Ein Blick auf das 150 Billionen Dollar Schuldenloch

26. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner

2012 schaute die Haushaltsabteilung des US-Kongresses voraus und sah einen entgegen kommenden Zug. Wenn die Staatsausgaben den Trend weiterschreiben würden, dann würden die USA in den kommenden 10 Jahren weitere 10 Billionen Dollar Staatsverschuldung anhäufen… 

Der Kongress, welcher auf diesen Notfall reagierte, verabschiedete ein Gesetz, welches, wenn es nicht geändert würde, die zusätzlichen Schulden auf 8,7 Billionen Dollar verringern würde…

Der entgegen kommende Zug behielt seine Richtung bei. Aber er ist noch größer und kraftvoller, als die Haushaltsabteilung denkt. Denn das Defizit des Bundes liegt für 2012 nicht bei 1,1 Billionen Dollar, wie allgemein berichtet wird. Wenn Sie ungedeckte Ausgaben für Medicare und Verpflichtungen für Social Security hinzunehmen, dann sind es mehr als 7 Billionen Dollar.

Das Bruttoinlandsprodukt hat sich im selben Zeitraum um ungefähr 320 Mrd. Dollar erhöht. Mit anderen Worten: Die Schuldenlast steigt 21 Mal so schnell wie die Wirtschaft, die sie unterstützen muss. Wenn man die Verpflichtungen der US-Regierung korrekt wiedergeben würde, und zwar laut den offiziellen Buchhaltungsvorschriften laut GAAP, wie es in den USA jedes Unternehmen muss, dann würde sich ein Loch (= gesamter Schuldenstand) von 86 Billionen Dollar zeigen.

Und bei dem Tempo, in dem sich die neuen Schulden anhäufen, wird sich dieses Schuldenloch in den nächsten 10 Jahren weiter vertiefen, auf mehr als 150 Billionen Dollar. Das wäre dann fast das 10fache der Größe der Volkswirtschaft.

Eine andere Art, sich dies anzuschauen, ist es, nochmal darüber nachzudenken, wie moderne Demokratien sich selbst finanzieren. Seit den Tagen von Bismarck nehmen sie Geld von ihren Bürgern und zahlen einen großen Teil davon zurück, in Form diverser Sozialausgaben. Ein erfolgreicher Politiker ermöglicht es, dass die Ausgaben die Einnahmen so stark wie möglich übersteigen, aber nicht so stark, dass er verantwortungslos aussehen würde.

Die zusätzlichen Wohltaten kann er seinen Wählern plausibel versprechen, und desto wahrscheinlicher wird er an Macht gewinnen….und desto mehr Ressourcen kann er dann zu den favorisierten Gruppen verschieben.

Das Wachstum der letzten 100 Jahre – Wachstum der Bevölkerung, des Bruttoinlandsproduktes, der Löhne, der Preise – hat es möglich gemacht, dass die Staatsausgaben stark zugenommen haben. Es wurden größere, reichere Generationen antizipiert, welche ihre kleineren, ärmeren Eltern unterstützen würden.

Die Mathematik dieses Systems konnte ziemlich gut aufrecht erhalten werden – bis vor kurzem. Jetzt fällt das Bevölkerungswachstum überall in der entwickelten Welt, auch in den USA, wo es in der Bevölkerungspyramide eine Delle gibt bei der Generation der „baby boomers“, welche sich gerade darauf vorbereiten, in den Ruhestand zu gehen, und sich selber die verschwenderischsten Wohltaten der Geschichte erwählt haben.

Ohne Wachstum ist dieses System der öffentlichen Finanzen zu einem spektakulären Scheitern verurteilt. Noch mehr Staatsausgaben werden es nicht besser machen; es wird verhängnisvoll sein. Je mehr trockene Schulden auf dem Boden, desto größer der Brand.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Ein Blick auf das 150 Billionen Dollar Schuldenloch (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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2 Kommentare auf "Ein Blick auf das 150 Billionen Dollar Schuldenloch"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Zitat: „Eine andere Art, sich dies anzuschauen, ist es, nochmal darüber nachzudenken, wie moderne Demokratien sich selbst finanzieren. Seit den Tagen von Bismarck nehmen sie Geld von ihren Bürgern und zahlen einen großen Teil davon zurück, in Form diverser Sozialausgaben. Ein erfolgreicher Politiker ermöglicht es, dass die Ausgaben die Einnahmen so stark wie möglich übersteigen, aber nicht so stark, dass er verantwortungslos aussehen würde.“

    Diese Argumentation entspricht der in manchen libertären Kreisen geäußerten Kritik an der Demokratie als solcher. Demnach hat die Demokratie eine ihr selbst innewohnende Tendenz zur Schuldenwirtschaft, weil Politiker um ihrer Wiederwahl willen dazu neigen, auf Pump Wahlgeschenke zu machen.

    Ich bezweifle nicht, dass es solche Mechanismen gibt, meine aber, dass in den großen Imperien der Weltgeschichte einschließlich den USA ein anderer Mechanismus wichtiger ist. Es ist der Zwang, die eigene Macht mit immer höherem militiärischen Aufwand zu sichern und auszuweiten. So war es schon bei den Kaisern des Römischen Reiches. Es sind das Großmachtstreben und der immer weiter ausgreifende Imperialismus, die immer mehr Geld verlangen. Waffen, Kriege und Soldaten sind in Wirklichkeit viel teurer als Krankenversicherung oder Arbeitslosengeld. Dies gilt für alle großen Imperien, egal, ob sie demokratisch regiert werden oder nicht.

    Man soll also nicht die Demokratie als solche für etwas verantwortlich machen, was in Wirklichkeit andere Ursachen hat. Ich meine, dass die gigantische Staatssverschuldung der USA weniger mit einem ungezügelten Sozialstaat zu tun hat als mit den alles vernünftige Maß sprengenden Kosten des Militär- und Sicherheitsapparats.

    Dies zu sehen, heißt noch nicht, große Imperien als solche zu verurteilen. Es gibt in der Politik durchaus Gesetzlichkeiten, die es leider den meisten Staaten dieser Erde verbieten, nach dem Modell Schweiz zu leben. Ein Systemwechsel ist daher meistens unrealistisch. Die USA können nun einmal nicht leben wie die Schweiz. Es wird daher immer auf die Menchen ankommen, die Regierungsverantwortung tragen. An ihnen ist es, die rechte Balanz zu wahren und die schlimmsten Auswüchse des Schuldenstaates zu vermeiden. Leider gelingt das meistens nicht.

  2. John Doe sagt:

    Tja, diese vermaldeite Verschiebung der Alterskohorten. Natürlich ein Thema für den Kapitalschutz. Um was sorgt sich die Akte Kapitalschutz?

    Wie jedes gute Ponzi-System haben auch kapitalmarkt basierte Rentenfonds ein Problem mit der dauerhaften, nachhaltigen Refinanzierung. Solange genug neues Kapital fließt, solange keine Kapitalabflüsse statt finden kann über die Kostenschiene tolles Geld verdient werden. Tödlich für dieses System ist aber, wenn kein neues Kapital nach kommt und zu dem Kapitalabflüße durch Auszahlung aus dem Rentenvertrag fällig werden. Dieser teuflische Satz pacta-sunt-servanda gilt doch nicht auch noch andersherum, Teufel noch mal!

    Wenn die Gesellschaft immer älter wird und die Gesundheitskosten explodieren, sollten sich ältere Menschen beeilen zu sterben. Diese intelligente und nachhaltige Lösung für das Loch in der Staatskasse hat jetzt der japanische Finanzminister vorgestellt. Taro Aso heisst der Mann und ist 72 Jahre alt und mehrfacher Multimillionär. In einer Sitzung des nationalen Gesundheits-Kommittes, in der es um Wiederbelebungsmaßnahmen und um Behandlungen zur Verlängerung des Lebens ging, redete der Finanzminister Klartext: “Sie sehen sich verpflichtet zu leben, wenn sie lieber sterben wollen. Ich würde mich schlecht fühlen, wenn ich morgens aufstehe und weiss, dass einem die Behandlung von der Regierung bezahlt wird.” Deswegen sollten sich ältere Menschen “beeilen zu sterben”, um die Finanzprobleme der öffentlichen Kassen zu lindern.(Quelle: http://www.guardian.co.uk/world/2013/jan/22/elderly-hurry-up-die-japanese)

    Einfach mal „Gesundheitskosten“ durch „Rente“, Japan durch die „USA“ ersetzen, natürlich paßt auch „Deutschland“, und schon ist das Kapital geschützt. Die Akte kann geschlossen werden!

    In D war man schon viel schneller. Wir haben es schließlich gelernt! 2003 hat der CDU-Politiker und Chef der Jungen Union Philipp Missfelder angeregt Zahnprothesen und künstliche Hüftgelenke für Senioren ab 85 Jahren nicht mehr zu bezahlen. Ihm wird fälschlicherweise auch der Begriff “sozialverträgliches Frühableben” zugeschrieben. Der Gesundheitsökonom Friedrich Breyer plädierte im selben Jahr dafür, keine Herzoperationen für Menschen ab 75 Jahren zu bezahlen. Und zu “Sozialverträgliches Frühableben” findet sich bei Wikipedia folgenden Eintrag:
    “Sozialverträgliches Frühableben war das Unwort des Jahres 1998 in Deutschland. Es spielt darauf an, dass ein Mensch mit Erreichen des Rentenalters volkswirtschaftlich mehr Kosten verursacht, als Nutzen bringt. Bekannt wurde der Begriff dadurch, dass ihn Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar in einem Radiointerview mit dem NDR verwendete. Das Thema war die Gesundheitspolitik der rot-grünen Bundesregierung, die geplant hatte, die Ärztehonorare zu begrenzen. Vilmar sagte wörtlich: “Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob die Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.” Auf die Nachfrage, ob die Pläne der Regierung zu einem früheren Tod von Patienten führen würde, meinte Vilmar: “Wird die Reform so fortgesetzt, dann wird das zwangsläufig die Folge sein.”

    Jeder, der in Grenznutzenkategorien zu denken gelernt hat, jeder für den „Gesundheit“, „Rente“ eine Handelsware, also schützenswertes Kapital ist, so wie es auch in den GATS-Verträgen steht, die auch von D akzeptiert wurden, für den dürfte die Aso´sche Lösung wahrlich kein Problem darstellen. Was mag Frau Merkel bloß mit der Forderung nach „marktkonformen Verhalten“ gemeint haben?

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