Ein Berg voller Schulden

26. Juli 2013 | Kategorie: Gäste, RottMeyer

von Bill Bonner  Der Boden der Renditen von US-Staatsanleihen war lange das „Loch Ness“ der Volkswirtschaft. Er wurde oft gesehen in den letzten 10 Jahren. Und dieser Boden der Renditen ist mehr Mythos als Realität. Die Renditen könnten Jahre auf dem derzeitigen Niveau bleiben. Dann werden zwei Dinge schmerzlich offensichtlich werden…

1. Der Boden bei den Renditen der US-Staatsanleihen ist wirklich auf diesem Niveau.

2. Die Auswirkungen sind verheerend.

Für Anleger von Familienvermögen ist es egal, ob dieser Boden schon (wie ich annehme) Anfang Mai 2013 erreicht worden ist, oder ob er erst in 5 Jahren erreicht sein wird. Er wird kommen, wenn es soweit ist.

Das Risiko, bei der Prognose der weiteren Richtung falsch zu liegen, beträgt in etwa 50% (denn die Anleihenkurse können entweder fallen oder steigen). Aber das Risiko, in den nächsten 30 Jahren Geld zu verlieren, ist bei der „Long-Seite“ (in Bezug auf die Anleihenkurse) größer als auf der Short-Seite. Nach 32 Jahren steigender Anleihenkurse…und Renditen, die so niedrig sind, dass man sie vom Boden kratzen muss….scheint es nicht weise zu sein, auf weiter steigende Anleihenkurse zu setzen. Das ist sogar tollkühn.

Zwischen den 1950ern und den 1980ern gab es einen Anstieg der Renditen (und einen Rückgang der Anleihenpreise). Wenn wir diese Jahre wiederbeleben könnten, dann würden sich wohl nur wenige beschweren. Das waren glorreiche Jahre für die USA, Europa und Japan. Steigende Renditen behinderten das Wirtschaftswachstum nicht. Sie gingen Hand in Hand. Vielleicht halfen sie sogar. Die Anleihenkurse stiegen. Die Familien zogen ihre Kinder auf, mit steigenden, realen Einkommen. Alles war gut.

Aber seitdem hat sich eine Menge geändert. Sie mögen da vielleicht an Neil Armstrongs Spaziergang auf dem Mond denken, die Rolling Stones oder das Internet. Aber aus meiner Perspektive ist das Anhäufen von Schulden wichtiger.

Die fallenden Renditen der Anleihen im Zeitraum 1981-2013 brachten ein Schuldenniveau hervor, welches die Welt noch nie zuvor gesehen hat. Diese Kredite hängen nun wie dunkle Wolken am Himmel, sie verdecken die Sonne und kündigen kaltes, hässliches Wetter an.

Verglichen mit dem Niveau der Schulden Ende der 1940er sind die heutigen Schulden katastrophal hoch. Als die Ruinen von Dresden und Nagasaki aufgeräumt wurden, da hatte Amerika Schulden in Höhe von 150% des BIP – ein Großteil davon Kriegsschulden.

Heute haben die USA eine Schuldenlast von insgesamt 350% des BIP. Was passiert, wenn die Schulden steigen? „Für jeden Schuldner gibt es auch einen Gläubiger“. Das wird von Leuten zitiert, welche einem sagen, dass steigende Zinslasten nichts sind, weswegen man sich Sorgen machen brauche. Aber wenn das Unwetter beginnt, wird alles zu Schlamm.

Wenn ein Mensch, dem Sie Geld schulden, Ihnen gute Gesundheit wünscht, dann können Sie sicher sein, dass er das so meint. Wenn Sie ihm nicht seine Schulden zurückzahlen, dann wird er ein Problem haben. Aber wenn er verliert, dann gewinnen Sie.

Aber wer gewinnt, wenn der Anleihenmarkt fällt? Pensionsfonds werden ihre Verpflichtungen nicht erfüllen können – wer gewinnt? Anleihenfonds verlieren Milliarden – wer gewinnt? Die US-Bundesregierung zahlt höhere Zinsen, um sich refinanzieren zu können – wer gewinnt?

Die Kapitalstruktur der USA und eines großen Teils der restlichen Welt hängt derzeit von US-Staatsanleihen ab. Wenn die verlieren, dann gibt es keinen Gegenpart, der gewinnt. Das ganze System schmilzt dann zusammen. Ja, es gibt gelegentliche „Shortseller“, welche gewinnen. Aber verglichen mit den Verlusten sind diese Gewinne vernachlässigbar.

Sie können sich das wie folgt vorstellen. Ein Mann in einer kleinen Stadt ist Autoverkäufer. Er findet heraus, dass er mehr Autos verkaufen kann, wenn die Käufer die zu niedrigen Zinsen auf Kredit kaufen können. Er akzeptiert sogar Käufer mit geringen Finanzmitteln. Seine Umsätze steigen. Er expandiert. Auf der Basis seiner steigenden Umsätze erhält er von den Händlern in der Stadt Kredite. Er baut ein neues Haus. Er kauft alles mögliche, auf Kredit.

Als schließlich herauskommt, dass die neuen Autokäufer nicht zahlen können, fällt die Schuldenpyramide zusammen. Der Autoverkäufer kann nicht zahlen. Er ist bankrott. Seine Zahlungsversprechungen sind wertlos. Und jeder, welcher ihn anschreiben ließ, hat Geld verloren.

So war das am subprime Hypothekenmarkt 2007-2008. Die Immobilienpreise fielen. Diejenigen, welche Hypotheken anderer gekauft hatten, verloren Geld. Aber die Hausbesitzer sollten weiter zahlen.

Wenn die Anleihenkurse kollabieren, dann verliert fast jeder Vermögen. Und viele scheinbar gute Investments – basierend auf der falschen Annahme ewig niedriger Zinsen – kollabieren komplett.

Von 1946-1981 konnte die Welt höhere Zinsen tolerieren, und mit ihnen gedeihen. Sogar die Leitzinsen in Höhe von 20%, welche es gab, töteten den Boom nicht. Stattdessen retteten sie ihn. Aber da wir derzeit so viel mehr Schulden haben, könnte sogar ein durchschnittlicher Zinsanstieg die gesamte Struktur zusammenbrechen lassen. Zuviel Schulden haben die Wirtschaft „fragil“ gemacht, wie Nassim Taleb sagen würde. In den letzten 30 Jahren hat sie sich an fallende Zinsen und steigende Schulden gewöhnt. Jetzt braucht sie beides, um zu verhindern, dass sie auseinander fällt… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Ein Berg voller Schulden"

  1. Michael sagt:

    Interessanter Artikel, … Danke.

    Ein Videobeitrag … Teile 6. und 7 über REPOs … und Derivate
    http://www.youtube.com/watch?v=4kLGOMQH3hk
    (Ann Barnhardt)

    Allemal spannend. Man glaubt’s kaum, die Hebel von Goldman Sachs:).

    Wer es sich ganz ansehen will, ab Teil 2.

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