge ein -h ein und streiche ein -e) oder auch daran, dass die Sonne in der kalten Jahreszeit zu wenig scheint. Ronald Gehrt fragte kürzlich, ob diese Rally an den Märkten ein „Fake sei“. Wer weiß? (Bild: Godmode-Trader)

Nominal gesehen sieht der DAX wesentlich besser aus als im letzten Jahr, aber was bekommt man für einen DAX in der realen Welt? Gehen die Pluszeichen bei Dax, Dow und Gold auf die innere Schwäche der einheimischen Währung zurück und sind nur eine Art von „Ausgleich“ dafür? Könnte die Entwicklung der letzten Wochen und die Aussicht auf unbegrenzte Kredite an Banken seitens der Zentralbanken der Beginn einer solchen Katastrophenhausse sein? Darüber hatte ich mit Ralf Flierl, dem Chefredakteur des Smart Investors gesprochen. Das komplette Interview gibt es gibt es auf der Metallwoche zu hören.

Wo ist er denn?

Der Begriff Crack Up Boom (CuB) ist seit längerer Zeit schon im Gerede. Viele erwarten, dass nicht nur die Gold – und Silberpreise als Indiz für einen CuB steil nach oben steigen, sondern auch Aktienkurse und Preise für Immobilien und Rohstoffe. Ralf Flierl meint, dass der CuB kommen wird, er vielleicht auch schon in den ersten Zügen liegt. Die kompletten Grundlagen werden seiner Ansicht nach spätestens in diesem Jahr gelegt, so dass 2013 ein Jahr der Preiswunder wird. Mit entsprechendem Misstrauen in das Geld werden die Leute in großem Stil dann ihre Geldwerte in Sachwerte tauschen. Aber…

Man muss einen Anreiz schaffen, dass die Leute ihr Geld ausgeben. Es muss auch noch etwas Psychologie dazu kommen. Das Geld horten muss einem so verleidet werden, dass man sagt, ich kaufe jetzt irgend was, ich mache eine Reise oder kaufe ein Auto, nur um das Geld vom Konto weg zu bringen. In Ansätzen erleben wir das, aber nicht im Extremen. Bei einer restriktiven Politik, wie wir sie in Europa erleben, sehe ich diesen letzten Punkt dafür noch nicht – was aber nicht heißt, dass es nicht noch kommt. Das glaube ich schon. Im Augenblick sehe ich es noch nicht.

Einige wichtige Komponenten in dieser Mixtur für einen CuB fehlen noch: Staatliche Ausgabenprogramme…

Sobald die nächste Rezession da, sich manifestiert oder den Eindruck erweckt, dass sie dramatischer oder dramatischst werden kann, werden Regierungen und Zentralbanken alle Vorsätze ziehen lassen und werden massivst eingreifen in einem Maße, wogegen die letzten Maßnahmen, wo wir schon die Köpfe geschüttelt haben, wie die Kindergartenspiele aussehen werden.

Dass Notenbanken die Banken mit Liquidität versorgen, reicht als alleinige Bedingung nicht aus. Das Geld kommt in der Wirtschaft nicht an. Noch nicht. Die Banken stecken die EZB-Kredite für ein Prozent auf drei Jahre in Süd-Anleihen, wo es schneller „arbeitet“ und verlassen sich darauf, dass die EZB und deren Anteilseigner im Falle Schwierigkeiten gerade stehen werden.

Unterdessen beginnt Mister Market mit ersten Aufräumarbeiten. Wann werden sich Regierungen mit Konjunkturprogrammen dagegen stemmen und versuchen, eine Rezession zu bekämpfen? Flierl rechnet damit in diesem Jahr. Mit staatlichen Ausgabenprogramme werden (alternativlos) die gerade modern gewordenen Versprechungen von Einsparungen über Bord geworfen. Wir wissen, Politiker ändern öfters ihre Meinung und vor allem ihre Handlungsweise. Schließlich wollen sie Ruhe im Land und wieder gewählt werden. Geld auszugeben, das sie nicht haben, damit kennen sie sich aus.

QE-Global

Was werden die Notenbanken tun? Zinssätze anheben würde bedeuten, diejenigen, die Schulden haben und diese refinanzieren müssen, in den Ruin zu treiben. Zufälligerweise gehören dazu in erster Linie auch die Staaten dazu. Können Zentralbanken die Zinsen anheben, selbst wenn es mit der Wirtschaft besser laufen sollte? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich werden sie eine Art von verbaler „Zinsdisco“ spielen, indem sie abwechselnd Verunsicherungen und Zuversicht verbreiten. Licht aus, Licht an, Stecker rein in die Steckdose und mal kurz wieder herausgezogen. Das Flackern in der Beleuchtung wird irritierend sein und wahrscheinlich für größere Volatilität sorgen.

Die ziehen den Stecker nicht raus, aber sie haben ihn nicht voll drin. Man könnte noch viel mehr machen. Im Augenblick werden die Banken mit Geld geflutet… Das ist schon mal eines auf den Weg dorthin. Wenn die Banken es nicht in die Wirtschaft weitergeben, das bremst das aus. Dann wäre zwar die Voraussetzung erfüllt, aber nicht die Zweite. Das heißt, das Geld müsste irgendwie in die Wirtschaft. Und das kann nur staatlicherseits passieren. Und das sehen ich gerade noch nicht.

Wenn es hierzulande mal schlechter aussehen würde, müsste sich Frau Merkel sich drehen und dann das Ganze ins Laufen kommen…. Denn eines ist Klar: Wenn Deutschland Schlagseite bekommt, dann ist Europa futsch. Ich sehe, dass Deutschland Probleme bekommen wird.

Flierl verweist auf die Sparprogramme der deutschen Handelspartner wie z.B. in Italien. Ob man diese „Austeritätsbemühungen“ wirklich stringent umsetzen will und überhaupt umsetzen kann, ohne die Leute auf die Straßen zu treiben, ist eine andere Frage.

Das Ende eines CuB ist eine Hyperinflationen mit anschließender Währungsreform. Billige Kredite, staatliche Ausgabenprogramme aber zugleich auch auch Angebotsschock auf den Märkten. Deshalb sollte man auch das Voranschreiten des Protektionismus beachten. „Bring den Nachbarn an den Bettelstab“ war die frühere Devise im Kampf der einzelnen Länder gegeneinander in wirtschaftlichen Dingen. Wieso soll Griechenland deutsche Waren, Waffen oder Autos importieren?

Sicherlich wird man die Warnungen nicht aus den Zeitungen erfahren. Medien werden die Ursachen eines Aufschwungs an den Märkten als Optimismus und Dauererrektion der wirtschaftlichen Zusammenhänge präsentieren. Das Flackern im Preisgefüge kann wissenschaftlich vertuscht werden. Die Misstrauenskarte der Leute wird später gespielt. Aber so erlebt man in Gesprächen mit Freunden, Bekannten und auch Leuten mit Geld auf der hohen Kante mehr und mehr Misstrauen gegenüber dem, was aus den Zentralen für Gesundbeterei ertönt. Vielleicht werden die meisten die Sache nicht einordnen können, sondern zuvor losrennen – kopflos.

Erste Tendenzen sieht man auf dem Immobilienmarkt. Ob die Börse oder Goldpreis das derzeit schon spielen, mag den einen oder anderen zur These des CrackUp Boom führen. Andererseits ist von einer Massenbewegung aus Geldwerten in Sachwerte lange nicht die Rede. Es scheint sich etwas zu bewegen, vielleicht mehr noch in den Köpfen.

In der Hochphase des CuB 1923 stieg übrigens der deutsche Aktienindex des Reichsamtes von 200 auf 26,5 Billionen Punkte. Die einen werden dann sagen, sie wären reich und nach Champagner suchen. Vielleicht bleibt die Flasche aber im Keller, weil es nicht zur Umgebung passt, die man dann nicht mehr wiedererkennen wird. Folgenlos bleibt ein CuB auch gesellschaftlich nicht.

Vielleicht läuft es darauf hinaus – und unsere Kinder und Enkel später werden sagen, die Dinge liefen damals aus dem Ruder. Es war eine Mischung aus Missverständnis oder Verwechslung. Regierungen und Notenbanken hätten es gut gemeint. Doch „gut gemeint war das Gegenteil von gut – aber irgendwann dann doch zwingend nötig.


 

 

Schlagworte: , , , ,

17 Kommentare auf "Ein Boom, vor dem man sich fürchten sollte"

  1. stonefights sagt:

    Danke dir Frank.

    Gerade habe ich darüber philosophiert, warum der Chinese seit geraumer Zeit „Geisterstädte“ baut ?
    Ist es klug, vor oder im oder nach einem CuB ins Physische zu rennen ?
    In materiellen Denkweisen scheint es ratsam, das Physische einem Papier (Versprechen) vorzuziehen, ob rund, eckig, gold oder grün, spielt dabei keine Rolle, aber auf jeden Fall VOR einem CuB scheint mir richtig zu sein.

    Konfuzios wird als Autor folgendes Spruches aufgeführt:
    „Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.“

    Umgemünzt auf dein Thema wäre der erste Satz, meinetwegen auch (aus heutiger Sicht) „Geisterstädte“ zu bauen, der zweite Satz, diese in einer CuB-Phase zu kaufen, und der dritte Satz, am Ende der CuB-Phase nur „grüne“ Versprechen zu besitzen.

    lg, stonefights

  2. gilga sagt:

    Ja, das fühlt sich schon seltsam an, was da momentan an den Börsen passiert. Indikatoren zeigen in der Regel nach oben, reale Größen (Absatzahlen etc.) jedoch in die entgegengesetzte Richtung… es bleibt spannend.

    Ging per Mail gestern Nacht schon an Frank (wann schläft der Mann eigentlich?), aber ich denke es ist auch für den Rest hier interessant:

    Solic bei Maibritt Illner (m.E. nach mal jemand der schön Klartext redet und sich nicht kleinhalten lässt):
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1559006/Erloesung-fuer-Griechenland?bc=sts;suc#/beitrag/video/1559006/Erloesung-fuer-Griechenland

    und hier ab ca. min 39:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1559006/Erloesung-fuer-Griechenland?bc=sts;suc#/beitrag/video/1558634/Milliardengrab-Griechenland

    Habt ihr jemand anderen in dieser Diskussion gesehen, der mal ein paar gute Argumente mit konkreten Zahlen unterfüttern konnte? Ich so gut wie gar nicht…

    • Frank Meyer sagt:

      Das war der Grund, warum ich nicht schlafen konnte, das ZDF-Interview und wie mit Herrn Sulik umgeht – wie mit einem Verbrecher, der auf Recht und Gesetz Hinweis, und von Herrn Schulz niedergebrüllt wird. Unglaublich

      • gilga sagt:

        Ja da waren so viele Dinge die man hier aufzählen könnte die einen da beim Zuschauen ins Schwitzen bringen…

        Meine Frage bzw. Antwort anstelle Herrn Sulics zu „Zum Glück repräsentieren sie nur eine Minderheit“ wäre gewesen: „Sieht so Demokratie in Europa aus? Darf meine seine Meinung nicht offen vertreten und auch in Abstimmungen dafür einstehen? Ist die einzige Art, wie Sie auf mit sachlicher Kritik umgehen die, darauf hinzuweisen, dass diese Meinung nur von einer Minderheit vertreten wird und daher nicht wichtig ist? Ist die griechische „Minderheit“ (2% der Bevölkerung der EU) in Europa bedeutender als eine Slowakische?“

        Die Fragen nach der Anzahl der Menschen die einen gewählt haben war natürlich auch nicht schlecht… 😉 Die 300.000 genannten Menschen stellen immerhin mehr als 5% der Bevölkerung der Slowakei… und die Kritik kam ja nicht nur von seiner Partei sondern auch von anderen. Der feine Unterschied war nur, dass seine Partei in der Abstimmung sich auch entsprechend verhalten hat.

  3. Reiner Vogels sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer, was erwarten Sie denn anderes vom öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehen? Sachliche und umfassende Information oder gar von den Vorgaben der Parteizentralen unabhängige Beiträge zur Meinungsbildung kann man von diesen in Hofberichterstattung geschulten Sendeanstalten ja schon lange nicht mehr erhoffen.

    Das gilt insbesondere auch für die politischen Talkshows. In der Regel sind sie nach dem Strickmuster zusammengesetzt: vier oder fünf gegen einen. Der eine darf dann die Rolle des Hofnarren spielen. Wenn er aber allzu lange zu Wort kommt oder wenn gar die Gefahr besteht, dass das Publikum ihm zustimmt, wird er schnell zum Schweigen gebracht. Das geschieht entweder durch undiszipliniertes Niederbrüllen durch die Mainstreamteilnehmer oder einfach durch eine vom Moderator veranlasste Einspielung eines völlig uninteressanten Kurzfilms, der aber die Funktion erfüllt, den Gedankengang des einen, der die Wahrheit sagt, zu unterbrechen. Solche Talkrunden schaue ich schon lange nicht mehr. Das bekommt meinem Blutdruck nicht.

    • gilga sagt:

      Nun wenigstens findet irgendeine „Diskussion“ statt. Ich hatte mir ja schon mal eine Runde mit Leuten vom Kaliber Kyle Bass, Marc Faber etc. in so einer Veranstaltung gewünscht. Ich denke es wäre interessant zu erleben, wie unsere Politiker damit zurechtkämen… Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben, dass der eine oder andere doch noch was lernt (aber vielleicht liegt ja auch nur der Rest falsch? ;-)).

      Wenigstens geben diese Formate die Möglichkeit auf einige interessante Personen aufmerksam zu werden (vor allem dann wenn es nicht die üblichen Verdächtigen sind). Die weitere Recherche ist heutzutage ja denkbar einfach… noch und zum Glück.

      Und wenn es doch mal eine hitzigere Diskussion oder kniffligere Fragen gibt, ist es auch interessant wenn die ein oder andere Maske mal fallengelassen wird. Passiert selten, aber dann wird’s spannend.

      • stonefights sagt:

        ja gilga,
        „Und wenn es doch mal eine hitzigere Diskussion oder kniffligere Fragen gibt, ist es auch interessant wenn die ein oder andere Maske mal fallengelassen wird.“

        So wie unser aller Bester Edmund halt, der innerhalb seines (scheinbar) „Gähn“-Monologs bei 45 Min. loslässt „…weil wir fahrlässig in einen Währungsverbund gegangen sind …“.
        Ja Edmund, du bist ja nicht mehr am Hebel, dann darfst du auch mal reden ala „…wenn sie in 5 Minuten…“ 🙂

  4. Reiner Vogels sagt:

    Nachtrag zum eigentlichen Thema, dem CuB: Ich denke, er hat begonnen. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Notenbanken entschlossen sind, die Märkte bis zum Erbrechen mit Geld zu fluten.

    Dass der CuB am Ende in eine Katastrophe führen dürfte, ist unbestritten. Aber was kümmert unsere Notenbanker und unsere Politiker das Morgen? Wenn es zum Zusammenbruch kommt, werden die gegenwärtigen Amtsträger im wohlbezahlten Ruhestand sein, und ihre Nachfolger werden die Suppe auszulöffeln haben.

  5. Wollen sagt:

    Bekanntes Schema,

    Haben sie wieder gepredigt..,für Europa;)

    Abwrackprämie und Kurzarbeitergeld einführen in den betroffenen Ländern,super.. wo keine Arbeit ist, ne..,und wenn kein Geld vorhanden bei den Menschen..,aber es wird beklatscht über solch einen Unfug.

    schönes WE

  6. crunchy sagt:

    Vielleicht sollte man mal überlegen, was die Notenbanken wirklich wollen? Wer glaubt ehrlich, dass die sich selbst zerstören?
    Bei dem Gelddrucken geht es doch nur um das Eine: Die Katastrophe abzumildern, indem man die durch Fehlinvestitionen angelaufenen Finanzverluste mit planbaren Gewinnen ausgleichen kann. Kurz: Bankenrettung. Das bedingt eine mittelbare Überflutung der Märkte. Doch die Chance, die Pferde wieder einzufangen, ist noch immer
    gegeben. Schön, dass dabei der eine oder andere etwas mehr darin sieht. Ohne Visionen keine Trends, an denen man verdienen kann.
    Fragt doch mal den Ackermann oder einen Notenbanker, was er von einem Übergang zu einem Vollgeldsystem hält und ob man sich diesen vorstellen kann…! Überraschung? Nur, wenn man auf einen CuB hofft.
    Ich für meinen Teil, habe meine Metalle hoffentlich rechtzeitig wieder losgeschlagen.

  7. […] Rott & Meyer: Ein Boom, vor dem man sich fürchten sollte […]

  8. Dagobert sagt:

    Welche Ironie! – Am 21.12.12 soll ja die Welt untergehen und just auf den Tag genau ein Jahr früher beginnt eine „Rettungs-Operation der anderen Art“: LTRO!
    Der Clou: Alle, alle, alle reden über WEF, Gipfel, ESM, Griechenland, Schulden, Pleiten, Dschungelcamp…

    Google-Schweiz/News24h/LTRO: 4(!)Ergebnisse!!!
    Google-Schweiz/News30Tage/LTRO: 321 Ergebnisse
    Google-Schweiz/News30Tage/Dschungelcamp: 148000 Ergebnisse…

    Da werden also Wälder abgeholzt damit uns unsere Zeitungen tagtäglich weltbewegende Nichtigkeiten…ach lassen wir das…
    Die Printausgabe der FuW hat erst einen ganzen Monat später – am 21. Januar – endlich geschnallt, dass „irgendetwas Neues“ passierte und im allerersten LTRO-Artikel geschrieben: „Beglückte Märkte/ Dramatische Stimmungsaufbesserung/ Wo ist die Krise hin?“

    Natürlich, LTRO wird bald einen neuen Namen bekommen, dann wieder ein bisschen anders und aufgehübscht daherkommen; vielleicht dank stretch i i i i i ing sogar richtig sexy…- aber am 21. Dezember 2011 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen!

    Kostolany konnte mal das Geldsystem einer ganzen Volkswirtschaft wunderbar verständlich mit seiner Badewanne erklären…viele, viele Länder haben heute keine dichte Wanne mit Zu-und Ablauf – sondern sind eher ein Fass ohne Boden…

    Die, die die Spielregeln machen und brechen dürfen, nehmen also Kostos Badewanne und auch alle Fässer und schmeissen die einfach in einen riesigen Swimming-Pool! Der Bademeister heisst Mario!

    Mögen die Geschichtsschreiber eines Tages bitte, bitte, bitte mit unserer Generation erbarmen haben!

    Gruss
    Dagobert

  9. […] viaEin Boom, vor dem man sich fürchten sollte | Rott & Meyer. Share| Februar 3, 2012 at 4:08 pm by admin Category: GAME OVER, Wirtschaft […]

  10. mfabian sagt:

    Ja ja, das liebe QE … Wer wird wohl der nächste sein, der mittels Geldspritze seine Währung schwächen wird? Ich tippe auf die USA, denn:

    Aus Sicht der Amis ist der Dollar bereits wieder zu stark. Die Konkurrenzfähigkeit der ohnehin geschwächten US-Industrie nimmt gegenüber den Europäern ab. Ergo dürfte als nächstes wohl eine Abschwächungsaktion der Amis stattfinden.

    Hey! Was hatten wir die letzten Jahre?
    * QE1 und QE2 von den Amis schwächt den Dollar. —> Alles shortet den Dollar und rennt in Euro und Franken.
    * EZB reagiert nur zögerlich und halbherzig mit -Easing massnahmen. Dennoch verliert der Euro und alles rennt in den Franken.
    * Nun hat die EZB am 22. Dezember eine halbe Billion Euronen klar gemacht. Logisch: –> Alles shortet den Euro und rennt in den Dollar

    Und nun?

    Wenn jetzt alle schön fett short Euro und long Dollar sind, kommt Heli-Ben und kündigt QE3 in Höhe von 2 Billionen an. Jetzt sind alle falsch positioniert und rennen aus Dollar wieder in den Euro. Auf dem falschen Fuss erwischt. Pech gehabt.
    Das wäre dann genau das, was die Amis wollen: Einen schwachen Dollar, um zumindest bis zur Wahl steigende Aktienkurse und somit vermeintliche Wirtschaftsstärke vorgaukeln zu können. Parallel dazu würde man die hauseigenen Rating-Agenturen „bei Fuss“ pfeifen und sie anweisen, keine EU-Downgrades mehr durchzugeben.

    Und wenn dann die US-Wahlen vorbei sind und die Amis vielleicht in der Zwischenzeit gelernt haben, Maschinen zu bauen, die Zettel zählen können, was passiert dann?
    Richtig: Jetzt sind alle fett long Euro und short Dollar und dann wird der Spiess umgedreht: Die Rating-Agenturen downgraden Portugal, Spanien, Italien, Frankreich und vielleicht sogar Deutschland, die Hedge-Fonds kaufen CDS gegen Portugal (und wenn es das dann noch gibt: Griechenland) und wir basteln die nächste EU(ro)-Basher-Runde, bis die EZB frustriert einlenkt und 2.5 Billionen Euronen auf den Markt schmeisst, was die „Frau mit Gesicht wie Landkarte von Finnland“ dann als „alternativlos“ dem deutschen Michel verkaufen wird.

    Dazwischen natürlich unsere SNB, die wie ein Dackel das ganze hin- und her des Euros mitmacht und mit Blick „wie Kaninchen auf Schlange“ jede Bewegung der Eurokraten mitverfolgt.

    Mittlerweile dürfte dann auch der letzte Trottel gemerkt haben, dass Deutschland als einziges Land noch zahlt (bzw. sich weiter verschuldet: Deutschland hat ja auch kein Geld), während die anderen 16 (von 17) Mitgliederländer sich kräftig am Topf bedienen. Aber was solls? Schliesslich herrscht doch eine Demokratie in Europa, gelle? Und man muss schliesslich solidarisch sein, sei angemerkelt. Und die Frau „mit Haaren aber ohne Frisur“ wird nimmermüde, uns exakt selbiges zu verklickern.

    Da kommt mir unweigerlich die Geschichte in den Sinn, die Peter Boehringer hier ( http://www.rottmeyer.de/podiumsdiskussion-peter-boehringer-ralf-flierl-oliver-janich/ ) in der Podiumsdiskussion zum Besten gegeben hat:
    16 Wölfe und 1 Lamm unterhalten sich darüber, was es heute zum Abendessen geben soll. Der demokratisch gefällte Entscheid mit 16:1 Stimmen: Lammbraten!

  11. Wollen sagt:

    Gestern war ein Kommentar zu lesen über den Bericht zu den „überraschend guten“ Arbeitsmarktdaten,das Spiel hüben wie drüben ist statistische Vollbeschäftigung um jeden Preis „gute“ Daten vermitteln,ja hab ich unterschätzt die Entwicklung, hinzukommt die große Griechenland Lösung wird für Euphorie sorgen, US-Präsidentschaftswahlen unterdessen wird der Irankonflikt weiter anschwellen.
    Die Entwicklung an den Börsen hat mfabian gut beschrieben.

  12. wolfswurt sagt:

    Boom oder kein Boom ändert an den Ursachen der Probleme des westlichen „Kulturkreises“ garnichts.

    Der Boom, welcher z.Zt. medial aufbereitet wird, ist Ausdruck des Niederganges.

    Wirkliche Aufschwünge bedürfen keinerlei medialer Planungen und ständiger Lobpreisungen.

    Das westliche System befindet sich im Endkampf um die weltliche Vorherrschaft.
    In einem Endkampf geht es in der Regel brutal, verlogen und ohne Rücksicht auch auf eigene Verluste zu.

    Je schlimmer die Zustände um so näher das Ende.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.