EFSF: Das Sterben der Garantiegeber

18. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Sterben der Garantiegeber des EFSF setzt sich munter fort. Direkt nach dem Verkauf der neuesten Anleihe beantragte Zypern, zukünftig für nichts mehr garantieren zu müssen. Bei der zuletzt verkauften Anleihe sitzen die Zyprioten trotz De-facto-Insolvenz weiter im Boot…

Nach dem Start des ESM ist es still geworden um den einst als Rettungsvehikel gefeierten EFSF. Die Damen und Herren in Luxemburg emittieren jedoch munter weiter Anleihen, wobei die regelmäßig dahinscheidenden Garantiegeber nur für wenig Wirbel sorgen. Bisher sind Griechenland, Portugal und Irland ausgeschieden, wodurch sich die Anteile der verbliebenen Mitglieder erhöhten. Deutschlands Anteil stieg auf 29%, Österreich darf für 3% garantieren.

Am 8. April hat wenig überraschend (außer vielleicht für das Handelsblatt) Zypern den Antrag gestellt, zukünftig als Garantiegeber auszuscheiden. Entschieden wird von den anderen Garantiegebern über diese Anfrage am 25.4.2013. Das Ausscheiden einer nicht eben tragenden Säule wie Zypern sollte für nicht für Kopfzerbrechen sorgen, das werden bald größere Mitgliedsstaaten erledigen.

Bei der neuesten Emission des EFSF vor einigen Tagen war Zypern noch stolzes Mitglied im Reigen der sich selbst garantierenden Garantiegeber.

Das Papier wurde ohne Probleme verkauft, was angesichts so stabiler garantierender Finanzgrößen wie Spanien, Italien, Slowenien, Malta und Zypern natürlich nicht  überrascht. Allein Italien und Spanien stehen für 32% der verbliebenen Garantien, wer würde sich da schon Sorgen machen. Für alle weiteren Risiken ließen sich die Käufer der 8 Milliarden Euro schweren Emission mit einer Rendite von 0,956% entschädigen. Falls Sie sich wundern, wer so etwas kauft, richten Sie diese Frage bitte an Ihre Versicherung, Pensionskasse oder den Manager eines „geldmarktnahen“ Fonds.

Da einmal ausgesprochene Garantien unwiderruflich sind, stehen mittlerweile auch real insolvente Staaten für die bereits emittierten Papiere in der Pflicht. Die Verteilung der bisher vom EFSF vergebenen Mittel erinnert derweil an das Portfolio eines Verrückten, aber das liegt beim gesamten Thema „Euro-Rettung“ bekanntlich in der Natur der Sache. Risiken der spanischen Bankenstützung wurden an den ESM ausgelagert.

Vor diesem Hintergrund ist Humor gefragt, wenn man sich die Aussagen zum Thema Hebel des EFSF durchliest.

(European Financial Stability Facility FAQ) Why is there a need to leverage?

Over recent months the sovereign debt markets of some Member States have been under pressure. The EFSF exists to help under such circumstances and the recently created set of new instruments can be used for this purpose. However, EFSF resources are limited compared to the size of the debt markets. Therefore we will use the capacity of EFSF more efficiently by leveraging its resources.

Die Lage ist schlecht, man hat nur geringe Eigenmittel und möchte damit mehr bewegen, als es sonst möglich wäre. Das klingt nach einem verzweifelten Zocker, der den Großteil seines Geldes verbrannt hat und nun mit den letzten 1000 Mark Optionsscheine kauft. In der Regel ist das keine gute Idee.


 

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6 Kommentare auf "EFSF: Das Sterben der Garantiegeber"

  1. stonefights sagt:

    …ich liebe diesen Sarkasmus, es scheint das einzigst intellektuelle Relikt der Wahrheit im Überlebenskampf des Wahnsinns zu werden…

  2. Lickneeson sagt:

    Hihihi.

    Eine Mischung aus „Zauberlehrling,Tantalus und Drogenalptraum“.Da fällt mir eine Liedzeile aus der Berliner Hausbesetzerszene ein.

    „Ich hab nix, du hast nix – lass uns was draus machen…“

    Unfassbares Schneeballsystem.Die Bande sollte eigentlich verhaftet werden…

    MfG

  3. pluesch sagt:

    Hallo Lickneeson,

    “Ich hab nix, du hast nix – lass uns was draus machen…”

    Warscheinlich das beste für alle,
    regt die Kreativität an.

    Ein Totalreset und jedem 200€ Startgeld.

    Gruß

  4. Lickneeson sagt:

    @Pluesch

    Leider sieht das in der Realität anders aus.Nach jedem Krieg(Krise)waren die alten „Gewinner“ auch die Neuen.Siehe auch nach dem „Mauerfall“.

    Aber die Musik von „Ton Steine Scherben“ klingt in diesen Zeiten wieder, als wäre sie gerade eben geschrieben worden.Schön auch Titel wie „Mensch“ oder „Der Turm stürzt ein“.Mal bei YouTube reinsehen.

    MfG

  5. pluesch sagt:

    Ja klar sieht die Realität (immer)anders aus.
    In solch einem Fall sind es eben die
    mit dem Gewissen mehr an Information.
    Siehe zuletzt Zypern.

    Gruß

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