Ein Blick in die Glaskugel

20. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt – Ich weiß, viele mögen das gar nicht hören. Aber es könnte durchaus sein, dass der DAX ab sofort bis zum 21. Juni deutlich fällt. Nun gibt es da durchaus ein charttechnisches Kursziel bei 8.730 Punkten, das durch die oberen Begrenzungen zweier langfristiger Aufwärtstrendkanäle definiert ist. Aber schaffen wir es noch bis dahin?

Kann der DAX eine bislang schon fast 1.000 Punkte in vier Wochen umfassende Rallye noch auf fast 1.300 Punkte „aufbohren“?

Bullishe Optimisten würden darauf fröhlich antworten: „Na klar kann er das! Wenn der DAX in den letzten Wochen miserable Konjunkturdaten einfach vom Tisch wischen konnte, warum sollte das nicht einfach so weitergehen?“ Nun, zugegeben, immerhin sorgt die „Perma-Geldspende“ durch die Notenbanken immer schön für Liquidität und der Spruch „sell in may and go away“ wird, wenn der DAX im kläglichen Rest des Monats Mai nicht plötzlich einbricht, in „Kauf im Mai und bleibt dabei“ umgeschrieben werden müssen. Die Welt ist schön …

… wenn man Long ist bzw. sich überhaupt Aktien leisten kann. Oder noch eine Arbeit hat. Oder nicht im Süden der Eurozone wohnt etc. Aber sei’s drum, ganz grundsätzlich kann der DAX dieses Kursziel nicht nur erreichen, sondern sogar überwinden. Und zwar aus genau den vorgenannten Argumenten heraus. Es müssen nur genug Marktteilnehmer weiterhin fest daran glauben und entsprechend weiter kaufen. Und solange eine nennenswerte Korrektur ausbleibt, werden die institutionellen Investoren weiterhin gezwungen sein, auch in steigende Kurse hinein ihre Portfolios weiter auszubauen, um mit ihrer Performance nicht hinter die Konkurrenz zurückzufallen, die genau das auch tut und denkt. Aber!

Angesichts der täglich steigenden Kurse am deutschen Aktienmarkt sollte man bloß nicht auf die Idee kommen, die finstere Seite der Realität einfach zu ignorieren. Wer das tut, lässt alle Vorsicht fahren und landet in aller Regel unsanft auf der Nase. Und zwar genau dann, wenn er/sie es am wenigsten erwarten. Der Punkt ist doch folgender: Das billige Geld schwappte schon im März und April durch die Börsensäle. Trotzdem fiel der DAX damals vier Wochen am Stück. Warum?

Weil es eben nicht nur um fundamentale Aspekte, Liquidität oder die Charttechnik geht. Es geht auch um die Stimmung am Markt und es geht vor allem und insbesondere darum, was die großen Spieler an den Terminbörsen mit den Kursen vorhaben! Und angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre, insbesondere seit Ende 2007, soll mir niemand erzählen, dass diese großen Adressen, insbesondere die Banken im Eigenhandel, nicht imstande wären, die Kurse nachhaltig in die von ihnen gewünschte Richtung zu bewegen. Schließlich geht es ja nicht darum, permanent mit dem größeren Kapitalanteil auf der „richtigen“ Seite zu stehen und damit die Vorgaben zu machen. Es geht vor allem darum, die Marktteilnehmer dazu zu bringen, den von einem selbst erwünschten Trend ohne es zu merken nach Kräften zu unterstützen.

Das funktioniert zum einen durch das Überwinden oder Durchbrechen charttechnischer Marken. Und das funktioniert zum anderen durch die gezielte Beeinflussung der Marktstimmung, indem man Rallyes oder Kurseinbrüche zu Zeitpunkten lostritt, zu denen die anderen Marktteilnehmer absolut nicht damit rechnen. Dann ist man der Unterstützung durch kurzfristige Trader, die sofort auf den fahrenden Zug aufspringen, versichert. Und so ist es meistens gar nicht mal so schwer, den Kursen den entscheidenden „Stupps“ zu verpassen, wenn man das ausreichende Kapital zur Verfügung hat und weiß, wie die Marktteilnehmer „ticken“. Und gerade die alten Hasen im Eigenhandel der Banken wissen das ganz genau!

Und ein solcher Augenblick wäre jetzt da. Denn wenn wir uns mal den nachfolgend abgebildeten Kursverlauf des DAX seit Oktober 2012 ansehen, so stellen wir fest, dass die Verfalltermine an den Terminbörsen Schlüssel-Zeitpunkte für mögliche Richtungswechsel beim DAX sind.

RG1

Ich habe Ihnen hier die jeweiligen Verfalltermine mit einem kleinen blauen Kreisen markiert und mit Linien verbunden. Dann erkennt man sehr gut, dass es im Oktober, November, Februar, März und April zwischen den Verfallterminen jeweils zu bemerkenswerten Richtungswechseln gekommen ist. Und das ist weiß Gott kein Zufall.

Denn die gerade abgerechneten Optionen sind direkt nach einem Abrechnungstermin Vergangenheit, die großen Spieler an den Terminbörsen starten sozusagen ihre Computer neu… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

2 Kommentare auf "Ein Blick in die Glaskugel"

  1. rolandus sagt:

    Lieber Herr Gehrt, vielleicht können wir sie bald wieder auf der Metallwoche hören, wenn denn Frank Zeit und Sie noch mehr Zeit haben 😉

    Vielen Dank einstweilen für den Einblick in die DAX Anstalt
    rolandus

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.